Kirche

Im Osten der Burg Giebichenstein wird erstmalig 987 n.Chr. ein Dorf mit Namen Giebichenstein erwähnt. Die Einwohner lebten von Ackerbau, Steinbrucharbeiten und der Salzgewinnung im Wittekindtal. Schon etwa um 1200 n.Chr. hat an der Stelle, wo heute die Bartholomäuskirche steht, ein diesem Apostel geweihtes Gotteshaus gestanden. Der Turm der jetzigen Kirche stammt aus dieser Zeit. Vorher diente die Anhöhe als Germanische Kult- und Begräbnisstätte.

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Fotos: Marcus Hager

Im Jahr 1341 n.Chr. wurden die Burginsassen, die Fischer von Cröllwitz und die Einwohner von Giebichenstein mit ihrer Kirche dem Kloster Neuwerk in Halle einverleibt. Nach der Reformation ging das Patronat auf den Administrator des Erzstiftes Magdeburg über.Ab 1680 n. Chr. gehörten Burg, Cröllwitz und Giebichenstein zu Brandenburg. Unter diesem Patronat amtierte von 1738-1748 als „Kriegs- und Domänenrat“ Herr Ochs von Ochsenstein. Er ließ das baufällige Kirchenschiff abreißen und die Kirche im preußischen Barockstil neu aufbauen.

Ochs stiftete auch eine neue Orgel, erbaut von Contius, Halberstadt, und ließ viele Arbeiten auf eigene Rechnung durchführen. Die heutige Orgel (22 Register) baute der Orgelbaumeister Wilh. Rühlmann, Zörbig. Sie wurde im Laufe der Jahre mehrmals, zuletzt 1992, gründlich durchgesehen und erneuert.

Die Kanzel stammt ebenfalls aus jener Zeit. Zu Füßen der Kanzel sind die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt. Der preußische Königsadler über der Kanzel mit den Initialen FR (Fridericus Rex) erinnern an die erwähnte preußische Rechtsträgerschaft.

Drei wesentliche Elemente des Altars wurden im 20. Jahrhundert von Hallenser Künstlern gestaltet, die an der benachbarten Kunsthochschule Burg Giebichenstein gewirkt und gelehrt haben: Das Kreuz mit der Aufschrift „Gott war in Christo“ ist ein Werk der Emaillekünstlerin Lili Schultz (1895-1970), die beiden Leuchter stammen von dem Metallbildner Karl Müller (1888-1972), und die Altarbibel mit dem Weinstock- und Rebensymbol in Kreuzform ist ein Handeinband des Buchkünstlers Wilhelm Nauhaus (1899-1979).

Die Gemeinde mußte sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg Glocken für Rüstungszwecke abgeben. Heute läuten eine größere Bronzeglocke aus dem Jahr 1749 und eine kleinere von 1962 (Fa. Schilling, Apolda) zum Gottesdienst.

Am 23. April 1683 wurden die Eltern von Georg Friedrich Händel in der Bartholomäuskirche getraut. Händels Mutter war eine Tochter des Giebichensteiner Pfarrers Taust.

Quellen unter anderem:

1. D. Hellwig, Giebichensteiner Heimatabend, Jahrbuch 1937, S. 4-7

2. Ohne Autor, Die ev. Bartholomäuskirche zu Halle Giebichenstein, 1937