Martina Katzmann wurde in Sebnitz, Sachsen geboren und wuchs in einer Arbeiterfamilie auf, bis das angestrebte Studium der Theologie sie nach Halle führte. Während des Studiums, das sie schon vor dem Ende der Regelstudienzeit erfolgreich beendete, lernte sie ihren Rainer, ebenfalls Theologiestudent, kennen und lieben. Nach Hochzeit und Ordination trat Rainer 1978 seine erste Stelle in der Bartholomäusgemeinde an. Für einige Jahre wohnten Martina und Rainer nicht im Gemeindehaus – dort war keine Wohnung frei – konnten 1984 aber endlich dorthin umziehen. Nach langen Jahren als tätige Hausfrau, Mutter und „Pfarrersfrau“ wurde Martina 1989 als Gemeindegehilfin angestellt, eine damals einzigartige Arbeitsstelle mit vielfältigen Aufgaben.
Martina hat drei Söhne, von denen mittlerweile einer selbst Pfarrer ist und darf als Oma bisher einen Enkelsohn verwöhnen. Nach dem Ruhestand ihres Mannes Rainer und dem damit verbundenen Auszug aus dem Gemeindehaus leben beide noch immer im Giebichensteinviertel, fast in Rufweite zu St. Bartholomäus. Nun geht auch Martina in den Ruhestand – am 12.07.2015 wurde sie offiziell verabschiedet.
Welche Ereignisse oder Erfahrungen haben für dich die Zeit in der Bartholomäusgemeinde geprägt?
Unsere Wohnung, die ich immer als Hort der offenen Jugendarbeit empfunden habe. Die geschwisterliche Freundschaft mit Pfarrer Gessner, die sich nach einigen spannungsvollen Jahren hat. Die große Unterstützung durch Birgit und Andreas Pfeil. Die Kirchenwochen des missionarischen Dienstes Südharz in den Jahren 1988 bis 1990, für die wir Gastgeber waren und zu deren Höhepunkt eine Woche lang ca. 180 Menschen rings um und in der Gemeinde gelebt, gebetet und gefeiert haben…
Was tut eine „Gemeindegehilfin“?
Zu meinen Aufgaben gehören hauptsächlich die organisatorische Begleitung von Kreisen, Altardienst, Hintergrundsarbeit für größere Veranstaltungen, die in der Gemeinde stattfinden, wie z.B. Konvente, Synoden oder die Kinderbibeltage. Auch die Organisation und Betreuung des Kirchenkaffees sowie die Begleitung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zählen dazu.
Neben deiner hauptamtlichen Tätigkeit als Gemeindegehilfin hast du dich auch ehrenamtlich für die Gemeinde engagiert, so zum Beispiel als Koordinatorin der Säule „Begegnung und Gastfreundschaft“. Was motiviert dich, der Gemeinde deine Zeit und Kraft zu widmen?
Ich habe immer versucht, da zu sein, wo im praktischen Bereich Not am Mann war. Zudem sind mir das gegenseitige Wahrnehmen und eine einladende Gemeinde sehr wichtig. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollten ein gutes Verhältnis miteinander haben, um Arbeit gelingen zu lassen, ich möchte Menschen, die in der Gemeinde tätig und aktiv waren oder sind, ermutigen.
Was wünschst du dir für unsere Gemeinde in der Zukunft?
Ich wünsche der Gemeinde, dass die Offenheit für das Neue bleibt, aber auch das klare Bekenntnis für unseren Herrn.
Hast du ein Lebensmotto?
„Wie Gott mir, so ich dir“ Ich habe in meinem Leben viel Güte Gottes erlebt. Er schließt niemanden aus, unterscheidet nicht zwischen arm oder reich, gut oder böse.
Dein Ruhestand wird eher unruhig – werden wir dich aktiv auch noch in der Bartholomäusgemeinde erleben?
Im Rahmen der „offenen Kirche“ und eventuell auch in einem Angebot aus der Seniorenarbeit werde ich Bartholomäus „treu bleiben“. Eine neue, spannende Aufgabe erwartet mich in der Arbeit mit Migranten beim „Schnitte e.V.“ in Halle-Neustadt: Arbeit mit einer Klientel, die bei uns keine Heimat findet, in einem auch für mich neuen Umfeld. Wichtig dabei ist jedoch, dass ich diese Aufgabe gemeinsam mit meinem Mann Rainer angehen kann – wir sind ein unschlagbares Team.
Vielen Dank für das Gespräch.
In den vielen Jahren, die Martina in der Bartholomäusgemeinde gelebt und gearbeitet hat, haben viele Weggefährten sie als einen besonderen Menschen, Schwester, Nachbarin, Mitarbeiterin kennengelernt. Einige sollen hier zu Wort kommen:
Martina und Rainer leiteten in den 80-ern meinen ersten Hauskreis, ich erinnere mich an gemeinsame Freizeiten und einen abenteuerlichen Winterurlaub, an die Anfänge des Kirchenkaffees Anfang der 80-er Jahre in Katzmanns Küche zum weiterführenden Austausch über den Predigtinhalt, an die Verköstigung bei diversen Arbeitseinsätzen in Gemeindehaus, Kirche und Kirchhof. Nicht nur beim Probieren von Rezepten hat Martina den Mut, auch mal Neues zu probieren. Sie ergreift die Initiative, motiviert andere und packt immer selbst mit an. (Andreas Pfeil)
Martina hat ein Auge für jeden, der neu in der Gemeinde ist. Als ich vor einigen Jahren in die Gemeinde kam, erwartete mich ein großes Strahlen. Als Ehrenamtliche fühlt man sich von Martina willkommen geheißen – ohne Erwartungsdruck zu spüren. (Siggi Roggendorf)
Martina ist eine dienende, liebevolle Gastgeberin, stets authentisch, wertschätzend, humorvoll, mitfühlend und ehrlich. Ich sehe Jesus- und Menschenliebe und freue mich, dass ich sie kennen darf. (Heidrun vom Orde)
Großzügigkeit in allen Dingen, der besondere Blick für das Ganze machen Martina aus – sei es bei der kulinarischen und dekorativen Ausgestaltung der wine&more-Abende, der ehrenamtlichen Hilfe beim Kinderbibeltreff oder dem Schaffen einer Wohlfühlatmosphäre im Kirchenkaffee. (Christine Rehahn)
Wir haben Martina vor 25 Jahren nach unserem Umzug in die Gemeinde kennen gelernt, durch ihre mütterliche Art und Fürsorge machte sie uns das Einleben leicht. Ich denke an die Veränderungen, die in diesen 25 Jahren passiert sind, die stetige Erweiterung des Kirchenkaffees, gemeinsame Kleider-, Sortier- und Verteilaktionen mit Spenden aus der Partnergemeinde und die vielen gemeinsamen Aktionen in der Küche, um Teilnehmer und Besucher von Gemeindefesten, Konventen, Nacht der Kirchen oder Kinderbibeltagen zu beköstigen. Ich danke Martina für alles gemeinsame Begleiten in freudigen und schweren Situationen unseres Lebens. (Birgit Pfeil).
Wir alle wünschen Martina Gottes Segen und gutes Gelingen für alle Aufgaben, denen sie sich in Zukunft widmen wird und danken ihr für ihre Tätigkeit in der Gemeinde.