Am Ende des Winters gibt es wie immer viele mediale Höhepunkte. Filmfestspiele, Super Bowl und die Leipziger Buchmesse ziehen die Aufmerksamkeit an. Deshalb wollen auch wir über Stars sprechen.

Ich war sehr überrascht, wenn man die Bücher über Johann Sebastian Bach mal überblickt, wie viele es über die Wirkung von Bachs Musik auf heutige Menschen gibt. Und oft fällt in diesem Zusammenhang auch das Wort Gott.

“Bach und ich” von Marten t´Hart ist das erste aus dem Jahr 2000. Der holländische Naturwissenschaftler, Sohn aus einer reformierten Familie lässt in seinen Romanen nicht viel Gutes an der Kirche und den Christen. Doch in seinem Buch über seinen Lieblingskomponisten nähert er sich dem Musiker nicht nur vorsichtig, seriös und dennoch sehr persönlich, sondern auch dem vertonten Glauben. Da hören wir einen ganzen andere Stimme des Autors.

Als nächstes halte ich das Buch von James Rhodes: “Der Klang der Wut” (2016) für sehr lesenswert. Der Pianist lernt Bach über die Komposition “Chaconne” kennen, die ihm das Leben rettet, wie er sagt. Nachdem er als Junge jahrelang mißbraucht worden ist, kommt ihm das Leben wieder lebenswert vor, wenn es neben so viel schrecklich Erniedrigendem auch so schöne Musik hervorbringe.

Und wenn wir schon dabei sind, dann muss unbedingt das Buch von Luise Reddemann: Überlebenskunst (2013) erwähnt werden, die von Bach lernt, Selbstheilungskräfte zu entwickeln. Die Klinikseelsorgerin hat das in jahrelanger Praxis für Menschen mit schweren, langwierigen Krankheiten selbst probiert. In einem Artikel der ZEIT vom März 2018 (# 14/2018) meint Alard von Kittlitz den Grund für diese späte Bedeutung Bachs gerade darin zu erkennen, dass Bach mit “soli deo gloria” gerade nicht ein Star sein und als Person im Vordergrund stehen will, sondern Gott die Ehre gibt. Gerade durch die Uneigennützigkeit seiner Musik und seiner Lebensgeschichte hebt er sich angenehm ab und hilft damit gerade dem heutigen profilsüchtigen Menschen religiös und biographisch weiter.

Ralf Döbbeling