Steffi Seiferlin scheidet aus dem GKR aus

Liebe Gemeinde,

aus persönlichen Gründen lege ich mein Amt als Älteste im GKR zum 31.7.2022 nieder. Ich danke allen für das entgegen gebrachte Vertrauen und wünsche allen weiterhin Gottes Segen.

Schalom!

Steffi Seiferlin

Der Gemeindekirchenrat respektiert Steffi Seiferlins Schritt. Wir danken ihr ganz herzlich für ihren langjährigen Dienst im Gemeindekirchenrat. Zur Zeit beraten wir, wie wir die Lücke im GKR künftig füllen können und werden die Gemeinde zu gegebener Zeit darüber informieren.

Für den GKR: Cornelia Büdel

Abendmahl: Es liegt alles bereit

Unsere Gemeinde in Giebichenstein feiert gern und sie feiert gerne Abendmahl. Zweimal im Monat und auch für Kinder werden Brot und Wein oder Oblate und Merlottraubensaft gereicht. Diese Gemeinschaft mit Jesus und diese Anteilnahme an der Freiheit, die er schenkt, ist ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das dem Glaubenden trotzdem über die menschliche Gemeinschaft aller, die zusammen Abendmahl feiern, eine neue Sicht auf sich selbst, die anderen und die Welt gibt. Wir dürfen feiern, weil Gott handelt.

Doch da zu einem Abendmahl genauso wie zu jedem anderen Abendessen Geschirr gehört, es auch gewaschen und geputzt werden muß, nutzt es sich ab. So war es insbesondere mit zwei Teilen unseres Abendmahlsgeschirrs auch. Der Kelch und eine Kanne waren schadhaft und tropften sogar. Wir haben lange überlegt, was zu tun ist.

Doch die Schönheit der Gefäße und ihre Würde durch das Alter ließ uns zu der Entscheidung kommen, viel Geld für eine Wiederherstellung in die Hand zu nehmen. Einige von Ihnen haben uns dabei unterstützt, indem sie Silberbesteck oder Geld gespendet haben. Vielen Dank dafür. Ein Goldschmied in Erfurt hat die vasa sacra auseinander genommen, gereinigt, geformt und ergänzt. Außerdem wurde der Kelch neu mit Gold belegt. Leider waren auch ein paar Punzen abgeputzt worden, sodass nur mit einiger Wahrscheinlichkeit die Herkunft aus Merseburg ermittelt werden konnte. Damals standen die Städte mit ihren Zunftordnungen für die Ehrlichkeit und die Kunst des Handwerks ein.

Nun werden der Kelch und die Kanne nach und nach die Einzelkelche wieder ersetzen. Kommen Sie, denn es ist alles bereit, schmecken Sie wie freundlich der Herr ist. Doch kommen Sie zum Gottesdienst in die Kirche, denn nachts ist der Kelch im Tresor streng verwahrt.

Ralf Döbbeling

Der Weg der Umkehr zum Leben

Die folgenden Auszüge stammen aus einer Predigt, die Dorothea Vogel am 10. Juli zum 4. Sonntag nach Trinitatis gehalten hat.

„Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte.“ (Joh 8,3)

Sie ist das Objekt der Geschichte. Wortlos, stimmlos und rechtlos steht sie dort, wo sie hingestellt wurde – in der Mitte. Die Frau ist beschämt und verängstigt. Starr steht sie da, wie versteinert, und blass sieht sie aus. Innerlich hat sie mit ihrem Leben schon abgeschlossen. Das Urteil ist so gut wie gefällt. Sie hat keine Perspektive.

Ich möcht dieser stimmlosen Frau heute eine Stimme verleihen. Ihrer Wortlosigkeit die Worte des Liedes „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ gegenüberstellen.

EG 382,1
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm du mir entgegen.

Die Hände der Frau sind leer. Die Ankläger haben die Steine quasi schon in der Hand und damit die Entscheidung über Leben und Tod. Einen fremden Weg ist sie gegangen, als sie fremdgegangen ist. Einen neuen, fremden Weg wird sie gehen, den Weg der Umkehr und zum Leben. Ihr Los ist der Tod durch das Steinigungsurteil. Sie fragt nach anderem Segen und nach Zukunft. Und Jesus verheißt sie ihr: „Geh hin“, sagt er zu ihr. Und ein neuer Weg öffnet sich ihr.

EG 382,2
Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

Die Frau ist gefangen in ihrem eigenen Unvermögen, d. h. Gottes Gebote zu halten und seinen Willen zu tun. In diesem Fall ihre Sexualität in der Ehe zu leben. Sie hofft, gegen den Augenschein, auf Erbarmen, wenn sie fragt, ob sie in Gottes Hand und sein Erbarmen eingeschrieben sei. Als Zeichenhandlung schreibt Jesus auf die Erde. Ob sie das als Ja deutet und neue Hoffnung schöpft?
Ein Perspektivwechsel wäre die Lösung. Etwas mit neuen Augen sehen zu können. Sich selbst mit ganz neuen Augen zu sehen. Eine neue Sichtweise ändert ihre Situation und macht ihr verändertes Handeln, macht Umkehr erst möglich.

EG 382,3
Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und lass mich unter deinen Kindern leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

„Sprich du das Wort, das tröstet und befreit!“ Jetzt schaut die Frau Jesus hoffnungs- und erwartungsvoll an. Und Jesus, der sich wieder gebückt hat, richtet sich auf und spricht zu ihr: „Wo sind sie, Frau?“ Und diese Ansprache bringt die Veränderung. Jesu Ansprache verwandelt die Frau vom Objekt zum Subjekt; macht sie sprachfähig und antwortfähig und verantwortungsfähig.

„Du, Frau. Ja, genau du. Dich meine ich. Hat dich niemand verdammt?
Sie aber sprach: Niemand, Herr.
Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht.“
Er richtet sie auf.
„Geh hin, d. h. ich schließe dir eine neues Land, ein neues Leben auf, und sündige hinfort nicht mehr. Lade von jetzt an keine Schuld mehr auf dich. So kannst du unter deinen Kindern, unter Deinesgleichen leben.“

Das erwartete Urteil über die Frau entfällt. Sie wird nicht verurteilt. Das Urteil wird ausgesetzt. Sie wird nicht ge-richtet, sondern vielmehr auf-gerichtet und neu von Jesus aus-gerichtet für ihren neuen Lebensweg. Dieser beginnt heute. Jesus gibt der Frau ihre Würde, ihr Ansehen und ihre Handlungsfähigkeit zurück und weist ihr den Weg nach Gottes Willen. Die Frau preist Jesus als ihr tägliches Brot und ihren Atem.

Beides ist lebens-not-wendig. Beides macht Leben erst möglich.

Dorothea Vogel

GKR Aktuell 019

Im Youtube-Kanal der Bartholomäus-Gemeinde ist die 19. Episode des GKR-Video-Podcasts verfügbar.

Themen in diesem Monat waren unter anderem:

– Pace Projekt
– Nextcloud im GKR
– Treffen mit Petrus GKR
– Bandraum und Bartho Band
– Gottesdienst „Beteiligt“
– Gemeindevormittag

Die Sitzung fand am 21.06.2022 statt.

Messias

Händels Oratorium „Messias“ wurde am 13. April 1742 in Dublin uraufgeführt. Und 280 Jahre später, während der 100. Händelfestspiele in Halle (Saale) wird es am 28. Mai 2022 wieder aufgeführt.
Ja, haben wir denn schon wieder Weihnachten? Der Chor wird singen: „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“ Das klingt doch weihnachtlich und nicht nach Pfingsten. Oder?

Ich will Sie nicht unnütz mit Wissen quälen, doch tatsächlich hat Händel den Messias stets in der Fasten- oder Osterzeit auf den Spielplan gesetzt. Das geschah entsprechend des Gesamtumfangs, der sowohl die Prophezeiung und Geburt als auch die Passion und die Auferstehung Jesu inszeniert. Oft wurde es aber schon damals in seine Teile zerlegt und es wurden daraus zur Weihnachtszeit Weihnachts- und zur Osterzeit Osterkonzerte gemacht, die nur die jeweiligen Stücke zur Geburt oder Auferstehung zur Aufführung brachten. Aus der Geschichte ist also widerlegt, man dürfe den Messias nur bei Kälte und im Dunkeln hören.

Es geht mir aber gar nicht um Ihre Hörgewohnheiten. Wenn schon Händel die komplette Jesusgeschichte in einem Oratorium erzählt, müssen wir uns vielleicht fragen, ob nicht auch die zugegeben besondere Person gar nicht alles verkörpert, was die Prophetie an Erwartungen weckt. WunderRat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst sind wie Immanuel zumindest nicht zu Eigennamen Jesu geworden. Es sind vielmehr acht Erwartungen, die wir bis heute an seine Regentschaft knüpfen dürfen.

Gott sendet einen Messias, um Frieden zu schaffen, unverbrüchliche Treue zu verkünden und heilende Tröstung zu bringen. Das ist tatsächlich nur der Anfang. Wir dürfen mehr erwarten. Für uns und von uns. In uns klingen beim Hören Wünsche an, die wir hegen. Die Friedenssehnsucht muss gerade nicht noch vertieft werden, aber der Weg dahin schon. Um Shalom wird gerungen und in  Friedensgebeten gebeten.

Auch hier eine geschichtliche Richtigstellung: Jesus hat für sich nicht die vollkommene Erfüllung der Prophezeiung in Anspruch genommen, er hat als Fortsetzung seines Tuns den heiligen Geist,
den wunderbaren Rat, den kommenden Tröster versprochen und teilt sich mit ihm die Erfüllung der Prophetie. So dürfen wir uns in die Prince-of-peace-school einschreiben und gemeinsam Frieden
stiften üben. Indem wir Gewalt und Vorurteile überwinden. Gottes Geist kann uns befähigen, den Weg des Friedens auch nach Rückschlägen fortzusetzen. Ein Wort, eine Geste, eine Unterstützung
können viel bewirken.

Es wird wie ein Wunder oder eine Heldentat aussehen, wenn es gelingt. Aber wer hätte dem kleinen Kind in Bethlehem zugetraut, eine solche Wirkung zu erzielen? Warum nicht uns, in der Kraft
der Auferstehung die Angst zu überwinden und dem Heiligen Geist in uns vertrauen, Größeres zu bewirken?

Händel hat die Prophezeiung der guten Herrschaft dem Chor auf die Schultern und die Stimmbänder gelegt und nicht den Solisten. Wir können einstimmen.

Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Pfarrer Ralf Döbbeling

Nachgefragt: Vom Gründen und Ackern

Foto: Katharina Lipskoch

Im Gespräch mit Franziska Sandner und Kati Illmann, Geschäftsführerinnen von „Stadt Land Garten“

Seit November 2021 seid ihr im Gründer*innenhaus am Steilen Berg. Was hat euch hergeführt?

Kati: Vor einigen Jahren habe ich aus der Phoebe von dem Gründer*innenhaus erfahren. Ich fand das toll, hatte aber damals keinen Bedarf. Als Franziska und ich die Idee hatten, uns selbständig zu machen, haben wir uns beworben und sind froh, hier zu sein.

Franziska: Es ist ein schöner Ort, der genau zwischen unseren Wohnungen liegt. Hier können wir konzentriert arbeiten in schöner Atmosphäre. Außerdem gefällt uns die Vernetzung im Viertel und in die Gemeinde hinein sehr.

Woher kommt ihr beruflich, und wie kam es zur Entscheidung für die Gründung?

Franziska: Ich bin Juristin, habe aber schnell gemerkt, dass ein Schreibtischjob nichts für mich ist. Über unsere Kinder haben Kati und ich uns angefreundet und dabei entdeckt, dass wir den Wunsch teilen, beruflich noch etwas anderes zu machen und vor allem, draußen zu arbeiten im Einklang mit der Natur.

Kati: Ich bin von Hause aus Ethnologin und habe 11 Jahre an der MLU gearbeitet. Die Arbeit mit Studierenden und die vielen Forschungsreisen haben mir große Freude bereitet, aber das projektgebundene und auf kurze Dauer angelegte Arbeiten an der Uni hat in mir den Wunsch verstärkt, nachhaltig etwas bewirken zu wollen– im mehrfachen Sinn. Wir möchten etwas tun, was nachhallt, sowohl für uns persönlich, als auch für die Umwelt und die Gesellschaft.

Franziska: Für mich war schon länger klar, dass ich selbständig arbeiten möchte. Mein Vater ist seit der Wende Unternehmer, damit bin ich groß geworden. Das bedeutet oft Stress, aber auch viel Selbstbestimmtheit.

Kati: Natürlich birgt Selbständigkeit immer auch ein Risiko. In Momenten des Zweifelns hilft mir zu wissen, dass ich von unserem Vorhaben absolut überzeugt bin.

Worin genau besteht eure Gründungsidee?

Franziska: Wir haben einen 2000 qm großen Garten gepachtet, sehr idyllisch im Salzatal gelegen. Dort möchten wir Gemüse und Schnittblumen nach ökologischen Richtlinien anbauen. Der Name unseres Unternehmens „Stadt Land Garten“ verrät es schon – uns liegt dabei die Vernetzung von Städter*innen und Land sehr am Herzen. Unser Hofgarten soll sich langfristig als Ausflugsziel etablieren, wo Menschen eingeladen sind, selbst ihr Gemüse und einen Strauß Blumen zu ernten.

Kati: Das Besondere ist, dass nicht nur unser Gemüse, sondern auch unsere Blumen nachhaltig angebaut werden. Damit unterscheiden sie sich von herkömmlichen Schnittblumen: Sie wachsen regional und saisonal, sind absolut naturbelassen. Außerdem haben sie kurze Transportwege und weisen eine längere Haltbarkeit auf als weitgereiste Blumen! Wir sind auch Mitglied in der Slowflower-Bewegung, die sich für nachhaltigen Schnittblumenanbau einsetzt.

Wie bringt ihr eure Produkte an die Kund*innen?

Franziska: Ab Mitte Mai bieten wir Abokisten mit Freilandgemüse, mit oder ohne Blumenstrauß an. Die Blumen gibt es auch separat im Abo oder auf Bestellung, als Geschenk, als Kirchenschmuck, zu Hochzeiten, Beerdigungen, etc., auch für gastronomische Betriebe oder Arztpraxen.

Kati: Wir möchten möglichst ohne Zwischenhändler auskommen und suchen den direkten Kontakt zu Foodkooperationen, Florist*innen, Beerdigungsunternehmen etc.

Was sind die nächsten Schritte für euch?

Franziska: Wir werden uns ab Mai offiziell selbständig melden, dann werden wir auch die Biozertifizierung beantragen. Außerdem steht die erste Aussaat kurz bevor, und es muss gepflanzt werden. Also werden wir viel Zeit auf dem Feld verbringen.

Text und Foto: Katharina Lipskoch