Wir leben mit der Saale. Manche so intensiv wie die Ruderer, die zum Training und zur Entspannung auf der Saale auf und ab fahren. Manche so nah, dass sie in ruhigen Zeiten vom Grundstück auf die Saale schauen und in wilden Zeiten von der Saale umspült und mitgerissen werden. Und die meisten, indem sie immer wieder den Weg hinunter zur und entlang der Saale suchen, sich zu entspannen. Ich liebe die Saale und wenn ich am Wasser bin, dann freue ich mich und kehre in eine Ruhe ein.

Die Saale, so symbolisieren es auch zwei Figuren am Ratshof hat wesentlichen Anteil am Wachstum und Wohlstand in Giebichenstein und Halle, obwohl das alte Fischerdorf und die Bootsfähren der Vergangenheit angehören. Nur Hinweise auf Grabsteinen erinnern an die Fischermeister. Die Fährstraße führt nicht mehr zu den Fähren, sondern biegt vor der Brücke ab. Eine Bank und eine Tafel zitieren das Gedicht Eichendorfs über seine Sehnsucht nach der Saale und dem Giebichenstein.

Und doch kann uns die Saale immer noch etwas lehren. Denn die Fahrt über das Wasser ist erholsam und ein Stückchen Urlaub vom Alltag. Sie mahnt aber auch an die Kraft des Wassers. Wasser ist nicht nur zu Flutzeiten nicht zu unterschätzen. Wir sind eben keine Fische im Wasser. So muss man sich gut auskennen, um oberhalb der Wasseroberfläche zu bleiben und das Fahren und Schwimmen zu genießen.

Der Dichter hebt deshalb nicht auf das Wasser und nicht auf das Boot, sondern auf die zwei Ruderer ab:
Rudern zwei ein Boot,
der eine kundig der Sterne,
der andere kundig der Stürme,
wird der eine führn durch die Sterne,
wird der andere führn durch die Stürme,
und am Ende ganz am Ende
wird das Meer in der Erinnerung blau sein. Reiner Kunze

Sie rudern gemeinsam und stellen gegenseitig sich ihre Stärken zur Verfügung. Damit fahren sie zu allen Zeiten gut. Der eine kann sie orientieren, der andere sie motivieren. So werden sie über die Weite und durch die Stürme wieder den Hafen erreichen. Es wird zwar nicht rosarot sein, wenn sie vom Ufer abstoßen, aber es wird blau sein, wenn sie zurückschauen. Eine Hymne auf die Gemeinschaft, auf die Freundschaft und auf die Ehe. Der Mensch wird das Wasser nur genießen können, wenn er kundig ist, und das Leben nur bewältigen, wenn er Gefährten hat.

In dem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Ferien, eine gute Reise und Gottes Segen unterwegs mit allen, die mit Ihnen „rudern“.

Ihr Pfarrer Ralf Döbbeling