03. Dez. 2025 | Allgemein, Angedacht

Foto: Ralf Döbbeling
Eine Wartehalle an einer mehrspurigen Straße. Es fahren auch heute noch Omnibusse fahrplanmäßig die Station an. Doch der meiste Verkehr rauscht in privaten Autos an der Haltestelle vorbei. Die früheren Fahrgäste sitzen mittlerweile allein in ihren fahrbaren Kisten und steuern direkt ihre individuellen Ziele an.
Warten ist nicht zeitgemäß. Haltestellen werden vermieden. Aufbrechen und Ankommen nach Fahrplan wird vermieden. Es löst ein unbehagliches Gefühl von Abhängigkeit aus. Der Zustand von Bushaltehäuschen und Wartehallen bilden diese Haltung unnachahmlich ab. Sie sind out of date und oft heruntergekommen, teils zerstört und mit vergilbten Plakaten vergangener Events beklebt. Diese und andere Ziele werden besser und schneller auf anderem Wege erreicht. Diese Wartehalle hält sich, vor allem weil sie über den Standort hinaus zu einem Treffpunkt für Menschen geworden ist, die gar nicht auf einen Bus warten.
Warten war vermutlich noch nie beliebt, dabei besteht vieles in unserem Leben daraus. Warten auf den nächsten Kindergeburtstag, Warten auf die letzten warmen Sonnentage für den Wein, Warten auf das Untersuchungsergebnis, Warten auf den Besuch, der sagt, er kommt. Vieles fühlt sich an wie Warten auf Godot. „Er hat gesagt: Er kommt.“ Wir können vieles sowieso nicht beschleunigen, egal ob wir mit dem öffentlichen Nahverkehr oder mit dem PKW unterwegs sind.
Ein schweres Verbum ist das Wörtchen „warten“, aber sind es vielleicht nicht nur notgedrungen Wartende, wie wir sie in Wartezimmern treffen, sondern auch solche, die ahnen, dass nicht alles erreichbar ist, nur indem man rechtzeitig und schnell losfährt? Warten fällt schwer, dabei trägt es Früchte. Und gelangen vielleicht nur manche Menschen an ein ersehntes Ziel, weil sie gelernt haben zu warten? Sie beherrschen die Kunst zu erwarten, was sie nicht beschleunigen können.
Wir haben uns daran gewöhnt, uns Wünsche schnell zu erfüllen. Uns wird suggeriert, alles sei erreichbar. Ämter, Bibliotheken, Geschäfte sind ständig geöffnet und liefern unmittelbar. Doch auf Freude, Gelassenheit und die Entdeckung des Wesentlichen warten wir. Warten lohnt sich, weil sich nicht alles auf Wunsch einstellt. Advent heißt Ankunft. Es ist eine Zeit der Vorbereitung auf das Erwartete. Liefert er, der Advent? Die Adventszeit schließt direkt an den Volkstrauertag und den Totensonntag an. Es ist nicht alles anders, manches bleibt traurig. Im Advent werden wir sehnsüchtigen, vorfreudigen und zermürbenden Momenten des Wartens begegnen. „Haltestelle Advent“ im Umgang mit uns selbst.
Wir sind eben Menschen auf dem Weg irgendwo zwischen Schöpfung und Ewigkeit. Manches ist sofort verfügbar und auf manches, so merken wir, während wir innehalten, werden wir warten müssen.
Ralf Döbbeling
25. Nov. 2025 | Allgemein
Es ist 7 Uhr morgens im Hauptbahnhof Halle. In den Gängen des Bahnhofs geht es schon rege zu und in der Bahnhofsmission beginnt der Dienst. Die blaue Weste wird übergestreift, denn zuerst müssen die Spenden aus den Bäckereien im Bahnhof abgeholt werden: Brötchen und süßes Gebäck, die später auf den Tellern unserer Gäste landen. Wir machen Frühstück, schmieren Brötchen, kochen Tee und Kaffee für alle Menschen, die den Weg zu uns finden.
Die Gründe dafür sind vielfältig und müssen nicht offengelegt werden. Krankheit, Einsamkeit, Armut und Wohnungslosigkeit sind aber für unsere Gäste Realität. Wir wollen ein Schutzraum sein, ganz praktisch vor Hunger und Kälte, aber auch vor Ausgrenzung und Entwürdigung.
Und während in der Bahnhofsmission gegessen, getrunken, geplaudert, gescherzt, geschimpft und getröstet wird, sind wir auch auf den Bahnsteigen und im Bahnhof unterwegs. Es wird wirklich nicht langweilig, denn wir helfen am Zug mit dem Kinderwagen oder Rollator, wir begleiten unsichere Zugfahrende beim Umsteigen, hieven Koffer in den Zug, führen angemeldete Reisehilfen durch, geben Auskünfte und überbrücken die Wartezeit mit einem Gespräch – und das zum aller größten Teil ehrenamtlich.
Die Bahnhofsmission ist ein Ort der Begegnung, wo Nächstenliebe ganz praktisch wird. Sie zeigt: Hilfe beginnt oft im Kleinen – mit einem offenen Ohr, einem heißen Tee und der Gewissheit, dass niemand allein gelassen wird.
Solveig Kraft
25. Nov. 2025 | Allgemein
Die Petrusgemeinde lädt herzlich zu zahlreichen Adventsaktivitäten ein.
Samstag 29. November
18 Uhr Andacht zum Einläuten des Advents „Lacht hoch die Tür“,
anschließend Gemütlichkeit drinnen und draußen
Sonntag 30. November
Petrus und Bartholomäus feiern gemeinsam Familiengottesdienst (Bartholomäuskirche), anschließend Adventsnachmittag
Freitag 5. Dezember
16 Uhr Literaturcafé
Freitag 12. Dezember
16 Uhr Basteln und Vorlesen
Freitag 19. Dezember
16 Uhr Krippenspiel der Eltern
19. Nov. 2025 | Allgemein, Angedacht

Foto: Jörg Lipskoch
Ich möchte über die Ewigkeit schreiben und mir stehen dafür unendliche 2700 Zeichen zur Verfügung. Sie werden sagen: Willkommen im Club. Denn uns allen stehen für die Beantwortung der großen Fragen nur eine begrenzte Anzahl von Jahren zur Verfügung.
Uns sei die Ewigkeit ins Herz gelegt, behauptet der Prediger im hebräischen Teil unserer Bibel. Doch was nützt uns das, um von der Ahnung zur Gewissheit zu kommen? Angesichts der ganzen Eitelkeit, Ungerechtigkeit und Vergänglichkeit, die die jetzige Zeit begrenzen und bestimmen, ist das ein relativ winziger Trost für ein Leben. Die Ewigkeit scheint uns nicht nur die große Verheißung auf einen Ausgleich oder gar eine Erfüllung für das kurze irdische Dasein zu sein, sondern sie ist zugleich in fragende Skepsis gehüllt.
Wie stellen wir uns die Ewigkeit vor? Sie könnte die Fortsetzung des jetzt Begrenzten in der Unendlichkeit sein. Das wünschen wir uns nicht, oder?! Da wird es dieselben Phasen der Langeweile und des Überdrusses geben wie schon jetzt. Wir genießen das Jetzt nicht nur, sondern leiden auch oft daran. Es müsste sich in Ewigkeit auch einiges ändern.
Es könnte, zweiter Versuch, ein Ruhen sein, ein Eingefroren sein, bis ein besseres Morgen durch die Entwicklung der Menschheitsgeschichte entstünde. Da habe ich ehrlich gesagt, wenig Hoffnung, dass mich die Forschung jemals wieder auftaute.
Dann könnte es sein, dass es vielleicht gar kein zukünftiges Leben wäre, sondern ein momentanes. Ein ewiges Leben vor dem Tod. Ewigkeit in der Zeit. Das wäre dann Definitionssache: Wie Hölderlin bescheiden und glücklich sagt, dass er mehr nicht erwartet, als dass er einmal den richtigen Ton getroffen und das heilige Lied gesungen habe. Die Ewigkeit ist somit im Nu wieder vorbei. Genügsam bliebe Zeit für vieles andere. Wir müssen zufrieden sein, solche Momente genossen zu haben, stimmen viele dem Dichter zu.
Ich glaube, dass die Ewigkeit als Ahnung nicht nur im November, wenn so viel über Dunkel und Tod getrauert wird, ein starkes Gegengewicht darstellt. Sie ist mir nicht nur in zeitlicher Hinsicht Trost und Verheißung, sondern sie stellt in Aussicht, dass die vergänglichen und unvollkommenen Dinge des Lebens noch fertig werden. Während ich mich jetzt wie in einem blinden Spiegel sehe, werde ich in Ewigkeit in ein klares Bild meiner selbst verwandelt werden. Die roten Fäden werden letztlich doch verknüpft.
Und so wird auch die erschreckend unvollkommene Welt in Ewigkeit noch einmal neu. Die Ewigkeit hat auch in meinem Herzen diese Dynamik zu einem schöneren Bild des jetzigen Zustands. Und von dem wird die große Qualitätskontrolle wieder sagen: Was ich sehe, ist sehr gut! Bis dahin ist es noch weit, aber ich habe schon 33 Zeichen zu viel!
Ralf Döbbeling
29. Okt. 2025 | Allgemein
Am Reformationstag (Freitag 31. Oktober) findet zum 8. Mal die Orgel-Wandel-Wander-Tour statt. Das kostenfreie Programm startet um 15 Uhr auf dem Marktplatz mit einem Carillon-Konzert. Danach haben Interessierende die Möglichkeit, auf zwei Touren verschiedene Orgeln in kurzen Konzerten kennenzulernen. Das genaue Programm findet sich auf der Website des Kirchenkreises.
22. Okt. 2025 | Allgemein, GKR
Was bleibt und was wird neu mit dem neuen GKR? „Prüfet alles und behaltet das Gute“: Das gilt auch für den neu gebildeten GKR.
Mit welchem Fokus jeder und jede an die Arbeit geht, kann man in den Sommerinterviews erfahren. Welche Schwerpunkte für die Arbeit des GKRs für die Zukunft daraus abgeleitet werden, werden wir im Gespräch und im Tun erkunden.
Über einige Aspekte haben wir uns schon ausgetauscht: Unsere Kommunikationsstrukturen haben weiterhin große Bedeutung. Der Steile Berg soll weiterhin unterstützt werden. Und selbst die Sitzung wird wieder monatlich am Dienstagabend stattfinden.
Ich habe trotzdem keine Sorge, dass alles nur beim Alten bleiben wird. So haben wir bereits über die Menschen nachgedacht, die nicht oder noch nicht zu unseren Gottesdiensten kommen. Braucht es da neue Formen des Gottesdienstes oder gänzlich andere Formate, die Kontaktflächen bieten?
Ich freue mich über die Wertschätzung der Arbeit in den vergangenen Jahren und bin zuversichtlich, dass auf dieser Grundlage und mit Gottes Hilfe viel Gutes und auch Neues werden kann.
Wir sind uns einig: Der GKR wird ein Ermöglichungsgremium bleiben. Neu wird auf alle Fälle, was die Gemeinde Neues tun wird. Wir sind gespannt auf die Menschen und ihre Ideen, die uns im Laufe der nächsten sechs Jahre begegnen werden, auf das, was möglich werden wird. Wir als GKR werden für den äußeren Rahmen sorgen, damit Gemeinschaft und Mitarbeit von vielen möglich bleibt und wird.
Gewählte GKR-Mitglieder sind Cornelia Büdel, Tobias Brandt, Tabea Fischer, Paul Renner, Daniel Lommatzsch-Heinze und Willi Müller.
Als Stellvertreter wurden gewählt: Ronald Schettler, Matthias Wendland und Michel Kleinhans.
Wir danken Henriette Meyer und Till Hanke, die nicht wieder kandidiert haben, für ihre großartige Arbeit in der letzten Legislatur!
Cornelia Büdel
Bei seiner konstituierenden Sitzung am 21. Oktober hat der neue GKR die Zuständigkeiten der einzelnen Mitglieder festgelegt.