Foto: Jakob Haferland

Vor einigen Wochen ging mein Smartphone kaputt. Der Touch-Bildschirm war gesprungen und reagierte nur noch in einem kleinen Bereich am unteren Rand auf meine Eingaben. Es war also nicht völlig außer Betrieb, aber praktisch nicht mehr zu bedienen. Der Bildschirm ließ sich nicht entsperren, nicht einmal Ausschalten ging mehr auf normalem Wege. Alles was ich damit noch anfangen konnte, war Anrufe entgegen zu nehmen. Und ich konnte auf dem Startbildschirm sehen wie nach und nach immer mehr SMS und vor allem WhatsApp-Nachrichten eingingen. 476 Nachrichten aus 15 Chats stand dort nach zwei Wochen. Mehr ließ sich zu deren Inhalt aufgrund des defekten Displays jedoch nicht in Erfahrung bringen.

Eine ziemlich einseitige Kommunikation: Menschen versuchten mir Nachrichten zu senden, sich mir mitzuteilen, mich zu erreichen. Ich konnte jedoch nicht sehen worum es ging und mich auch nicht bemerkbar machen. Ich konnte nur hoffen, sie würden mich irgendwann anrufen und ich dann in diesem Moment in der Lage sein, abzunehmen. Denn zurückrufen ging ja auch nicht. Eine vertrackte Situation. Ich bemerkte dabei, wie unbefriedigend eine solch gebremste Kommunikation sein kann. Ich wollte antworten, mich wenigstens irgendwie bemerkbar machen.

Neben der sich einstellenden Unzufriedenheit über die Situation (hinzu kam, dass auch die Reparatur des Handys nicht nach Plan verlief und sich verzögerte) hatte das Ganze auch etwas erhellendes. Denn ich habe mal wieder gemerkt: Beziehung drängt auf Dialog, drängt darauf sich mitzuteilen. Ich will am Leben der Menschen, die mir wichtig sind, aktiv teilhaben. Mir ist nicht egal was sie tun, erleben oder von mir wollen. Und ich möchte natürlich, dass sie das hören und spüren können, auch wenn ich nicht persönlich da sein kann.

Desweiteren hat mir dieses kaputte Handy etwas über mein Verhältnis zu Gott gelehrt. Auch in dieser Beziehung ist Kommunikation wichtig. Und nicht immer gelingt sie auf Anhieb. Manchmal geht es mir genauso wie mit meinem Handy. Ich weiß, Gott will mir etwas sagen, aber ich bekomme seine Nachricht nicht geöffnet, verstehe nicht was er nun genau von mir will. Wie gut wenn er dann kommt, der Anruf im richtigen Moment.

Und noch etwas ist mir bewusst geworden: Auch in der Beziehung zu Gott habe ich ein Mitteilungsbedürfnis. Ich kann diesen Gott nicht einfach still hinnehmen. Stattdessen will ich ihn immer wieder anrufen, mich ihm mitteilen, ihn bitten, ihn fragen, mich mit ihm auseinandersetzen, ihm klagen, ihm Vorwürfe machen, mit ihm ringen, ihm danken, ihn loben, ihn anbeten. Ich bin froh, dass diese Kommunikation gerade nicht an einem fragilen Touch-Display hängt.

Jakob Haferland