Foto: Jakob Haferland

Vor einigen Wochen ließ mich eine Hallesche Schaufensterwerbung innehalten und sogar vom Fahrrad absteigen: „Sie können alles schaffen, mit dem Glauben an sich selbst“ erklärte dort ein international agierender Versicherungskonzern. Darunter ein Bild von Serena Williams, der erfolgreichsten Profi-Tennisspielerin aller Zeiten. „Na klar!“, könnte man denken. Weltklasse wird man nicht von alleine. Dazu braucht es in der Regel außergewöhnliches Talent und jahrelange, harte Arbeit. Es verlangt eine unheimlich große Motivation, durch Formtiefs und Verletzungen hindurch immer weiter zu machen, den Glauben an den Erfolg nicht zu verlieren. Profisportler reden davon, dass es der Glaube an sich selbst und ihren Körper ist, den es in diesen Momenten besonders braucht und der sie zum Erfolg trägt. Und wenn die Sport-Stars und Idole dieser Welt das können, dann können Sie das doch auch! Wenn Serena Williams 23 Grand-Slam-Titel gewinnen kann, dann schaffen Sie das auch – ganz einfach – mit dem Glauben an sich selbst.

Wirklich? Soll das die Botschaft sein? Entspricht das etwa Ihrer Lebenserfahrung, Ihrer Realität? Meiner gleicht es jedenfalls nicht. Und wahrscheinlich auch nicht der meisten von Ihnen. Im Sport ist es nur ein kleiner Bruchteil, der es ganz an die Spitze schafft. Im Alltag bin ich es, der seinen Schweinehund nicht überwindet, der Fehler macht. Gleichzeitig habe ich nicht alles in der Hand. Da werden einem Steine in den Weg gelegt oder äußere Negativfaktoren schränken mich ein. Natürlich gelingen andererseits auch viele Dinge. Doch auch dann hat das nicht immer mit mir allein und meiner Leistung zu tun. Ich erfahre Hilfe oder habe einfach Glück, baue auf Voraussetzungen auf die ich keinen Einfluss hatte.

Der Glaube an sich selbst ist beim Erreichen körperlicher Höchstleistungen sicher von Vorteil, aber er trägt wohl kaum durchs ganze Leben. Hätte ich nur den Glauben an mich selbst, dann würde ich wohl deprimiert auf Gegenwart und Zukunft schauen. Stattdessen hilft mir gerade in solchen Grenz-Situationen der Glaube an den Einen, der über mir und meinen Alltagsdingen steht. Oft dann, wenn ich mit meinem eigenen Latein am Ende bin, wenn ich scheitere und an mir selbst verzweifle, dann wächst die Sehnsucht nach der helfenden Hand Gottes umso mehr, dann spüre ich wie sehr mein Leben von anderen Dingen abhängt als meinem eigenen Geschick. Und dann beginne ich mich an all den Verheißungen aufzurichten: „Wessen Glaube an Gott allein klein ist wie ein Senfkorn, der vermag Berge zu versetzen“ und „Wer an Ihn glaubt, wird nicht verloren gehen.“

Ich wünsche Ihnen solche intensiven Glaubenserfahrungen, ob beim Sport oder im Alltag, ob in Niederlage oder Erfolg.

Ihr
Jakob Haferland