Lieber Niels, Du bist vor nicht allzu langer Zeit nach Halle gezogen und bist seitdem regelmäßig in der Bartholomäusgemeinde zum Gottesdienst und insbesondere auch zum Kindergottesdienst. Wie kam es dazu?

Wir wohnen im Paulusviertel und haben dort die Familie Eiffler auf dem Spielplatz kennengelernt. Sie erzählten uns begeistert von der Bartholomäusgemeinde und ihrem besonderen Kindergottesdienst. Beim ersten Besuch mit meiner Tochter war sofort klar, dass wir künftig öfter kommen würden. Nur wenige Wochen später wurde ich gefragt, ob ich den Kindergottesdienst einmal selber leiten möchte. Das war eine Einladung, die ich nicht ausschlagen konnte.

Wie findest Du die Kindergottesdienste? Mich würde deine Einschätzung als Wissenschaftler, der auch lehrt, interessieren.

In den letzten Jahren waren wir viel im Ausland unterwegs und haben dort zahlreiche Gemeinden kennengelernt. Einen so gut organisierten Kindergottesdienst, der ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern gestaltet wird, haben wir jedoch noch nie erlebt. Die Aufteilung in drei Altersgruppen erleichterte es meiner Tochter enorm, Anschluss zu finden, und auch für die erwachsenen Leiter bedeutet die Alterstrennung, dass sie einfacher altersgerechte und spannende Angebote für die Kinder planen können.

Besonders die jüngste Gruppe, die Bartholomäuse, profitiert von einer Fülle bereits vorbereiteter Materialien. Dadurch fiel es mir sehr leicht, die Leitung zu übernehmen. Am Samstagabend passe ich die Vorschläge für den nächsten Morgen dann immer noch nach meinem eigenen Ermessen an.

Persönlich bedeutet mir der Kindergottesdienst aber noch etwas Grundlegenderes: Er ist ein lebendiger Ausdruck des biblischen Missionsbefehls, mit dem ich mich als liberaler Christ immer sehr schwergetan habe. Mission fühlte sich immer etwas übergriffig an, wodurch es mir schwerfiel, diesem Auftrag nachzukommen. Wenn ich den Kindergottesdienst leite, kann ich ihn auf natürliche, freudige Weise erfüllen.

Was gefällt Dir und Eurer Tochter besonders?

Meine Tochter liebt die Kindersegnung während des Hauptgottesdienstes, sie darf dann allein nach vorne kommen und anschließend mit den anderen in den Kindergottesdienst gehen. Besonders begeistern sie die spielerischen Bibelgeschichten, die Bastel‑ und Spielangebote sowie die Zeit mit ihren Freundinnen und Freunden. Und so viele Kekse und Kuchen wie im Kirchencafé gibt es bei uns zuhause auch selten.

In einer Zeit, in der die Mitgliederzahlen vieler Kirchen rückläufig sind, mache ich mir häufig Sorgen um die Zukunft unserer Gemeinde. Wenn ich jedoch den Kindergottesdienst erlebe, schöpfe ich neue Hoffnung. Das Konzept, dass die Eltern in die jüngste Gruppe mit eingebunden sind und sich danach bei Kaffee und Tee im kleinen Kreis austauschen können, war für mich besonders wertvoll. So fand ich schnell Anschluss und fühlte mich sofort als Teil der Gemeinde. Manchmal gibt es sogar einen kurzen biblischen Impuls zur Diskussion, sodass der Kindergottesdienst für die Eltern bereits ein wenig wie ein Hauskreis wird. Heute geht meine Tochter eigenständig zum Kindergottesdienst und ich vermisse diese gemeinsame Zeit dort manchmal selbst.

Hast Du trotzdem noch Wünsche an den Sonntagvormittag, was sich noch verbessern kann?

Ich fände es schön, wenn wir während des Kirchencafés ein betreutes Spiel‑ oder Bastelangebot für die Kinder anbieten könnten. Auf diese Weise hätten die Eltern mehr Zeit, sich miteinander auszutauschen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass ihre Kleinen unbeaufsichtigt sind.

Die Fragen an Niels Schröter stellte Ralf Döbbeling.