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Es geht rund. Das Jahr und die Stimmung nähern sich ihrem Höhepunkt. Ziel ist im August die Nacht der Kirchen und das Laternenfest. Doch zuvor gibt es noch viele Momente der Ekstase. Das Abschiedsfest des Kindergartens und des Hortes. Die Kinder, die die KiTa verlassen, sind jetzt schon richtig groß und die Hortkinder, die in die fünfte und sechste Klasse wechseln, sind riesig gespannt auf die neue Schule. Die Ferien beginnen, ein Schuljahr ist geschafft und es winken sechs Wochen frei. Die Fête de la musique feiert das kulturelle Leben in der Stadt mit viel Musik am längsten Tag des Jahres. Die Atmosphäre in der Stadt wird durch den Sommer leichter. So wie auch die Kleidung. Und die Vorfreude auf eine Reise. Anderes sehen, anderes essen und Neues erleben. Das alles ist je für sich ein Moment von Glück und Lebensfreude.

Es geht rund. Immer im Kreise. Horizontal oder vertikal dreht sich das Karussell. Und flugs dreht sich die Erde wie eine wilde Maus auf ihrer Achse mehr zum Dunkel und zur Kälte. Dann wechselt auch wieder die Kleidung.

Nur wichtig ist, dass man einsteigt. Nicht außen stehen bleibt. Die anderen fahren lässt, während das Jahreskarussell sich wieder anschwingt zu kreiseln. Wenn ich nur zuschaue statt einzusteigen und mich bewegen zu lassen, dann bleibt nur die Betrachtung der Freude der anderen. Ihr Hochgefühl bleibt mir jedoch verborgen.

Doch wie komme ich an Bord? Ein Fahrgeschäft ist leicht zu besteigen, indem man den Fahrpreis zahlt und die Gondel oder die Schaukel besteigt. Doch wie entere ich das Jahr und erlebe den Sommer mit Lebensfreude und Leichtigkeit?

Ich persönlich kenne Zeiten großer Vorfreude auf ein Fest oder eine Reise. Auch in diesem Jahr. Zugleich sind mir Zeiten nicht verborgen, in denen mich vergleichbare Höhepunkte erstaunlich wenig berührten. Sie glichen scheinbar aufs Haar denen des Vorjahres. Was kann ich tun, das Nichtgleiche zu achten? Ich versuche und scheitere zugleich, weil ich nichts besonderes spüre und wahrnehme. Aber ich zwinge mich auch nicht dazu. Denn zur Freude kann man sich selbst ermuntern.

Gerade im Sommer liegt der Versuch nahe, die Intensität zu erhöhen, um wieder mehr Freude und Ekstase zu spüren. Dann geht es höher und schneller wie in einem Superkarussell. Das weitere Reiseziel garantiert gewissermaßen das größere Glück. Mir hat eher geholfen, die Besonderheit dieses Momentes zu bedenken. Denn er ist außergewöhnlich, auch wenn es sich gewöhnlich anfühlt. Gänzlich gleicht nichts dem schon einmal Erlebten. Und es enthält damit die Möglichkeit von etwas Überraschendem. So schaue ich froh und dankbar auf das Altneue, das mir fehlen würde, wenn es sich in diesem Sommer nicht wiederholen würde.

Zumindest möchte ich nicht Zuschauer bleiben und werde einsteigen, wenn wie jedes Jahr der Sommer mir im Jahreskreis die Freude an den langen Sommerabenden, dem Duft der Holunderblüten und den schlüpfenden Vogeljungen, an der warmen Brise und an einem Glas Aperol Spritz beschert.

Ralf Döbbeling