Angedacht: Herzensangelegenheiten

Monatsspruch März: „Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein.“ (1. Samuel 7,3)

Heute geht es um eine echte Herzensangelegenheit:

Wem gehört mein Herz?
Wofür schlägt mein Herz?
Was liegt mir am Herzen?
Worauf richte ich mein Herz?
Wohin wende ich mein Herz?

Wenn es um mein Herz geht, dann geht es nicht nur um Gefühle. Es geht um mein ganzes Sein, meine Identität, meine Entscheidungen, die Ausrichtung meines ganzen Lebens. Es geht also ums Ganze!

In Sprüche 4,23 heißt es: „Mehr als alles behüte dein Herz, denn aus ihm kommt das Leben.“ Das verstehe ich so, dass ich Verantwortung dafür trage, was ich mit meinem Herzen anstelle. So zum Beispiel, als ich mich für meinen Mann entschied und ihm vor Gottes Angesicht das Ja-Wort gab. Und auch damals mit 15, als ich mich bewusst für Jesus Christus entschied und „Ja“ sagte zu einem Leben mit ihm.
Diese Entscheidungen haben mein Leben geprägt, in guten wie in schwierigen Zeiten.

Und doch ist es kein Selbstläufer, wenn ich einmal eine große und bedeutsame Entscheidung für mein Leben getroffen habe. Ob und wie ich „mein Herz behüte“, das zeigt sich erst im Alltag. Es zeigt sich in jeder Herausforderung, jedem Kampf und auch im Scheitern und Versagen:

  • Stehe ich zu meiner Entscheidung?
  • Bin ich bereit, mein Herz zu überprüfen, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin?
  • Wende ich mein Herz immer wieder neu Gott zu und suche ihn, höre auf ihn und richte mein Leben nach ihm aus?
  • Investiere ich in meine Ehe, schenke meinem Mann Aufmerksamkeit und Zuwendung?
  • Arbeite ich an mir, um eine bessere Ehefrau, Mutter, Freundin… zu werden?
  • Oder sehe ich nur darauf, was mein momentanes Gefühl mir sagt und handle nach Lust und Laune, auch wenn es nicht zum Guten dient?

Dabei geht es nicht um Leistung. Es geht darum, meine eigenen Motive, also die Beweggründe meines Herzens, vor mir selbst und vor Gott ehrlich zu hinterfragen. Bin ich bereit umzukehren und mein Herz wieder dem Herrn zuzuwenden, wenn ich mal wieder „auf dem falschen Dampfer“ bin?

Ich darf mich jeden Tag neu dafür entscheiden, mein Herz Gott zuzuwenden und so meine Herzensentscheidung für ihn bekräftigen. In seiner großen Liebe wartet er auf mich. Er freut sich, wenn meine Entscheidung für ihn nicht nur „Lippenbekenntnis“ ist, sondern echte Herzensangelegenheit. Ich darf sie mit seiner Hilfe jeden Tag neu mit Leben füllen.

Hanna H.

Angedacht: Gemeinschaft geht durch den Magen

Jesus war offenbar bekannt dafür, dass er gerne und oft mit Menschen zusammen aß. Er musste sich gar den Vorwurf anhören, er sei ein „Fresser und Weinsäufer“ (Mt 11,19). Dass er tatsächlich in so großen Mengen zulangte, ist eher zweifelhaft, sonst wäre er wahrscheinlich nicht so ein beliebter Tischgast gewesen. Aber dass Jesus mit den Menschen das Essen teilte, gab er gerne zu. Er war auch nicht wählerisch, wenn es darum ging, mit wem er aß: Jünger, Pharisäer, Sünder und Zöllner – sie alle kamen in den Genuss seiner Gesellschaft. Vor allem Jesu Tischgemeinschaft mit Sündern und Zöllnern erregte öffentlichen Anstoß.

Aber was macht eine Tischgemeinschaft zu einer besonderen Gemeinschaft? Manchen Sonntag bekomme ich den Eindruck: Das Wichtigste am Gottesdienst ist das Kirchencafé. Liebevoll vorbereitet gibt es der Gemeinde die Gelegenheit zusammenzukommen, sich auszutauschen, miteinander zu spaßen und zu lachen, sich das Herz auszuschütten, zu trösten, zu diskutieren, zu planen, zu beraten und sich zu verabreden. Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich mich zu anderen Anlässen mit Menschen um einen Tisch versammle. Unser Hauskreis beginnt traditionell mit einem Abendbrot. In der Jungen Gemeinde erscheint mir die Gemeinschaft oft dann am innigsten, wenn wir zusammen essen. Diese Erfahrung teilen andere Gemeindegruppen wohlmöglich auch. Und wie verabrede ich mich mit Freunden? Am liebsten zu einem Frühstück, Mittag, Stück Kuchen oder Abendbrot.

„Liebe geht durch den Magen“ heißt es ja bekanntlich. Liebe zwischen zwei Menschen findet oft auch kulinarisch ihren Ausdruck. Sei es, indem man füreinander kocht oder einfach gemeinsam ein Essen genießt. Man schenkt sich Aufmerksamkeit und die Zeit vergeht ein Stückchen langsamer. Was hier für Paare gilt, lässt sich auch auf unsere Gemeinschaft übertragen. Wenn Jesus zu uns sagt: „Liebt einander!“, dann meint er damit auch: „Esst zusammen!“ Tischgemeinschaft ist gelebtes Christentum, ob beim Abendmahl, beim Kirchencafé, im Hauskreis, in der Familie, mit Freunden oder Fremden. Miteinander essen und trinken heißt, sich Zeit für einander nehmen. Gespräche am Essenstisch sind etwas besonderes. Ja, es stimmt schon: „Mit vollem Mund spricht man nicht“, aber ich habe den Eindruck, das wirkt oft positiv entschleunigend. Ein Tischgespräch ist kein kurzer Gruß im Vorbeigehen. In vielen Familien ist es so der entscheidende Treffpunkt. Da sitzt man, isst gemeinsam und tauscht sich aus. Und selbst wenn sich kein Gespräch ergibt, sorgt man füreinander, teilt ein Essen und bekommt eine Ahnung von der Erfahrung des Psalmisten, der betet: „Sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist!“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen erfüllende Tischgemeinschaften.
Lassen Sie es sich schmecken!

Jakob Haferland

Angedacht: In alle Welt gehen und Heimat finden

„Respekt, wer‘s selber macht!“ so wirbt ein Baumarkt um Kunden und spricht ihnen gleichzeitig Wertschätzung aus. Früher haben wir viele Dinge selber gemacht: Zündkerzen gewechselt, Reifen geflickt, Fenster gestrichen. Heute leben wir in einer Dienstleistungsgesellschaft. Das ist bequem und teuer. Aber der Wohlstand und die technische Entwicklung machen es möglich. Aber geht uns da nicht ein Stück Selbstwertgefühl verloren, wenn wir uns nicht mehr durch unser Tun Respekt und Wertschätzung bekommen, sondern nur noch durch unser Haben? Gott sei Dank gibt es da den Baumarkt.

„Respekt, wer’s selber macht!“ sagt auch Jesus zu seinen Jüngern und gab ihnen damit ein gutes Stück Selbstwertgefühl. Er traute es ihnen zu. Gehet hin in alle Welt und macht es selber: Nachfolger, Taufe, Kirche, Gemeinde und Gottesdienst. Wir haben das in unserer Gemeinde wörtlich genommen und es wurde später Beteiligungsgemeinde genannt. So sind z.B. zwischen 10 – 20 Personen jeden Sonntag in verschiedenen Bereichen des Gottesdienstes beteiligt. Ebenso gestalten ca. 20 Jugendliche in verschiedenen Gruppen die Jugendarbeit und auch die Öffentlichkeitsarbeit wird von einem vielköpfigen Team technisch, inhaltlich und gestalterisch umgesetzt. Alles Menschen, die sich durch Jesu Aufforderung motivieren lassen und die durch ihr Tun unseren Respekt verdienen. Gott sei Dank gibt es sie in der Gemeinde.

„Respekt, wer’s selber macht!“ sagt auch die Kirchenverfassung und legt bei allem kirchenbürokratischen „Amtsschimmelgewiehere“ die Verantwortung in die Hände eines ehrenamtlichen und basisdemokratisch gewählten Gemeindekirchenrates und traut es ihnen damit auch zu. Bald sind Neuwahlen und die Gewählten werden zu „Selbermachern“, die den Respekt und die Wertschätzung der Gemeinde verdient haben. Gott sei Dank, dass die Gemeinde so ihre Lebendigkeit und ihr geistliches Profil behält. Für mich und für Viele ist sie damit zur Heimat geworden.

Gottfried Muntschick

Angedacht: Dazugehören und trotzdem frei sein

Dieser Moment in jedem Gottesdienst: Eine Kirche voll stehender Menschen, die gemeinsam die gleichen Sätze sprechen, ihr Bekenntnis zum Glauben. Ein Teppich aus Stimmen und Worten, der mich trägt. Manchmal halte ich inne, um zuzuhören. Ich bin ein Teil davon, und ich bin es gern. Aber das war nicht immer so.

Ein neunjähriges Mädchen war ich, als vor fast 30 Jahren in Berlin die Mauer fiel. Und je mehr Zeit vergeht, umso deutlicher wird mir, wie sehr mich diese ersten Jahre meines Lebens in der DDR geprägt haben, begleitet von Erwachsenen, die in Misstrauen lebten und in der Angst, etwas falsch zu machen. Die ihre Träume von Freiheit und Selbstbestimmtheit begraben hatten.

Ein Teil meiner Erinnerungen geht so: Ich stehe in einer Menge und spreche die Worte, die alle sprechen. Schwüre und Eide, bei Fahnenappellen und an Feiertagen. Es sind nicht meine Worte, nicht meine Gedanken, und ich will da nicht sein.

Damals war ich zu klein, um diese Rituale in Frage zu stellen. Aber als es Geschichte war, wusste ich, das will ich nicht mehr. Kein murmelndes Menschlein in einer Menge sein, nicht aufgehen in einem Chor. Stattdessen: Frei sein. Es war mir nicht wichtig, irgendwo dazuzugehören. Bloß nicht mehr Dinge tun, die alle tun.

Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung kam ich zum Glauben, wie man so sagt. Erst zögerlich, dann mit einem Ruck. So Vieles machte Sinn, tat mir gut und hob mich auf. Was ich aber nur gegen Widerstand konnte, war: Aufstehen und laut bekennen. Es lag nicht am Inhalt, der war mir nah. Es war die Form, die mich bedrückte; mein Trotz regte sich. Lange war ich eine schweigende Betende. Meine Stimme gehört mir, und die Gedanken sind frei.

Dass ich heute gern aufstehe zum gemeinsamen, stimmlichen Glaubensbekenntnis – das hat die Erfahrung bewirkt, dass dieses Bekenntnis nicht nur etwas anderes, sondern sogar das Gegenteil dessen ist, was ich als Kind erlebt habe. Kein monotoner Chor aus Gleichgeschalteten, der pflichtbewusst und eingeschüchtert etwas Geschriebenes wiedergibt. Sondern ein bunter Teppich aus den Stimmen freier Menschen. Frei zu denken, frei glauben, aber auch: frei zu zweifeln und zu hadern und frei zurückzukehren, wenn man soweit ist.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! – dieser Vers ist die Tageslosung am 16. Januar. Ein großer, vieldiskutierter Satz aus dem Galaterbrief. Für mich ist er eine doppelte Erinnerung: Daran, meine eigene Geschichte ernst zu nehmen. Und daran, dass ich hier richtig bin.

Katharina

Angedacht: Die Botschaft des Sterns

Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut (Mt 2,10)

Ich atme ein, ich atme aus, ich mache meine Augen zu und öffne sie wieder. Überall um mich sind Menschen. Vom Stand hinter mir ist ein Weihnachtslied in schlechter Qualität gerade noch so durch den Streit der Familie neben mir hörbar. Ich werde von der Seite angerempelt und bekomme ein bisschen Glühwein über den Pulloverärmel geschüttet. Der Mann entschuldigt sich kurz und meckert seinen Freund an, der ihn gedrängelt hat. Kalt genug für eine Jacke ist es noch nicht und mit einer weißen Adventszeit hab ich eh nicht gerechnet.

Seit 15 Minuten warte ich auf meine Freundin und blicke von meinem Smartphone hoch in die vielen Gesichter der Leute um mich. Da erblicke ich einen, der lächelt. Er lächelt nicht mich an, aber er scheint gute Laune zu haben, zumindest bessere als das Kind, das gerade von seiner Mutter an mir vorbei  gezerrt wird. Mein Blick wandert weiter und da oben auf dem Baum gegen den leicht bewölkten, doch noch blauen Himmel steht er: der Stern. Stimmt ja … Da war ja was. Der Stern. „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“

Es ist ja bald Weihnachten. Der Tag, an dem ich das Leben meines Retters feiern will. Das hab ich unter den ganzen Weihnachtsvorbereitungen mal wieder ganz vergessen. Vorfreude oder ein gemütliches Adventsgefühl ist auch noch nicht eingekehrt.

Da leuchtet sein Stern. Der Stern, der seine Ankunft vorhersagt. Und ich freue mich. Ich freue mich, ihn bald wieder neu willkommen heißen zu dürfen. Von seinem demütigen Anfang hier auf Erden zu hören. In dem Verkündigungsstück zu sehen, wie der gewaltige und großartige Gott zu einem sterblichen Menschen geworden ist. Einer, der wie wir Schmerz, Scham, Reue, Einsamkeit und Angst spüren kann. Einer, der wie wir Freude, Liebe und Zuneigung erfahren kann. Einem, den wir nacheifern können. Gott in seiner ganzen Herrlichkeit und Schönheit scheint so weit weg. Doch mit diesem winzigen und schwachen Kind, in einem schmutzigen Futtertrog umgeben von armen Hirten und Vieh, hat er sich klein gemacht und ist zu einem von uns geworden, dass wir leichter in Beziehung mit ihm treten können.

Ich schaue auf den Stern und weiß:  Es ist gut, dass wir das jedes Jahr aufs Neue und mit voller Inbrunst feiern. Nicht nur, dass wir geliebte Menschen um uns haben, mit denen wir über die Feiertage unsere Zeit verbringen wollen, sondern dass wir Gott haben und dass Gott uns hat. Denn er hat uns zuerst geliebt und hat uns den Stern als Zeichen seiner großen Wundertaten geschickt, dass wir uns jetzt und an jedem anderen dunklen Moment an ihn erinnern und uns freuen. So freut euch auf den, der war, der ist und der kommen wird.

Clara Arnold

Angedacht: Die Welt steht Kopf

Ach, das muss mir keiner sagen, das wusste ich schon längst. Korruption und Denunziation, Stürme und Kriege, Einsamkeit und Sinnleere, Probleme mit dem Essen und dem Trinken in beiderlei Hinsicht. Alles nichts Neues. Wie wäre es aber, wenn das etwas Gutes wäre? Kopfstehen. So wie bei Chagall, wo die Häuser einfach auf dem Kopf stehen oder am Himmel hängen. Wenn Kopfstehen etwas Unabhängiges wäre, etwas Leichtes und etwas, das Beachtung verdient.

Es kommt die Zeit des Advent und von Weihnachten und dann beginnt ein neues Jahr. Dann könnte die Welt doch mal positiv Kopf stehen. Und die korrupten, falsches Zeugnis schwörenden, Kriege und Shitstorm anstiftenden, sinnleeren und privatisierenden Entwürfe ins Unrecht setzen. Alles, was empörend ist und woran wir uns trotzdem gewöhnt haben, was wir für bodenständig und mit beiden Beinen auf dem Boden stehend betrachten, wäre plötzlich lächerlich und leichtsinnig. Während der Kopfstand das Leben und diese Welt akrobatisch wieder auf die Füße stellt. Die Welt andersherum.

Wir träumen ja schon längst davon, dass sich etwas ändert. Und dass die Menschen zueinander kommen und sich als Menschen erkennen und als Menschen behandeln. Dass sie das, was sie sich selber vom Leben wünschen, auch anderen gönnen. Nicht nur auf der Toilette im Bahnhof: Bitte verlassen Sie diesen Ort so, wie Sie ihn vorfinden möchten. Das wäre eine goldene Regel für alles. Es würde das rücksichtslose Verhalten auf den Kopf stellen und gerade damit wieder auf die Füße.

In der Weihnachtszeit sind wir ja für Märchen empfänglicher. Eine Geschichte mit einem Happy End für das Gute, Wahre und Schöne. Aber wir glauben nicht wirklich daran. Es scheint uns wie eine Kerze auf einem Stuhl zu sein, ohne einen Schein in die Dunkelheit des Raumes zu werfen.

Herodes war ein rücksichtsloser König; Pilatus später ein Statthalter, der mehr auf Gerüchte hörte als auf Tatsachen; der sprichwörtliche Friede Roms beruhte auf Kriegen; Armut, Hunger und Seuchen gab es selbstredend damals schon. Alles nichts Neues.

Doch in diese Welt wurde Gott geboren. Er stellte damit die Welt auf den Kopf.

Und er vertraut der Welt das Evangelium von der Rettung an. Eine Botschaft, die die Welt umkrempeln kann. Denn ihre Hauptworte sind Liebe und Wahrheit. Der kleine Jesus war für solche Kunststücke wie einen Kopfstand in der Krippe noch zu klein. Aber dafür, Falsches falsch zu nennen und das Kleine groß zu machen, wuchs er auf.
Um die Welt auf den Kopf zu stellen und eine Umkehr einzuleiten, braucht es keine großen Revolutionen. Ich glaube, dass wir meistens noch wissen, was das Gewissen uns sagt und was das Richtige wäre und wo die Lüge aussieht. Wir wissen, Gutes in die Welt zu setzen, wie ein kleines Bethlehem. Wir sind hoffentlich noch nicht so gewöhnt an die Unmoral, die sich selbst als Trend ausgibt, weil es scheinbar alle machen. Der Friede wird den Menschen versprochen, die Gott in der Höhe ehren und deren Streben ihm gefällt. Der Friede kommt kopfüber in die Welt.

Es grüßt Sie herzlich,
Ralf Döbbeling