Foto: Andreas Teich/Berlinale 2017

Aus der Limousine treten sie direkt auf den roten Teppich. Jeder unbefugte Zutritt wird durch Kordeln und kräftige Männer in unauffälligen anthrazitfarbenen Anzügen verwehrt. Nur die zugelassenen Personen tragen korrekte Fliegen, hohe Hüte, rote Schals und Abendkleider mit auffallend wenig Stoff trotz der kühlen Februartemperaturen. Ihnen gilt die Aufmerksamkeit. Es ist die Zeit der Filmfestivals, der Schauspielerinnen, Charaktere und Regisseure. Wer auf dem Teppich steht, hat es geschafft. Hat erreicht, wovon sie oder er seit der Schauspielschule geträumt hat. Und die Autogrammjäger und das gesamte Publikum, das gekommen ist, um die Stars am roten Teppich zu bejubeln, teilt diesen Traum. Vielleicht werden ja Wunder wahr. Vielleicht wird ein neues Sternchen direkt vom Rande des roten Teppichs weg entdeckt.

Ich war noch nie auf einem solchen Teppich. Habe aber schon davon profitiert, dass ich eine prominente Schauspielerin ansagen oder für ein soziales Projekt begrüßen und führen durfte. Das sind Momente, die man so schnell nicht vergisst. Sich im Licht der Stars zu sonnen, ist schön.

Und doch möchte ich auf dem (Teppich-) Boden bleiben. Mein Leben ist normal, wahrscheinlich ein bisschen öffentlicher als das anderer Berufe, aber keineswegs spektakulär. Viele Menschen verfolgen ständig das Leben der bekannten Personen aus Film, Sport und Gesellschaft. Himmeln die Stars an, was sie eigentlich erst zu Stars macht. Ich wünschte mir, dass wir alle so angesehen wären. Achtung, Wertschätzung und Liebe erleben und nicht entzogen bekommen. Denn es erhebt und macht stark, wenn ein Mensch einen anderen wichtigmacht und ernstnimmt. Wenn sich ein Mensch uns zuwendet, zuhört und uns ansieht, fühlen wir uns plötzlich wie in einer Hauptrolle. Dieses Ansehen kann uns weit tragen. Einiges davon können wir uns sogar selbst geben. So wie Menschen sich verneinen, können sie sich auch bejahen. Ein Spruch am Spiegel: Guten Morgen, meine Schöne! stimmt gut auf den Tag ein.

Ich glaube, dass Gott jedem von uns einen roten Teppich ausrollen und ins Rampenlicht rücken möchte. In der Bibel heißt es, dass alles, was Gott geschaffen hat, sehr gut ist. Er hat es selber so betrachtet: „Und siehe, es war sehr gut!“ So hat jede Person, jeder Beruf, jedes Leben seine Berufung, aus dieser Annahme zu leben. Und ich meine nicht eine vage Annahme, sondern die liebende Annahme Gottes. In den Begegnungen Jesu gibt es immer wieder so geniale Plots wie im Film, wo auf einen Menschen scharf gestellt wird. Sie oder er erlebt dann, wie Jesus sich ihm einzeln zuwendet, ihn ansieht und lieb gewinnt.

Es gibt ja Oskarfiguren aus Plaste zu kaufen. Könnte man doch ins Bad stellen und einen Pinzettel drankleben. „Und siehe, du bist sehr gut.“ Oder?

Ralf Döbbeling