Foto: Iris Hinneburg

Wie eine kleine Insel liegt die Kirche Sankt Bartholomäus auf dem Berg in Giebichenstein. Umgeben von einem Kirchhof ist es ein Ort der Ruhe und Stille. Ein romantischer Ort. Zwei Eisentüren stehen an den Eingängen, sind aber Tag und Nacht geöffnet. So wird der Kirchhof auch Tag und Nacht betreten. Der gebräuchlichste Weg führt direkt von einem Tor zum anderen. Wer jedoch dem gepflasterten Weg einmal rund um die Kirche folgt, sieht nicht nur alte und verwitterte Grabsteine, sondern auch große Grabmale an der Kirche wecken seine Neugier. Die Lage weit ab von der Burg- und der Großen Brunnenstraße, die Mauer um das Grundstück und die Bäume und Sträucher auf dem Gelände verbergen die Kirche, sodass immer wieder Menschen die Kirche neu entdecken. Mancher Gast einer Trauung sie sogar sucht.

Im vergangenen Jahr hat eine Studentin der Kunsthochschule Burg Giebichenstein den Kirchhof für ihre Studien im Rahmen eines internationalen Projektes von Hochschulen gewählt: places en relation. Sie hat untersucht, wie die Ästhetik des Ortes, die ruhige Atmosphäre des Weges und der Fläche um die Kirche ermöglicht und Menschen miteinander in Kontakt bringt. Tatsächlich hat sie beobachtet, wie Fußgänger ihren Gang verlangsamen und sich dieser Umgebung öffnen. Wie sie auf die Kinder des Hortes oder auf andere, die des Weges kamen, reagierten. Diese Art der Betrachtung einer Interaktion von Menschen, die mit der Kirche und ihrer Umgebung mehr oder minder vertraut sind, war für die Studentin von besonderem Interesse. Es ist ein öffentlicher Ort, kein privater. Er ist aber auch kein so heiliger, wie die Kirche als heilig empfunden wird. Man muss die Schuhe nicht ausziehen oder den Hut absetzen. Es sind alltägliche Begegnungen, die doch durch die Kirche beeinflusst oder erst ermöglicht
werden. So können diejenigen, die sonntags zum Gottesdienst kommen, davon ausgehen, dass „ihre“ Kirche auch alltags eine Ausstrahlung hat. Es ist sogar mit Sicherheit damit zu rechnen, dass die
Gebete des Sonntags sich auch in den Begegnungen des Alltags erfüllen.

Von dieser Wirkung von Kirchen auf den öffentlichen Raum zeugt im 18. Jahrhundert schon ein Stich der Stadt Rom, indem der Karthograph den Raum der Kirchen der Stadt viel weiter ansetzte als die Gebäude reichten. So wie die Studentin sich noch weitere Fragen gestellt hat, sollte auch die Gemeinde sich fragen, was sie tun oder auch lassen sollte, um die Wirkung ihrer Gegenwart auf die Passanten zum Innehalten und Verlangsamen positiv beeinflussen kann. Die vollständige Dokumentation des Projekts findet sich unter: www.civic-city.org/places/. Dort finden sich auch Gedanken von Anna Neumann zur Bartholomäuskirche.

Ralf Döbbeling und Anna Neumann

Wir treffen uns zufällig auf dem Marktplatz. Sie, die engagierte Klassenlehrerin unseres Kindes. Ich, eine etwas nachlässige Mutter. Ich fange an, eine Entschuldigung zu stammeln, denn seit 1 1/2 Jahren habe ich mich nicht um ein Elterngespräch bemüht, was ich nach den Gepflogenheiten dieser Schule hätten tun sollen. Sie: „Keine Sorge! Alles in Ordnung.“ Entspannung, Durchatmen. Ein bisschen was haben wir dann doch zu besprechen, das Lesen, das Schreiben, naja, die Konzentration….. Doch sie lässt immer wieder durchblicken: „Keine Sorge! Es ist alles gut.“ Ich höre es als Entlastung, als Ermutigung, nicht als dahingesagte Floskel. Dann reden wir weiter, über sie, Stress und Herausforderungen, Glück und Hoffnungen. Sie fragt bei mir nach. Ich erzähle von Aufgaben und Sorgen, Entwicklungen und Zuversicht. Alles auf Augenhöhe, ehrlich interessiert, seltsam vertraut. Die Glocken fangen an zu läuten. Als ich heimfahre, bin ich so froh und erfüllt und doch leicht, als wäre ich einem Engel begegnet.

Foto: Jakob Haferland

Vor einigen Wochen ging mein Smartphone kaputt. Der Touch-Bildschirm war gesprungen und reagierte nur noch in einem kleinen Bereich am unteren Rand auf meine Eingaben. Es war also nicht völlig außer Betrieb, aber praktisch nicht mehr zu bedienen. Der Bildschirm ließ sich nicht entsperren, nicht einmal Ausschalten ging mehr auf normalem Wege. Alles was ich damit noch anfangen konnte, war Anrufe entgegen zu nehmen. Und ich konnte auf dem Startbildschirm sehen wie nach und nach immer mehr SMS und vor allem WhatsApp-Nachrichten eingingen. 476 Nachrichten aus 15 Chats stand dort nach zwei Wochen. Mehr ließ sich zu deren Inhalt aufgrund des defekten Displays jedoch nicht in Erfahrung bringen.

Eine ziemlich einseitige Kommunikation: Menschen versuchten mir Nachrichten zu senden, sich mir mitzuteilen, mich zu erreichen. Ich konnte jedoch nicht sehen worum es ging und mich auch nicht bemerkbar machen. Ich konnte nur hoffen, sie würden mich irgendwann anrufen und ich dann in diesem Moment in der Lage sein, abzunehmen. Denn zurückrufen ging ja auch nicht. Eine vertrackte Situation. Ich bemerkte dabei, wie unbefriedigend eine solch gebremste Kommunikation sein kann. Ich wollte antworten, mich wenigstens irgendwie bemerkbar machen.

Neben der sich einstellenden Unzufriedenheit über die Situation (hinzu kam, dass auch die Reparatur des Handys nicht nach Plan verlief und sich verzögerte) hatte das Ganze auch etwas erhellendes. Denn ich habe mal wieder gemerkt: Beziehung drängt auf Dialog, drängt darauf sich mitzuteilen. Ich will am Leben der Menschen, die mir wichtig sind, aktiv teilhaben. Mir ist nicht egal was sie tun, erleben oder von mir wollen. Und ich möchte natürlich, dass sie das hören und spüren können, auch wenn ich nicht persönlich da sein kann.

Desweiteren hat mir dieses kaputte Handy etwas über mein Verhältnis zu Gott gelehrt. Auch in dieser Beziehung ist Kommunikation wichtig. Und nicht immer gelingt sie auf Anhieb. Manchmal geht es mir genauso wie mit meinem Handy. Ich weiß, Gott will mir etwas sagen, aber ich bekomme seine Nachricht nicht geöffnet, verstehe nicht was er nun genau von mir will. Wie gut wenn er dann kommt, der Anruf im richtigen Moment.

Und noch etwas ist mir bewusst geworden: Auch in der Beziehung zu Gott habe ich ein Mitteilungsbedürfnis. Ich kann diesen Gott nicht einfach still hinnehmen. Stattdessen will ich ihn immer wieder anrufen, mich ihm mitteilen, ihn bitten, ihn fragen, mich mit ihm auseinandersetzen, ihm klagen, ihm Vorwürfe machen, mit ihm ringen, ihm danken, ihn loben, ihn anbeten. Ich bin froh, dass diese Kommunikation gerade nicht an einem fragilen Touch-Display hängt.

Jakob Haferland

Seit Herbst 2017 bekommen Geflüchtete mit Duldung im Saalekreis ihre Leistungen nicht mehr in bar ausgezahlt, sondern in Form von Einkaufsgutscheinen. Ziel dieser Maßnahme ist es, den Geduldeten (= Menschen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, die aber nicht abgeschoben werden können) das Leben so schwer wie möglich zu machen, um sie zur „freiwilligen Ausreise“ zu bewegen.

Die Einkaufsgutscheine bedeuten für die Betroffenen eine gravierende Verschlechterung ihrer Lebensumstände: So können sie aufgrund des Mangels an Bargeld z. B. ihre Anwaltskosten, Fahrkarten oder Telefonguthaben nicht mehr zahlen. Zudem sind sie für alle Einkäufe auf Supermärkte festgelegt. Was es im Supermarkt nicht gibt (Bücher, Lebensmittel ihrer Herkunftsländer, Spielzeug, Kleidung etc.), können sie nicht kaufen. Betroffene werden zudem durch die Gutscheine stigmatisiert und ihre Möglichkeiten zu sozialer Teilhabe und selbstbestimmtem Leben weiter geschmälert.

Dem soll durch die Gutschein-Tauschbörse kurzfristig entgegen gewirkt werden. Konkret funktioniert das so:

1. Ihr legt Bargeld in beliebiger Höhe in einen Briefumschlag. Auf dem Umschlag vermerkt ihr: Euren Namen, den Geldwert und den Tauschort (Bartholomäus).

2. Den Umschlag werft ihr sonntags in den dafür bereitstehenden Briefkasten in der Kirche.

3. Wir holen die Umschläge ab und tauschen euer Bargeld gegen Gutscheine. Die Gutscheine kommen wieder in euren Umschlag, den wir dann im Briefkasten in der Kirche für euch zur Abholung hinterlegen. Der Umtausch durch uns findet in der Regel alle zwei Wochen dienstags statt. Die jeweiligen Daten sind am Briefkasten ausgewiesen.

4. Der Umschlag kann dem Briefkasten in der Kirche entnommen werden.

5. Die Gutscheine sind ein bis zwei Wochen gültig (steht auf den Scheinen). Daher solltet ihr sie direkt am Sonntag nach dem Tausch abholen und in der darauffolgenden Woche einkaufen gehen.
Eine Liste mit den Supermärkten in Halle, die die Gutscheine annehmen, liegt am Briefkasten in der Kirche aus.

Für weitere Fragen zur Tauschbörse steht Amand Führer zur Verfügung: 0176 43628362.

Bei den Umbauarbeiten im Gemeindehaus gibt es Fortschritte. Das zieht natürlich auch Veränderungen nach sich: Am 18.06. beginnt der Abriss der Toilettenanlagen im Erdgeschoss. Es stehen aber die Toiletten in den Jugendräumen im Keller bereit.

Welche Gottesdienste gibt es im Juni in unserer Gemeinde und welche anderen Termine stehen an? Diese Fragen beantwortet zuverlässig unser Terminblatt, das in der Kirche und im Gemeindehaus ausliegt. Die neueste Ausgabe können Sie auch hier als PDF herunterladen.