Einer Gruppe von vier Menschen werden die Augen verbunden. Dann werden sie zu einem Elefanten geführt. Keine der Personen hat vorher je ein solches Tier gesehen. Sie sollen den Dickhäuter beschreiben. Der erste fasst nach dem Schwanz und sagt: „Er ist wie ein Seil.“ Der zweite umfasst mit beiden Armen das Bein. „Ein Elefant ist wie eine Säule!“, schließt er. Der dritte fühlt das Ohr und vergleicht: „Ein Elefant ist wie ein Segel!“ Der letzte tastet den Rüssel. “Ein Elefant fühlt sich an wie ein Feuerwehrschlauch!“
Hat einer von ihnen unrecht? Nein. Ein Elefant hat Beine, Ohren, einen Rüssel und einen Schwanz. Er ist aber mehr als nur ein Ohr. Jeder der vier hat einen Teil des großen Tieres berührt, aber keiner kann vom Teil auf das Ganze schließen. Jeder hat seine eigene Erfahrung gemacht, aber keiner kann sie absolut setzen.
Dieses Beispiel wird oft verwendet, um deutlich zu machen, dass wir uns kein Bild von Gott machen dürfen, weil jede und jeder seinen eigenen Zugang zu ihm hat. Vielleicht kennen Sie die Geschichte daher auch schon. Keiner darf sein Gottesbild absolut setzen. Das gilt auch von den Religionen. Dafür herrscht sogar eine vertraglich zugesicherte Freiheit der Religionsausübung und des Religionswechsels für alle Menschen. Damit gilt, was auch von Begegnungen mit Menschen zutrifft. Weder vorschnell noch umfassend darf sich ein Mensch ein Urteil von einem anderen machen.
Doch was ist mit den Bildern, die Gott selbst von sich in Umlauf bringt? Er nähert sich Elia nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer, sondern in einem sanften, flüsternden Hauch. Er spricht zu Jesaja, dass er die Menschen wie eine Mutter tröste und nicht wie ein Zuchtmeister drille. Und Jesus lehrt seine Jünger zu beten,Vater unser im Himmel. Überhaupt übt Jesus eine starke Faszination aus. Darf ich mir Gott so vorstellen?
Danach kann man zumindest sagen, wie Gott nicht ist. Oft finden sich Splitter dessen auch in den Gedanken der Atheisten, die treffend formulieren, wie Gott nicht ist. Leider geht mit ihrer Ablehnung eines Gottesbildes oft eine Verurteilung des gesamten Glaubens einher. Sie verzichten nicht einmal darauf, die Gläubigen als unaufgeklärte, abergläubische Menschen zu schmähen. Es ist jedoch nicht logisch, Gott mit den Gottesbildern wie das sprichwörtliche Kind mit dem Bade auszuschütten. Welche Bilder sich Menschen auch immer von Gott machen, sie stehen in einem friedlichen Wettbewerb.
Gott ist undarstellbar, aber nicht unglaublich. Er offenbart sich und lässt Menschen erfahren, dass er lebt und dass er nahe ist.
Pfarrer Ralf Döbbeling
