Vor mir steht eine große dampfende Tasse Kaffee. Das erste, noch zaghafte Morgenlicht fällt durch das Fenster. Fast ist es noch zu dunkel, um die Worte in meiner aufgeschlagenen Bibel zu erkennen. Rote Linien und orangefarbene Anstreichungen gesellen sich zu den Buchstaben, die den Psalm formen, der mir in den letzten Monaten so vertraut geworden ist. Die Worte kommen wie von selbst über meine Lippen: „Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ (Psalm 118, 1)

An diesem Morgen steigen mir bei diesem ersten Vers die Tränen in die Augen. Die schweren Gedanken der letzten Tage lasten auf mir, zum Danken ist mit eigentlich nicht zumute. Aber ich spreche weiter, durchlebe die Angst des Psalmbeters, seine Zuversicht in schweren Zeiten, sein Flehen zu Gott, die Freude über die Hilfe des HERRN. Stück für Stück kann ich in den ersten wachen Minuten so alles bei Gott abgeben: meine Zweifel, meine Trauer, aber auch meine Freude, meine Dankbarkeit. Und ich darf wissen: Gott verändert sich nicht – seine Zusagen der Hilfe gelten damals wie heute. Seine Güte und Freundlichkeit sind ewig, ohne Anfang und Ende. Wie gut, dass ich in die Worte des Psalmbeters einstimmen kann.

Vor mir steht eine große, leere Tasse Kaffee. Es ist hell geworden, bald muss ich los zur Arbeit. Die Worte meiner aufgeschlagenen Bibel begleiten mich auch die nächsten Stunden, sind seit vielen Monaten in mein Herz geschrieben. Ich gehe mit der Gewissheit in den Tag: Gott kennt meine Gedanken, weiß, wie ich mich fühle – und er wird es gut machen. Alle meine Sorgen, alle Anliegen sind bei ihm gut aufgehoben. Trotz aller Herausforderungen dürfen wir am Anfang und am Ende jedes Tages aussprechen, so wie es der Psalmbeter zu Beginn und am Schluss seines Gebets formuliert: „Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“

Anneliese F.