Als ich in der Gastronomie gearbeitet habe, konnte man das Jahr immer in drei Zeiten einteilen: Im Winter war es schon dunkel, wenn man zur Arbeit ging. Und selbstverständlich auch danach. Im Frühling war es dann irgendwann wieder solange hell, dass man im Hellen die Arbeit antrat. Und dann steigerten sich die Sonnenstunden so, dass ich noch um halb elf in der Dämmerung nach Hause gehen konnte. Bis sich das Licht dann
langsam wieder verlor und alles von vorne begann. Doch die Vorfreude blieb, dass es nicht lange dauern würde, bis es wieder heller wird. So gliederte sich das Jahr.
Nun beginnt wieder die dunkle Jahreszeit. Sie ist auch kälter und nasser. Und sie ist auch gemütlicher und häuslicher. Für mich ist sie aber vor allem dunkler. Da freue ich mich, dass sie vom Kirchenjahr insbesondere vom Leuchten gekennzeichnet ist. Dem Adventskranz und den Lichtern am Baum. Und auch der Martinsumzug und der lebendige Adventskalender bringen Licht mit. Weihnachten und Epiphanias leuchten sogar gewissermaßen von innen heraus.
Der Täufer Johannes hat es als Vorläufer Jesu angekündigt. Er werde abnehmen und Jesus zunehmen. Damit meinte er nicht das Körpergewicht, sondern die Bedeutung. Ein Vorläufer spielt nicht die Rolle, die die angekündigte Hauptperson spielt. Und die Hauptperson ist eindeutig Jesus. Deshalb wird er auch als bedeutender als die Sonne gewertet. Das Johannesfest liegt mitten im Sommer, während der Christus mitten im Winter von allein leuchtet.
Und dennoch ist es lange dunkel und es kann ganz schön auf das Gemüt drücken, so umstellt von Dunkelheit zu sein. Lassen Sie mich einen Vergleich anstellen: Unser tägliches Brot ist ja nicht nur Nahrung, sondern wir können auch Kleidung, Wärme, gute Freunde und eine erfreuliche Nachricht als tägliches Brot ansehen. So ist ein Licht nicht nur eine Kerze oder ein Autoscheinwerfer, sondern übertragen auch ein gutes Wort. Im Lob eines Lehrers, Verständnis eines Freundes oder in einem Bibelvers.
Im 139. Psalm steht sinngemäß, dass die Dunkelheit dem Licht weichen muss, wenn Gott kommt. Bei Gott finstert selbst die Finsternis nicht. Sie gleicht dem Licht. Das ist eine Sache des Glaubens. Aber was ist keine Sache des Glaubens? Zumindest, dass die dunkle Jahreszeit notwendig schwarz ist. Denn es gibt auch von November bis Februar viele lichte Punkte. Das Licht hat mehr Recht als alle Finsternis. Gott ist da.
„Das ewig Licht geht da herein,
gibt der Welt ein‘neuen Schein;
es leucht‘ wohl mitten in der Nacht
und uns des Lichtes Kinder macht.“ (Martin Luther)
Pfarrer Ralf Döbbeling
