An diesem regnerischen Sonntag im Oktober brennt im Gemeindehaus schon um 9 Uhr das Licht. Annette Döbbeling und Antje Steinhardt rücken Tische im Gemeinderaum. „Wir stellen dann noch eine Vase aufs Buffet“, ruft Annette ihrer Kirchencafé-Kollegin zu. Antje verteilt Servietten auf den Tischen im kleinen Saal, wo das Team schon am Vortag Blumen arrangiert hat. Sie engagiert schon seit mehr als fünf Jahren im Kirchencafé: „Ich wollte mich in der Gemeinde beteiligen, am liebsten irgendwo im Hintergrund. Da bot sich das Kirchencafé an.“
Annette stellt die erste Kanne Kaffee auf, drei weitere werden folgen. „Können wir dann gegen 11.15 Uhr die Brezeln aufbacken?“, fragt Hanna, die die Gemeindeversammlung vorbereitet hat und letzte Absprachen mit dem Kirchencafé-Team trifft. Antje bereitet ein Tablett mit Kaffee und Wasser für die Elternrunde der Bartholomäuse vor, für die Verantwortlichen des Kirchendiensts stellt Annette einen Teller mit Keksen zur Seite: „Bis die mit ihrem Dienst fertig sind, sind häufig schon alle Kekse auf dem Buffet leer.“
Antje holt inzwischen aus einer großen Schublade bunte Tassen und Untertassen. Warum Kahla-Porzellan und kein Standardgeschirr aus dem Großmarkt? „Für unsere Gäste nur das Beste“, erklärt Annette. „Das ist eine Dauerdiskussion in unserem Team“, grinst Antje, „Farben von Tassen und Untertassen mischen oder nicht?“ Annette ergänzt: „Das dürfen aber alle Mitarbeitenden selbst entscheiden.“ Nebenbei unterhalten sich die beiden Frauen über die zurückliegenden Urlaube, beschriften die Milchpackung mit dem Anbruchsdatum und füllen den Apfelschorle-Spender.
Als die Glocken anfangen zu läuten, sind auf dem Buffet Geschirr und Kaffee, aufgeschnittenes Obst und Kekse liebevoll arrangiert. Mit dem letzten Glockenschlag huschen Annette und Antje in den Gottesdienst. Antje geht bereits nach dem Predigtlied wieder ins Gemeindehaus, um aufzuschließen und letzte Dinge vorzubereiten. Annette wird an diesem Sonntag zum Thema Kirchencafé-Dienst interviewt – denn das Team braucht Verstärkung: „Wir wollen, dass jeder nur einmal im Monat Dienst machen muss.“
In Bartholomäus ist das Kirchencafé eine Institution, rund 30 Gäste finden jeden Sonntag ihren Weg dorthin. „Wir wollen einen Raum für Gemeinschaft bieten und einen erwartungsfreien Ort für Begegnung“, sagt Annette. Dieses Konzept scheint voll aufzugehen: „Hier fühlt man sich zu Hause und erlebt: Gemeinde ist mehr als nur Gottesdienst“, sagt Niels. Das merken auch die Kinder, die besonders die Kekse und die Süßigkeiten lieben. Für Sarah ist das Kirchencafé ein Raum, nach dem Gottesdienst andere Menschen aus der Gemeinde kennenzulernen. Ruben mag besonders die Gemeinschaft und die liebevolle Vorbereitung, Markus die spontanen Gespräche. Stefan ergänzt: „Ich schätze im Kirchencafé besonders, dass man gut integriert und aufgenommen wird.“ An vielen Sonntagen gibt es dafür einen Willkommenstisch, der sich besonders an Menschen richtet, die zum ersten Mal in der Gemeinde sind.
„Wir mögen es sehr, im Kontakt mit jungen Leuten zu sein“, erzählen Herr und Frau Gahl. Zum Beispiel mit Christoph, der sich in diesem Moment mit an den Tisch setzt. Für ihn ist das Kirchencafé ein Ort der Horizonterweiterung: „In Gesprächen kommen Themen auf, mit denen man sich noch nicht beschäftigt hat.“
Während sich die Gäste auf den Weg zur Gemeindeversammlung machen und die letzten Kinder durch die Räume flitzen, füllen Annette und Antje den Geschirrspüler und trocknen ab. Durch die Gemeindeversammlung wird es heute bis zwei Uhr dauern, bis Annette die Küche abschließen kann. Paul-Gerhard weiß, dass das Engagement nicht selbstverständlich ist, das das Kirchencafé möglich macht: „Sehr cool, dass es das gibt.“
„Für manche ist das Kirchencafé genauso wichtig wie der Gottesdienst“, sagt Michel. „Und ohne Kirchencafé wäre Bartho eine andere Gemeinde.“
Iris Hinneburg