Jesus war offenbar bekannt dafür, dass er gerne und oft mit Menschen zusammen aß. Er musste sich gar den Vorwurf anhören, er sei ein „Fresser und Weinsäufer“ (Mt 11,19). Dass er tatsächlich in so großen Mengen zulangte, ist eher zweifelhaft, sonst wäre er wahrscheinlich nicht so ein beliebter Tischgast gewesen. Aber dass Jesus mit den Menschen das Essen teilte, gab er gerne zu. Er war auch nicht wählerisch, wenn es darum ging, mit wem er aß: Jünger, Pharisäer, Sünder und Zöllner – sie alle kamen in den Genuss seiner Gesellschaft. Vor allem Jesu Tischgemeinschaft mit Sündern und Zöllnern erregte öffentlichen Anstoß.

Aber was macht eine Tischgemeinschaft zu einer besonderen Gemeinschaft? Manchen Sonntag bekomme ich den Eindruck: Das Wichtigste am Gottesdienst ist das Kirchencafé. Liebevoll vorbereitet gibt es der Gemeinde die Gelegenheit zusammenzukommen, sich auszutauschen, miteinander zu spaßen und zu lachen, sich das Herz auszuschütten, zu trösten, zu diskutieren, zu planen, zu beraten und sich zu verabreden. Ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich mich zu anderen Anlässen mit Menschen um einen Tisch versammle. Unser Hauskreis beginnt traditionell mit einem Abendbrot. In der Jungen Gemeinde erscheint mir die Gemeinschaft oft dann am innigsten, wenn wir zusammen essen. Diese Erfahrung teilen andere Gemeindegruppen wohlmöglich auch. Und wie verabrede ich mich mit Freunden? Am liebsten zu einem Frühstück, Mittag, Stück Kuchen oder Abendbrot.

„Liebe geht durch den Magen“ heißt es ja bekanntlich. Liebe zwischen zwei Menschen findet oft auch kulinarisch ihren Ausdruck. Sei es, indem man füreinander kocht oder einfach gemeinsam ein Essen genießt. Man schenkt sich Aufmerksamkeit und die Zeit vergeht ein Stückchen langsamer. Was hier für Paare gilt, lässt sich auch auf unsere Gemeinschaft übertragen. Wenn Jesus zu uns sagt: „Liebt einander!“, dann meint er damit auch: „Esst zusammen!“ Tischgemeinschaft ist gelebtes Christentum, ob beim Abendmahl, beim Kirchencafé, im Hauskreis, in der Familie, mit Freunden oder Fremden. Miteinander essen und trinken heißt, sich Zeit für einander nehmen. Gespräche am Essenstisch sind etwas besonderes. Ja, es stimmt schon: „Mit vollem Mund spricht man nicht“, aber ich habe den Eindruck, das wirkt oft positiv entschleunigend. Ein Tischgespräch ist kein kurzer Gruß im Vorbeigehen. In vielen Familien ist es so der entscheidende Treffpunkt. Da sitzt man, isst gemeinsam und tauscht sich aus. Und selbst wenn sich kein Gespräch ergibt, sorgt man füreinander, teilt ein Essen und bekommt eine Ahnung von der Erfahrung des Psalmisten, der betet: „Sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist!“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen erfüllende Tischgemeinschaften.
Lassen Sie es sich schmecken!

Jakob Haferland