„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm. 12,21)

Die Herausforderungen des Christseins konzentrieren sich auf das Thema Erneuerung und Veränderung der persönlichen Lebensführung. „Ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr das Gute nach Gottes Willen tun könnt.“ (Röm.12,2) So ermutigt Paulus die Christen in der damaligen Welthauptstadt Rom. In der Entfaltung dieser grundsätzlichen Aufgabe folgen dann sehr praktische Ratschläge für das Leben in der Gemeinde. Es geht um Gastfreundschaft, um die Nöte der Bedürftigen, um das herzliche Miteinander ohne Heuchelei. Die innige Geschwisterliebe ist dabei ein Leitbild für den Umgang der Menschen miteinander innerhalb der Gemeinde. Im Blick auf das Misstrauen von außen, die Anfeindungen und beginnenden Verfolgungen bleiben die Apostel insgesamt ganz bei der Linie, die Jesus vorgelebt hat: „Der Scheltwort nicht mit Scheltwort beantwortet hat.“ (1.Petrus 3,9) „So segnet, die euch verfolgen und flucht nicht.“ (Röm. 12,14) und „vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. So viel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ (Röm. 12,17.18)

Weiter mahnt Paulus die Gemeindemitglieder, sich nicht von den Geringen, den gesellschaftlich und sozial wenig Geachteten, zu entfernen und nach hohem Ansehen zu streben und andere Mitbürger ständig mit klugen Ratschlägen und moralischen Mahnungen zu nerven. (Röm. 12,16)

Schließlich erinnert Paulus an die große Kraft der Einmütigkeit und legt es den Christen ans Herz, die in Jesus Christus gegebene Einheit festzuhalten.

Wörtlich übersetzt lautet sie: „Lass dich nicht besiegen durch das Böse, sondern besiege in und durch das Gute das Böse!“ Damit ist klar, dass es sich hier bei Gut und Böse nicht um philosophische Begriffe handelt mit all ihren tiefgehenden Fragen nach dem woher und warum des Bösen und nach der Kraft und Quelle des Guten.

Es geht vielmehr um praktische Fragen der Lebensführung. Es geht um das Tun und Lassen der Christen, ganz im Sinne der Erkenntnis: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Die Gefahr ist die Trägheit, das untätige Gewährenlassen des normalen Egoismus, und das Gegenmittel ist: „brennend im Geist sein“. Es äußert sich in fröhlicher Hoffnung, Geduld in Bedrängnis und in anhaltendem Gebet. (Röm. 12,11.12)

In der bleibenden Zuwendung zu Gott liegt die Kraft eines erneuerten Miteinanders. Daraus ergibt sich das Tun des Guten. Dies wiederum erweckt die Aufmerksamkeit und die Reaktionen im gesellschaftlichen Umfeld.

Alle diese apostolischen Ermahnungen können wir direkt auch auf unser Miteinander in der Bartholomäusgemeinde im Jahr 2011 anwenden, obwohl sie vor so langer Zeit aufgeschrieben wurden. Es bleibt allerdings der Zweifel, ob es genügt, dem aggressiv Bösen nur mit praktischem Guttun zu begegnen. Gleich im Anschluss spricht Paulus über die Aufgaben der Obrigkeiten im Umgang mit dem Bösen. „Die Obrigkeit als Beauftragte und Dienerin Gottes trägt das Schwert nicht umsonst“ (Röm. 13,4)

Für Menschen, die Gott vertrauen, bleibt aber der tiefer greifende Grundsatz bestehen:„Rächt euch nicht selbst, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen, dürstet ihn, gib ihm zu trinken.“ So drückt sich das Vertrauen auf Gottes Handeln im Verzicht auf Rache aus und bleibt bei dem Grundsatz: „Tue Gutes!“ Mit den besten Wünschen für das neue Jahr,

Ihr Pfr. R. Katzmann