„Schaue darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis werde.“ Lukasevangelium, Kapitel 11, Vers 35
Es ist normal, sich Ziele zu stecken. Normal ist auch, das erreichte Ziel zu erhalten. Wer mühevoll abgenommen hat, möchte danach nicht wieder zunehmen. Oder wer gut trainiert hat, möchte nicht wieder hinter die persönliche Bestzeit beim Rudern, Laufen oder Fahrradfahren zurückfallen.
Wir haben aber alle wohl schon erlebt, dass eine Errungenschaft wieder verloren gehen. Das ist auch gar nicht tragisch, weil immer auch wieder neue spannende Ziele locken. Ständig wird um Veränderung gerungen.
So wird wohl keiner sein Licht bewusst verdunkeln oder gar unter den Scheffel stellen. Dieses Wort von Jesus ist sprichwörtlich geworden. Auch wenn niemand tatsächlich einen Scheffel, dieses alte Hohlmaß für Getreide, benutzt, wissen wir, was gemeint ist. Wir stellen unsere guten Leistungen ins Rampenlicht. Damit sie nachgeahmt werden.
Wer aber das Licht verdeckt, verdunkelt damit den Raum. Und nicht bildlich gesprochen: Wer das Gute nicht leuchten läßt, der nimmt die Orientierung. Keiner würde auf die Idee kommen, einem Leuchtturm ein Kapuze aufzusetzen. Damit würde man dem Schiffsverkehr die Einfahrt in den Hafen oder den nötigen Abstand zum Ufer und zu anderen Untiefen verbergen.
Leuchtende Beispiele und gute Vorbilder sollen leuchten.Das ist nicht immer einfach. Darum muss man sich bemühen. Aber seien wir gewarnt, nachzugeben und Kompromisse zu schließen. Lügen und ein Doppelleben verschatten auch das lichte Gute. Man kann nicht gleichzeitig im Licht und im Dunkel stehen. Der Halbschatten ist zwielichtig. Das geht auf die Dauer nicht gut.
Immer wieder werden kompromitierende Tatsachen über Menschen aufgedeckt, die wir für integer hielten. Das ist nicht nur peinlich, das ist auch immer wieder eine Enttäuschung. Damit verliert ein Leben, dass bis dahin beeindruckend war, seine Wirkung. Man fragt sich, wer dieser Mensch wirklich ist. Da verliert man das Vertrauen.
Besser, als die anderen zu prüfen, ist es allerdings, sich selbst immer wieder mal in Frage zu stellen. Das kann z.B. in der Passionszeit geschehen. Strahlt mein inneres Licht noch? Oder bin ich müde und nachlässig geworden? Zweifel, also ein tastendes Infragestellen durch uns selbst, muss nicht grüblerisch sein. Es muss auch nicht traurig machen.Vielleicht entdecken Sie ganz neue Quellen für ihre Seele. Ein vertieftes Verständnis ihrer Bedürfnisse und Grenzen.
Glaube und Zweifel sind Koalitionäre. Licht und Finsternis sind Antipoden. Der Glaube an den Gott, der freundlich zu uns ist, ermöglicht auch einen Zugang zu den dunklen Seiten. Bevor sie das Licht in Finsternis verwandeln.
Im Augenblick versuchen wir in einem Glaubensgrundkurs als Gruppe nach dem Gelingen des Lebens zu fragen. Wir ringen, wir probieren, wir prüfen. Damit das Licht in uns leuchtet. Das ist ein spannender Prozess. Lassen Sie Ihr Licht leuchten!
Pfr. Ralf Döbbeling