Angedacht: Vom Sinn des Lobens

„Darum bist du groß, Jahwe, mein Gott! Niemand ist dir gleich. Nach allem, was wir gehört haben, gibt es keinen Gott außer dir.“ 2.Samuel 7,22 (NBH)

Als ich den Monatsspruch für den Mai gelesen habe, hatte ich erst mal volle Zustimmung über die Größe Gottes Kraft und Möglichkeiten. Doch beim zweiten Lesen, fiel mir das Wort „Darum“ auf. So war ich auf der Suche nach dem Grund für diesen steilen Satz. Also noch etwas Textarbeit im selben Kapitel ein paar Verse vorher: David dankt Gott für seinen eigenen Weg. Er fragt sich im Vers 18 gleichzeitig, wie er eigentlich dazu kommt, mit seiner Familie zusammen in so einen großen Plan eingebettet zu sein. Als sich Gott auch noch festlegt über Davids Leben hinaus weitere große Dinge zu tun, scheint die Sprachlosigkeit Davids vollkommen geworden zu sein. Was bleibt bei solchen großen Zusagen noch weiter zu sagen? (Vers 20) „Darum“ bleibt es zu danken, zu loben und zu preisen! So verstehe ich den Monatsspruch.

Wann habe ich zu letzten Mal Gott gedankt für meinen Lebensweg? Ich meine, so richtig mit vollem Einsatz und ganzem Herzen? Kann ich das überhaupt? Finde ich auch wirklich alle Dinge, für die ich dankbar sein kann, oder fallen sie mir erst auf, wenn sie fehlen? Und wie geht eigentlich das Preisen? Es gibt viel zu entdecken!

Ich bin Gott dankbar, Loben und Preisen entdeckt zu haben. Es ist nicht üblich, sich Zeit zu nehmen für Dank und Lob. Wo passt das dann auch noch in die Woche hinein? Oft erlebe ich in meinem Alltag nicht einmal mehr das Wort „Danke“. Um so kostbarer erscheint es mir, dass ich doch eine Möglichkeit gefunden habe, mit Liedern und im Gebet regelmäßig zu danken und zu loben. Das geht ganz gut allein mit einem guten Youtube-Video oder immer Mittwochabend in der Gemeinde mit anderen zusammen.

Ja, es ist schon so eine Art „Opfer“, nach einem vollen Arbeitstag etwas von der eigenen Zeit für Dank und Lobpreis zu „verschwenden“. Auf der anderen Seite, so zeigt es meine Erfahrung damit, geht man nie ohne Geschenke in Form von Freude oder Nähe wieder in den Alltag zurück. Das macht mir Mut! Ich bekomme neue Kraft, den „ganz normalen Wahnsinn“ zu bestehen.

Schon mal überlegt was wir machen werden, wenn wir dann bei Gott angekommen sind? Richtig geraten: Ihm zu danken, Ihn zu loben und zu preisen. Warum also nicht jetzt schon damit anfangen?!

Marcus H.

Angedacht: Ein Kostehappen vom Brot des Lebens

„Ich bin das Brot des Lebens.“ So sagt es Jesus knapp und doch sehr klar in Joh. 6,48.

Brot macht satt und ist eine wichtige Ernährungsgrundlage. In unserem Überfluss können wir jedoch selten ermessen, was Jesus damit meint, wenn er es in einer Zeit sagt, in der Brot einen ganz anderen Stellenwert hat als für unsere voll gedeckten Tische.

Der Mensch ist, was er isst. Das, was wir in uns aufnehmen, das wird bestimmen, wie wir aussehen. Nicht sofort, aber auf lange Sicht. Das ist äußerlich so: Das Maß unserer Energiezufuhr hat Einfluss auf den Ausschlag der Waage. Und innerlich ebenso. Marc Aurel hat das schön ausgedrückt: „Auf die Dauer nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.“ Wenn Jesus sagt, dass er das Brot des Lebens sei, ist das eine Einladung zu einer gesunden Ernährung, die uns wirklich gut tut, uns verändert und Leben schenkt. Denn er verknüpft diese Lebensspeise mit dem ewigen Leben: „Wenn jemand von diesem Brot isst, dann wird er ewig leben.“

Nun essen wir unser täglich Brot nicht, um in 50 Jahren etwas davon zu haben, sondern es soll uns jetzt satt machen. Wer seinen Lebenshunger bei Jesus stillt, wird unsterbbares Leben in sich haben. Das kann uns kein Mensch wieder nehmen. Das ewige Leben ist als hier nicht eine Zukunftvertröstung, sondern Gegenwartserwartung.

Wenn ich mich auf Jesu Angebot einlasse, dann hat das Folgen: Wir müssen nicht mehr faden Angeboten zum Glück hinterherjagen, die uns wieder hungrig machen nach mehr. Wir brauchen nicht die Anerkennung durch andere, um anerkannt zu werden, weil Jesus uns erkannt hat. Wir müssen uns nicht einen Namen machen, weil Jesus uns mit Namen kennt und anspricht.

Vielleicht kommen Sie auf den Geschmack und probieren mehr davon, was es heißt, sich von Jesus satt machen zu lassen. Und wie es bei den Kindern ist: Ein Kostehappen hat noch nie jemanden geschadet.

Reinhard Grohmann

Angedacht: Herzensangelegenheiten

Monatsspruch März: „Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein.“ (1. Samuel 7,3)

Heute geht es um eine echte Herzensangelegenheit:

Wem gehört mein Herz?
Wofür schlägt mein Herz?
Was liegt mir am Herzen?
Worauf richte ich mein Herz?
Wohin wende ich mein Herz?

Wenn es um mein Herz geht, dann geht es nicht nur um Gefühle. Es geht um mein ganzes Sein, meine Identität, meine Entscheidungen, die Ausrichtung meines ganzen Lebens. Es geht also ums Ganze!

In Sprüche 4,23 heißt es: „Mehr als alles behüte dein Herz, denn aus ihm kommt das Leben.“ Das verstehe ich so, dass ich Verantwortung dafür trage, was ich mit meinem Herzen anstelle. So zum Beispiel, als ich mich für meinen Mann entschied und ihm vor Gottes Angesicht das Ja-Wort gab. Und auch damals mit 15, als ich mich bewusst für Jesus Christus entschied und „Ja“ sagte zu einem Leben mit ihm.
Diese Entscheidungen haben mein Leben geprägt, in guten wie in schwierigen Zeiten.

Und doch ist es kein Selbstläufer, wenn ich einmal eine große und bedeutsame Entscheidung für mein Leben getroffen habe. Ob und wie ich „mein Herz behüte“, das zeigt sich erst im Alltag. Es zeigt sich in jeder Herausforderung, jedem Kampf und auch im Scheitern und Versagen:

  • Stehe ich zu meiner Entscheidung?
  • Bin ich bereit, mein Herz zu überprüfen, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin?
  • Wende ich mein Herz immer wieder neu Gott zu und suche ihn, höre auf ihn und richte mein Leben nach ihm aus?
  • Investiere ich in meine Ehe, schenke meinem Mann Aufmerksamkeit und Zuwendung?
  • Arbeite ich an mir, um eine bessere Ehefrau, Mutter, Freundin… zu werden?
  • Oder sehe ich nur darauf, was mein momentanes Gefühl mir sagt und handle nach Lust und Laune, auch wenn es nicht zum Guten dient?

Dabei geht es nicht um Leistung. Es geht darum, meine eigenen Motive, also die Beweggründe meines Herzens, vor mir selbst und vor Gott ehrlich zu hinterfragen. Bin ich bereit umzukehren und mein Herz wieder dem Herrn zuzuwenden, wenn ich mal wieder „auf dem falschen Dampfer“ bin?

Ich darf mich jeden Tag neu dafür entscheiden, mein Herz Gott zuzuwenden und so meine Herzensentscheidung für ihn bekräftigen. In seiner großen Liebe wartet er auf mich. Er freut sich, wenn meine Entscheidung für ihn nicht nur „Lippenbekenntnis“ ist, sondern echte Herzensangelegenheit. Ich darf sie mit seiner Hilfe jeden Tag neu mit Leben füllen.

Hanna H.

Angedacht: Gemeinschaft geht durch den Magen

Jesus war offenbar bekannt dafür, dass er gerne und oft mit Menschen zusammen aß. Er musste sich gar den Vorwurf anhören, er sei ein „Fresser und Weinsäufer“ (Mt 11,19). Dass er tatsächlich in so großen Mengen zulangte, ist eher zweifelhaft, sonst wäre er wahrscheinlich nicht so ein beliebter Tischgast gewesen. Aber dass Jesus mit den Menschen das Essen teilte, gab er gerne zu. Er war auch nicht wählerisch, wenn es darum ging, mit wem er aß: Jünger, Pharisäer, Sünder und Zöllner – sie alle kamen in den Genuss seiner Gesellschaft. Vor allem Jesu Tischgemeinschaft mit Sündern und Zöllnern erregte öffentlichen Anstoß.

Aber was macht eine Tischgemeinschaft zu einer besonderen Gemeinschaft? Manchen Sonntag bekomme ich den Eindruck: Das Wichtigste am Gottesdienst ist das Kirchencafé. Liebevoll vorbereitet gibt es der Gemeinde die Gelegenheit zusammenzukommen, sich auszutauschen, miteinander zu spaßen und zu lachen, sich das Herz auszuschütten, zu trösten, zu diskutieren, zu planen, zu beraten und sich zu verabreden. Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich mich zu anderen Anlässen mit Menschen um einen Tisch versammle. Unser Hauskreis beginnt traditionell mit einem Abendbrot. In der Jungen Gemeinde erscheint mir die Gemeinschaft oft dann am innigsten, wenn wir zusammen essen. Diese Erfahrung teilen andere Gemeindegruppen wohlmöglich auch. Und wie verabrede ich mich mit Freunden? Am liebsten zu einem Frühstück, Mittag, Stück Kuchen oder Abendbrot.

„Liebe geht durch den Magen“ heißt es ja bekanntlich. Liebe zwischen zwei Menschen findet oft auch kulinarisch ihren Ausdruck. Sei es, indem man füreinander kocht oder einfach gemeinsam ein Essen genießt. Man schenkt sich Aufmerksamkeit und die Zeit vergeht ein Stückchen langsamer. Was hier für Paare gilt, lässt sich auch auf unsere Gemeinschaft übertragen. Wenn Jesus zu uns sagt: „Liebt einander!“, dann meint er damit auch: „Esst zusammen!“ Tischgemeinschaft ist gelebtes Christentum, ob beim Abendmahl, beim Kirchencafé, im Hauskreis, in der Familie, mit Freunden oder Fremden. Miteinander essen und trinken heißt, sich Zeit für einander nehmen. Gespräche am Essenstisch sind etwas besonderes. Ja, es stimmt schon: „Mit vollem Mund spricht man nicht“, aber ich habe den Eindruck, das wirkt oft positiv entschleunigend. Ein Tischgespräch ist kein kurzer Gruß im Vorbeigehen. In vielen Familien ist es so der entscheidende Treffpunkt. Da sitzt man, isst gemeinsam und tauscht sich aus. Und selbst wenn sich kein Gespräch ergibt, sorgt man füreinander, teilt ein Essen und bekommt eine Ahnung von der Erfahrung des Psalmisten, der betet: „Sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist!“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen erfüllende Tischgemeinschaften.
Lassen Sie es sich schmecken!

Jakob Haferland

Angedacht: In alle Welt gehen und Heimat finden

„Respekt, wer‘s selber macht!“ so wirbt ein Baumarkt um Kunden und spricht ihnen gleichzeitig Wertschätzung aus. Früher haben wir viele Dinge selber gemacht: Zündkerzen gewechselt, Reifen geflickt, Fenster gestrichen. Heute leben wir in einer Dienstleistungsgesellschaft. Das ist bequem und teuer. Aber der Wohlstand und die technische Entwicklung machen es möglich. Aber geht uns da nicht ein Stück Selbstwertgefühl verloren, wenn wir uns nicht mehr durch unser Tun Respekt und Wertschätzung bekommen, sondern nur noch durch unser Haben? Gott sei Dank gibt es da den Baumarkt.

„Respekt, wer’s selber macht!“ sagt auch Jesus zu seinen Jüngern und gab ihnen damit ein gutes Stück Selbstwertgefühl. Er traute es ihnen zu. Gehet hin in alle Welt und macht es selber: Nachfolger, Taufe, Kirche, Gemeinde und Gottesdienst. Wir haben das in unserer Gemeinde wörtlich genommen und es wurde später Beteiligungsgemeinde genannt. So sind z.B. zwischen 10 – 20 Personen jeden Sonntag in verschiedenen Bereichen des Gottesdienstes beteiligt. Ebenso gestalten ca. 20 Jugendliche in verschiedenen Gruppen die Jugendarbeit und auch die Öffentlichkeitsarbeit wird von einem vielköpfigen Team technisch, inhaltlich und gestalterisch umgesetzt. Alles Menschen, die sich durch Jesu Aufforderung motivieren lassen und die durch ihr Tun unseren Respekt verdienen. Gott sei Dank gibt es sie in der Gemeinde.

„Respekt, wer’s selber macht!“ sagt auch die Kirchenverfassung und legt bei allem kirchenbürokratischen „Amtsschimmelgewiehere“ die Verantwortung in die Hände eines ehrenamtlichen und basisdemokratisch gewählten Gemeindekirchenrates und traut es ihnen damit auch zu. Bald sind Neuwahlen und die Gewählten werden zu „Selbermachern“, die den Respekt und die Wertschätzung der Gemeinde verdient haben. Gott sei Dank, dass die Gemeinde so ihre Lebendigkeit und ihr geistliches Profil behält. Für mich und für Viele ist sie damit zur Heimat geworden.

Gottfried Muntschick

Angedacht: Dazugehören und trotzdem frei sein

Dieser Moment in jedem Gottesdienst: Eine Kirche voll stehender Menschen, die gemeinsam die gleichen Sätze sprechen, ihr Bekenntnis zum Glauben. Ein Teppich aus Stimmen und Worten, der mich trägt. Manchmal halte ich inne, um zuzuhören. Ich bin ein Teil davon, und ich bin es gern. Aber das war nicht immer so.

Ein neunjähriges Mädchen war ich, als vor fast 30 Jahren in Berlin die Mauer fiel. Und je mehr Zeit vergeht, umso deutlicher wird mir, wie sehr mich diese ersten Jahre meines Lebens in der DDR geprägt haben, begleitet von Erwachsenen, die in Misstrauen lebten und in der Angst, etwas falsch zu machen. Die ihre Träume von Freiheit und Selbstbestimmtheit begraben hatten.

Ein Teil meiner Erinnerungen geht so: Ich stehe in einer Menge und spreche die Worte, die alle sprechen. Schwüre und Eide, bei Fahnenappellen und an Feiertagen. Es sind nicht meine Worte, nicht meine Gedanken, und ich will da nicht sein.

Damals war ich zu klein, um diese Rituale in Frage zu stellen. Aber als es Geschichte war, wusste ich, das will ich nicht mehr. Kein murmelndes Menschlein in einer Menge sein, nicht aufgehen in einem Chor. Stattdessen: Frei sein. Es war mir nicht wichtig, irgendwo dazuzugehören. Bloß nicht mehr Dinge tun, die alle tun.

Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung kam ich zum Glauben, wie man so sagt. Erst zögerlich, dann mit einem Ruck. So Vieles machte Sinn, tat mir gut und hob mich auf. Was ich aber nur gegen Widerstand konnte, war: Aufstehen und laut bekennen. Es lag nicht am Inhalt, der war mir nah. Es war die Form, die mich bedrückte; mein Trotz regte sich. Lange war ich eine schweigende Betende. Meine Stimme gehört mir, und die Gedanken sind frei.

Dass ich heute gern aufstehe zum gemeinsamen, stimmlichen Glaubensbekenntnis – das hat die Erfahrung bewirkt, dass dieses Bekenntnis nicht nur etwas anderes, sondern sogar das Gegenteil dessen ist, was ich als Kind erlebt habe. Kein monotoner Chor aus Gleichgeschalteten, der pflichtbewusst und eingeschüchtert etwas Geschriebenes wiedergibt. Sondern ein bunter Teppich aus den Stimmen freier Menschen. Frei zu denken, frei glauben, aber auch: frei zu zweifeln und zu hadern und frei zurückzukehren, wenn man soweit ist.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! – dieser Vers ist die Tageslosung am 16. Januar. Ein großer, vieldiskutierter Satz aus dem Galaterbrief. Für mich ist er eine doppelte Erinnerung: Daran, meine eigene Geschichte ernst zu nehmen. Und daran, dass ich hier richtig bin.

Katharina