Überraschung 1
„Können wir das Ding verschrotten?“ „Nein, das ist Geschichte!“ „Aber ganz schön verrostete.“ Eine Viertelstunde später bin ich schlauer. Was ich als Schrott deklarierte, sind Reste eines Filmvorführapparates. Er stand oberhalb des großen Saals, den man vor dem 2.Weltkrieg als Kinosaal nutzte. Der hatte einen öffentlichen Charakter und lud Leute aus dem Quartier ein. Eine schöne Vorstellung.
Überraschung 2
Bei der Sanierung der „großen Garderobe“ entstanden schöne Räume für Hort und Kirchencafé. Ich fragte nach der Orgel im Saal. „Die können wir doch rausschmeißen.“ „Nein, das ist ein Geschenk!“ „Aber eins was nicht mehr funktioniert.“ Wieder höre ich eine Geschichte von Nationalpreis, Schenkung und Gottesdiensten. Der Saal war viele Jahrzehnte Winterkirche der Gemeinde. Ich erlebte, wie er zu klein und die Kirche winterfest gemacht wurden.
Überraschung 3
„Wann wird denn der Saal endlich mal renoviert?“ „Wenn er eine Funktion und eine Verwendung hat.“ „Na das kann ja dauern.“ Es dauerte einen Gedankenaustausch im GKR, eine Befragung der Koordinatoren und zwei Gemeindevormittage lang und ein Konzept mit langem Wunschzettel entstand. Der Hort braucht einen Bewegungsraum, die Jugend will Konzerte machen, die Musikfreunde sehen den renovierten Flügel erstrahlen, eine Bühne gibt Künstlern Raum und es soll getanzt und gefeiert werden.
Überraschung 4
„Wissen Sie eigentlich von den Wandmalereien?“ „Bitte keine Denkmalpflege bei der Saalsanierung!“ „Aber es gab vier Ummalungen der Türen von Karl Völkner.“ Von ihm waren gerade in der Moritzburg die Deckengemälde aus der Kirche in Schmirma zu sehen. Das zur Ausstellung erhältliche Buch weist Fotos vom Bartholomäussaal auf. Ein Fachmann musste ran und nach den Bildern suchen. Leider war nichts mehr zu finden.
Überraschung 5. „Ich glaube nicht, dass ich das noch erlebe.“ „Bleiben Sie mal optimistisch.“ „Schon vor 20 Jahren haben wir über den Saal gesprochen und es geschah nichts.“ „Jetzt haben wir Menschen, die an einer vielfältigen Nutzung des Saales interessiert sind.“ Ich erzähle von den Planungen. Endlich wird auch die Toilettenanlage neu gestaltet und es entsteht eine rollstuhlgerechte Toilette mit Zugang von außen. Der Saal wird verkleinert und erhält neben einer Bühne auch ausreichend Stauraum für Stühle und Tische.
Überraschung 6
„Das ist brandschutztechnisch überhaupt nicht möglich.“ „Aber wir wollen doch nicht neu bauen.“ „Entweder sie machen das ordentlich oder gar nicht.“ Die Gespräche mit den Experten vom Brandschutz, Statik, und Hygiene lassen einen das Fürchten lehren. Die Kosten steigen und alles wird wackelig. Also hat der GKR eine Fachplanung in Auftrag gegeben und der Kirchenkreis hat uns dabei kräftig unterstützt. Bald reichen wir die Baugenehmigung ein und im Sommer geht es los.
Sind Sie auch überrascht? Haben Sie weitere Fragen? Wir laden recht herzlich zum Gemeindevormittag am 24.04.2016 ab 11.30 Uhr in den großen Saal ein.
Gottfried Muntschick
