Gemeinde bedeutet Stärkung und Ermutigung für den eigenen Glauben – manchmal auch im Vorübergehen. Margarete Peuckert (81) berichtet von ihren Erfahrungen bei der Schaukasten-Arbeit zu DDR-Zeiten:
„Als Katechetin bin ich 1978 aus Thüringen in die Bartholomäus-Gemeinde gekommen. Weil ich schon an meiner alten Dienststelle Plakate hergestellt hatte und auch in einer überregionalen Arbeitsgruppe („Thüringer Arbeitskreis“) für die Schaukasten-Arbeit mitarbeitete, gehörte jetzt auch die Gestaltung der Schaukästen in Bartholomäus zu meinen Aufgaben.
Zu DDR-Zeiten waren die Plakate für die Schaukästen ein mühsames Unterfangen. Meist gab es keine Druckgenehmigung, so dass wir die Plakate von Hand anfertigen mussten. Weil wir keine dicken Filzschreiber hatten, mussten wir mit einem angespitzten Holz und schwarzer Tinte schreiben oder größere Buchstaben aus Papier ausschneiden und aufkleben. Manchmal war es auch schwierig, überhaupt große Zeichenblöcke zu bekommen, von buntem Karton ganz zu schweigen. Wir mussten die Seiten selbst farbig anmalen.
An den Schaukästen in Bartholomäus, sowohl am Gemeindehaus als auch in Richtung Lutherlinde, sind schon immer viele Menschen vorbeigekommen. Viele gingen durch den Kirchhof, um zum alten Friedhof zu gelangen (wo heute der Fußballplatz und der Park sind). Eltern brachten – wie auch heute – ihre Kinder zum Evangelischen Hort, und mancher warf einen Blick auf den Schaukasten. Dabei war es vor allem im Winter ein großes Glück, dass wir für die Schaukästen immer indirekte Beleuchtung hatten, am Park durch eine Straßenlaterne, am Gemeindehaus durch die Hofbeleuchtung. Dadurch war der kurze treffende Text der Plakate auch weithin zu sehen.
Die Menschen haben oft die Plakate am späten Abend oder nachts gelesen, wenn sie heimgingen oder ihre Hunde ausführten. Manch einer erfuhr Stärkung und Ermutigung für den Glauben oder hat einen ermutigenden Spruch oder Bibelvers sogar auswendig gelernt, wenn es ihm besonders tröstlich erschien. Das habe ich als Rückmeldung bekommen. Öfter sprach mich sogar eine Schuldirektorin an.
Meinen Leitspruch für die Schaukasten-Arbeit habe ich in Lk 14, 16+23 gefunden: Gott lädt zum Fest, zum großen Abendmahl. Der Hausherr, Gott, sagt seinen Boten: Gehet aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötigt die Leute hereinzukommen, auf dass mein Haus voll werde.
Als Bote Gottes
auf jede Weise einladend einladen
an den Zäunen und Straßen.
Das ist der Punkt!
Als Delegierter Gottes
die Güte Gottes aufmalen,
sichtbar machen,
„schmackhaft“ machen,
verkündigen für Groß und Klein.
Das war ein Auftrag, den ich gerne erfüllen wollte. Und auch wenn jetzt Jüngere die Aufgabe übernommen haben, bleibt das immer noch der Auftrag des Schaukastens, mit neuen Gedanken und neueren Mitteln.“
