Im Mai wurde Friedrich Kramer von der Landessynode zum neuen Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gewählt. Bisher war er als Pfarrrer im Kirchenkreis Querfurt (1993-96), Studierendenpfarrer in Halle (1997-2009) und Leiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V. (seit 2009) tätig. Ab September tritt er sein neues Amt als Nachfolger von Ilse Junkermann an. Vorab war er so freundlich, sich unseren Fragen zu stellen.

Lieber Herr Kramer, wozu brauchen wir als EKM einen Bischof bzw. eine Bischöfin?

Weil wir dieses Amt in unsere 10 Jahre alte Verfassung geschrieben haben. Sicherlich hätte es auch Kirchenpräsidentin, Schriftführer oder Präses heißen können, aber Bischof ist ein neutestamentlich erwähntes Gemeindeleitungsamt und es steht für eine unabhängige Kirche.

Was werden darüber hinaus ihre wichtigsten Aufgaben als künftiger Bischof sein?

Zuhören, Gremien leiten und moderieren, Ideen und Anregungen entwickeln, öffentlich sprechen, sich mit Menschen freuen wenn etwas neu eingeweiht oder gefeiert wird und viel Beten, Predigen, Singen, das werden die Aufgaben sein. Wichtig ist immer das, was jetzt dran ist.

Worauf freuen Sie sich bei ihrer zukünftigen Arbeit am meisten?

Ich freue mich auf engagierte und fromme Geschwister als Weggefährten, auf vielfältige Kontakte und Erfahrungen in der ganzen EKM und auf die Leitung unserer Kirche in nicht einfachen Zeiten.

Die finanziellen und personellen Ressourcen unserer Landeskirche schwinden. Brauchen wir im ländlichen Raum eher Leuchttürme oder sollen wir unseren Einsatz lieber nach dem Gießkannenprinzip verteilen?

Als Greifswalder mit Leuchtturmerfahrung habe ich mich immer schon gefragt, was die Leuchttürme im ländlichen Raum sollen. Konzentrieren oder Zerstreuen, beides kann je und je nötig und sinnvoll sein aber die erste Frage wäre für mich, wo finden wir neue finanzielle und personelle Ressourcen für unsere Arbeit.

Wo sehen Sie in unserer Landeskirche das größte Potential für eine positive Gemeindeentwicklung?

Das sehe ich in jeder Gemeinde, die ihre reale Situation liebevoll in den Blick nimmt und mit den Schätzen die da sind, wuchert.

Was wünschen Sie sich von den Ortsgemeinden für die kommenden zehn Jahre?

Ein fröhliches Pflügen, Gebetskraft und Mut, Gelassenheit in den schwierigen Situationen und Barmherzigkeit untereinander und mit den Mitarbeitenden von der Kantorin bis zum Bischof.

Lieber Herr Kramer, herzlichen Dank für Ihre Zeit und Gottes Segen für Ihren Dienst.

Die Fragen stellte Jakob Haferland. Am 7. September 2019 wird Friedrich Kramer im Dom zu Magdeburg feierlich in sein Amt eingeführt.