Es ist 7 Uhr morgens im Hauptbahnhof Halle. In den Gängen des Bahnhofs geht es schon rege zu und in der Bahnhofsmission beginnt der Dienst. Die blaue Weste wird übergestreift, denn zuerst müssen die Spenden aus den Bäckereien im Bahnhof abgeholt werden: Brötchen und süßes Gebäck, die später auf den Tellern unserer Gäste landen. Wir machen Frühstück, schmieren Brötchen, kochen Tee und Kaffee für alle Menschen, die den Weg zu uns finden.
Die Gründe dafür sind vielfältig und müssen nicht offengelegt werden. Krankheit, Einsamkeit, Armut und Wohnungslosigkeit sind aber für unsere Gäste Realität. Wir wollen ein Schutzraum sein, ganz praktisch vor Hunger und Kälte, aber auch vor Ausgrenzung und Entwürdigung.
Und während in der Bahnhofsmission gegessen, getrunken, geplaudert, gescherzt, geschimpft und getröstet wird, sind wir auch auf den Bahnsteigen und im Bahnhof unterwegs. Es wird wirklich nicht langweilig, denn wir helfen am Zug mit dem Kinderwagen oder Rollator, wir begleiten unsichere Zugfahrende beim Umsteigen, hieven Koffer in den Zug, führen angemeldete Reisehilfen durch, geben Auskünfte und überbrücken die Wartezeit mit einem Gespräch – und das zum aller größten Teil ehrenamtlich.
Die Bahnhofsmission ist ein Ort der Begegnung, wo Nächstenliebe ganz praktisch wird. Sie zeigt: Hilfe beginnt oft im Kleinen – mit einem offenen Ohr, einem heißen Tee und der Gewissheit, dass niemand allein gelassen wird.
Solveig Kraft