Foto: J. Lipskoch

Darf ich vorstellen: Katharina von Bora. Von anderen wurde sie auch die Lutherin genannt. Ich selber, wenn sie mir Grenzen setzte, nannte sie liebevoll mein Herr Käthe. Auch wenn wir nicht aus Liebe heirateten, so war Katharina wohl der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich kann mir nicht vorstellen, was aus mir geworden wäre, wenn sie mich nicht gefunden hätte. Wenn Ihr etwas über unser Eheleben und den theologischen Verstand Katharinas erfahren wollt, dann lest unsere Briefe, die oft mehrmals während einer Reise zwischen uns hin und her gingen.

Nachdem ich meine Entdeckung des gnädigen Gottes gemacht habe, war es natürlich, dass ich auch heiratete. Ich riet es auch jedem anderen. Aber ich selber zierte mich. Dabei dient es nur dem Teufel, wenn wir uns um unsere eigene Seligkeit sorgen. So war es Gottes Güte, der mich durch mein Ehegespons von mir selbst befreite. Ich hätte mich sonst immer nur um diesen alten Madensack gekümmert und dennoch die Freude Gottes an den Menschen nie erfahren. War ich der Reformator, war Katharina es für mich.

Da ich erst in erster Generation zuerst ein Mönch und dann ein Prediger des Evangeliums und Doktor der Theologie war, kannte ich die Arbeitswelt noch sehr gut. Die schwere Arbeit der Bergleute, der Bauern und Handwerker. Doch erst durch Käthes Arbeit als Mutter, Hausfrau und Geschäftsführerin unseres Hauses und Hofes kam ich auf den Gedanken, dass es keine frommen Werke gibt, die mehr zählen als andere. Wenn Katharina Bier braute, wie all die Frauen in Wittenberg Bier brauten, dann tat sie einen Gottesdienst. So auch jeder, der seinen Beruf ehrlich und ordentlich ausübt, damit Gott und dem Nächsten dient.

Sie merken, wie sehr ich durch mein Eheweib gelernt habe, ein freier Mensch zu sein. So rühme ich Gott für die zwei Gebote, in die er ein drittes hineinflicht, wie Katharina einen Zopf flicht. Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist die größte Freiheit und das habe ich von meiner Frau gelernt, die mich immer wieder von meiner Sorge um mich selbst befreit hat.

Wie das eine Mal, als sie Trauerkleidung anzog, um mich von den trüben Gedanken zu kurieren. Ich merkte es erst gar nicht. So besessen war ich von meiner Sorge. Und dann antwortete sie mir auf die Frage, wer denn gestorben sei. „ Der liebe Gott, der liebe Gott ist tot.“ Da musste ich doch herzlich lachen, welch schönes Beispiel die Katharina sich für ihre Predigt ausgedacht hatte.

Pfarrer Ralf Döbbeling