Unser Leitbild

Das Leitbild unserer Gemeinde

Vorbemerkung

Viele Jahre tauchte in Abständen im Gemeindekirchenrat ein Fragenkomplex auf, der meist nur zögernd benannt wurde, weil im aktuellen Tagesgeschäft einer aktiven volkskirchlichen Gemeinde kaum Zeit bleibt, um sich mit Grundsatzfragen auseinanderzusetzen, der aber nie ausführlich beantwortet werden konnte: Wo wollen wir überhaupt hin, wie soll unsere Gemeinde in einigen Jahren aussehen, was sind die nächsten konkreten Ziele?

Philliper 2,13An Brisanz gewann die Fragestellung, nachdem ein ökumenisches Gemeindeinstitut unsere Gemeinde analysierte und als dringend verbesserungsbedürftig die Zielstrebigkeit der Gemeindeleitung anmahnte. Daraufhin beschloß der Gemeindekirchenrat eine Gruppe ins Leben zu rufen, die sich intensiv mit der Zielsetzung unserer Gemeindearbeit auseinandersetzen sollte. Über mehrere Monate traf sich ein Kreis aktiver Gemeindeglieder und erarbeitete schrittweise die hier vorliegenden Papiere.

Ausgehend von unseren Wünschen für eine lebendige Gemeinde entstand ein Schaubild, welches die Gemeinde als Haus darstellt, das von Säulen getragen wird. Jede Säule setzt sich aus Bausteinen zusammen, die in irgendeiner Form für unsere Gemeinde wichtig sein können. Hinter jedem Baustein steht eine Person, die im Initiativkreis an dieser Stelle eine konkrete Vorstellung geäußert hat. „So wünschen wir uns Gemeinde“ war der Grundtenor bei der Erarbeitung dieses Bildes.

Wichtig erschien jedoch auch ein grundlegendes Papier, das aus theologischer Sicht die wichtigsten Leitlinien für die Arbeit ganz speziell in unserer Gemeinde festschreiben sollte. Es entstand das Leitbild für unsere Gemeinde, das zur Grundlage unserer gesamten Gemeindearbeit werden kann. Dabei geht es nicht um die Einführung eines „Grundgesetzes“ sondern um die Einigkeit in den Grundlagen und Zielsetzungen, um eine Richtungsweisung und ein Korrektiv unserer Gemeindearbeit. Die Aussagen unseres Leitbildes erfüllen ihren Zweck nur dann, wenn sie in Leben und Lehre unserer Gemeinde praktiziert werden. Der Begriff Leitbild erfüllt in doppelter Hinsicht den Sinn des Wortes: ein Bild von Gemeinde, von dem wir uns in unserem Glauben, Denken und Handeln leiten lassen wollen und ein Bild davon, nach welchen Kriterien Gemeindeleitung zielgerichtet handeln kann.

Der ursprüngliche Auftrag, ein allgemeingültiges Ziel unserer Gemeindearbeit zu formulieren, wurde umgesetzt in der Suche nach einer prägnanten, die Einzelziele verbindenden Überschrift.

Ganz praktisch gesehen können sich zudem kurzfristige abrechenbare Zielstellungen positiv auf die Gemeindearbeit auswirken. Deshalb wurden Schritte zur Umsetzung für die nächsten 24 Monate zusammengestellt, die Punkt für Punkt die wichtigsten konkreten Zielstellungen mit den entsprechenden Verantwortlichen aufzählen und praxisbezogen die nächsten Aufgaben in der Gemeinde beschreiben.

Dieses Papier, das im September vom Gemeindekirchenrat verabschiedet wurde, soll eine gemeindliche Diskussion anregen und zum gemeinsamen praktischen Handeln innerhalb unserer Gemeinde motivieren. Es bleibt ein Stück Papier, wenn es lediglich von der Gemeinde zur Kenntnis genommen wird. Es kann unsere Arbeit jedoch sehr bereichern, wenn wir unseren eigenen persönlichen Einsatz in den Zusammenhang der Gesamtgemeinde stellen. Außerdem erscheint es sinnvoll, sich einige wenige konkrete Ziele für die nächste Zeit vorzunehmen und sie im gemeinsamen Handeln umzusetzen. Dies wünschen wir uns und bitten dabei um Ihre Mithilfe.

Bei allem geht es nicht um Fragen der „Machbarkeit“, sondern um Fragen der „Fruchtbarkeit“ unserer Gemeindearbeit.

Hans-Werner Sonntag und Frieder Weigmann, Oktober 1998

Das Leitbild

Die Gemeinde Jesu Christi ist nach biblischem Verständnis berufen zum Lob der Herrlichkeit Gottes in unserer Welt. Sie versammelt die Gläubigen als Gemeinschaft der Heiligen vor Gott in geschwisterlicher Liebe und Ordnung. Sie ist in der Nachfolge Jesu auf dem Weg. Als sichtbare Gestalt legt sie im Auftrag ihres Herrn und Meisters Zeugnis ab vor der Welt über die erfahrene Liebe Gottes in Christus und ist berufen, Christi Werke in der Welt zu tun und die Verlorenen in das Reich Gottes zu rufen. (Jes. 61,1; Kol. 3,12-17; Eph. 1,12)

1. Inspirierende Mitte: Gott erleben

In den verschiedenen Formen des Gottesdienstes als Mitte unseres Gemeindelebens suchen wir gemeinsam die Begegnung mit Gott. Hier erwarten wir, daß Gottes Gegenwart sich offenbart.

Wir wollen Gott die Ehre geben, indem wir ihn in Wort und Musik anbeten, sein Wort hören, sein Mahl feiern und seine Gegenwart durch das Wirken des Heiligen Geistes erfahren. Durch seine Nähe erleben wir heilende und ins Leben eingreifende Veränderung. In der gemeinsamen Ausrichtung auf Gott wächst die Gemeinde als geistliche und geschwisterliche Gemeinschaft. Wir wollen uns öffnen für die Gaben des Heiligen Geistes und diese verantwortlich leben. Unsere Gottesdienste sollen durch eine einladende Atmosphäre sowie gabenorientierte Mitarbeit lebendig werden. Hier wollen wir uns für ein erfülltes Leben in Familie, Beruf, Gemeinde und Gesellschaft zurüsten lassen. Durch schriftgemäße Verkündigung und Lehre wollen wir der Beliebigkeit und Orientierungslosigkeit von Glauben und Handeln entgegenwirken.

(1.Thess. 3,13; Röm. 12,1)

2. Einander seelsorgerlich dienen

Wir wollen Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde helfen, durch Jesus Stärkung, Heilung, Befreiung und Versöhnung mit Gott zu finden.

Wir wollen Sorge tragen für den Anderen und ihn auf seinem Lebensweg begleiten. Darin wird die Liebe Gottes sichtbar. In der Vollmacht des heiligen Geistes wollen wir Menschen helfen, von negativen Prägungen, Verformungen und Wunden frei zu werden, und sie auf dem Weg der Heilung begleiten. Unter der Gnade Gottes können wir einer dem anderen Schuld eingestehen und Vergebung zusprechen.

(1. Joh. 1,8f.;Jak.5,16)

3. Miteinander in Gemeinschaft wachsen

Gemeinschaft im Namen Jesu Christi ist grundlegender Ausdruck unseres Glaubens. Jesus stellt uns in die Gemeinschaft der Geschwister und wird in ihr selbst offenbar. Er ist das verbindende Element der Gemeinde. Aus der tiefen Hingabe an ihn wollen wir uns berufen lassen zur Verantwortung in unserer Gemeinschaft, damit sie tragfähig und beständig wird.

Über dem Leben der Gemeinschaft liegen besondere Verheißungen Gottes. In lebendigen, das Leben in seiner Ganzheit erfassenden persönlichen Beziehungen finden wir Vertrauen, Freundschaft, praktische Liebe und Versöhnung zwischen Personen, Geschlechtern und Generationen. Jesus Christus hat jeden einzelnen vorbehaltlos angenommen. Deshalb wollen auch wir uns gegenseitig annehmen, in Wahrhaftigkeit und Achtung miteinander umgehen und uns gegenseitig Anteil geben und nehmen. Darin können die Menschen die vorbehaltlose Liebe Jesu Christi unmittelbar erleben. In geschwisterlicher Liebe und Vertrauen helfen wir einander, die Gaben, Stärken und Fähigkeiten, die Gott in jeden von uns hineingelegt hat, zu entdecken, zu entwikkeln und vielfältig einzubringen. So wird ein erfülltes Leben in Beruf, Familie, Gesellschaft und Gemeinde nach dem Willen Gottes möglich. Auf diese Weise wächst eine Gemeinde, die aktiv und vollmächtig am Reich Gottes mitarbeitet. Dem breiten Spektrum an Gruppen und Kreisen in der Gemeinde kommt hier eine besondere Bedeutung zu.

(Apg. 2,42; Hebr. 10,23-25)

4. Menschen für Jesus gewinnen

Menschen, die keine persönliche Beziehung zu Jesus haben, soll in ihrer Sprache und in ihnen gemäßen Formen das Heilshandeln Gottes in Jesus Christus nahegebracht werden. Wir wollen Menschen auf dem Weg hin zu einer Entscheidung für ein Leben mit Jesus begleiten bzw. ihnen bei der Erneuerung ihres Glaubens helfen.

Die Gnade Gottes und unsere Antwort darauf – nicht allein die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kultur oder Gemeinschaft – führt zu einem Leben unter der Herrschaft Gottes. Wir wollen den Menschen unserer Gesellschaft durch „offene Türen“, evangelistische Aktion und durch persönliche Begleitung das Evangelium in seiner Unmittelbarkeit und Wirksamkeit nahe bringen. So können sie sich für ein Leben mit Jesus Christus entscheiden und damit die Versöhnung mit Gott annehmen.

(Matth. 28,19; 1. Tim. 2,3f.)

5. Gesellschaftlich verantwortlich leben

Die Liebe Gottes für diese Welt und die Berufung der Christen zum Zeugnis vor der Welt weisen uns eine gesellschaftliche Verantwortung zu. Diese Verantwortung wollen wir mit einer biblischen Sicht der Welt durch offenes Bekenntnis in Gebet, Wort, praktischer Hilfe und gezieltem gesellschaftlichen Engagement wahrnehmen.

Wir wollen Gleichgültigkeit ablegen und konkrete Probleme der Menschen in unserer Gesellschaft uns zu Herzensanliegen werden lassen. Im Gebet vor Gott, unserem Vater und Schöpfer, wollen wir für unsere Gesellschaft eintreten. Die Werte und Maßstäbe, die er uns in seinem Wort offenbart, sollen deutlich und mutig in konkrete gesellschaftliche Situationen und Herausforderungen hineingesprochen werden. Durch praktisches Engagement wollen wir zur Bewältigung der sozialen Probleme und zur Bewahrung unserer Schöpfung beitragen. Im Geist und Auftrag Jesu bezeugen wir damit die Hoffnung auf die Befreiung der ganzen Schöpfung.

(Röm. 12,2 und 8,19ff.; Jak. 3,14-17)