Man freut sich, weil man weiß, jemand hat an mich gedacht, jemand hat sich die Mühe gemacht, genau mir zu schreiben. Und das ist schön.

Jetzt bin ich aber wieder in meinen Zimmer und sitze auf meinem Bett. Und fühle mich weder geliebt noch geborgen. Ich fühle mich leer.

Als würde man einen Wal in einen Pool tun. Er hat keine Freunde mehr und auch kein Meer, was er erkunden kann. Er hat keine Chance, neue Dinge zu sehen oder zu erlernen. Er ist allein in seinem Pool. Seinem kleinen blauen Pool.

Doch plötzlich neue Gerüche, neues Wasser. Sein Wasser würde gewechselt. Er kann neue Dinge entdecken, und fühlt sich wieder lebendig. Eine Minute fühlt sich an wie Stunden. Die Zeit bleib einfach stehen.

Und dann ist es vorbei.
Die Leere,
sie ist wieder da.
Er kennt alles.
Da ist kein lohnenswerter Grund, sich zu bewegen, da alles schon vertraut ist.
Er hatte sich für einen kurzen Moment lebendig gefühlt und genauso schnell ist es wieder erloschen.

Und jetzt? Nur vier Wände. Ein Bett. Ein Handy.
Und Gedanken, die nachts lauter werden, als sie es tagsüber jemals dürften.
Vielleicht kennst du dieses Tief. Dieses Vermissen, das nicht einfach Menschen vermisst. Sondern ein Gefühl.
Das Gefühl,
dass ich irgendwo hingehöre,
dass ich gesehen werde,
dass ich nicht kämpfen muss, um geliebt zu werden.

Und vielleicht tut JaRü deshalb weh, wenn es vorbei ist.
nicht weil dort Gott näher war.
Sondern weil wir dort näher beieinander waren.
Und plötzlich sind wir wieder allein und merken:
ich habe Angst vor der Stille.
Weil in der Stille
keiner mehr mitsingt,
keiner mehr betet,
keiner mehr sagt:
„Gott ist da.“

Und genau da beginnt vielleicht Glaube.
Nicht dort, wo hundert Menschen deine Hände halten.
Sondern dort, wo du deine Hände
ganz alleine faltest.

Emma Steinhardt und Gloria Herrmann zur Jahresrüste (JaRü) der Jugend