„Wie ein Hirte seine Herde weidet, so wird der neue König regieren.
Gott, der höchste Herr, hat ihn dazu beauftragt und gibt ihm die Kraft.
Dann können die Menschen endlich in Sicherheit leben, denn selbst in
den fernsten Ländern der Erde wird er als Herrscher anerkannt.“
(Micha 5,3)
Wenn sie eine durchschnittliche Nachrichtensendung am Abend an sich vorüber laufen lassen, dürfte eigentlich der ruhige Schlaf danach vorüber sein. „Cholera in Haiti nicht einzudämmen“, „Neues, schnell gedrucktes Geld in Milliardenhöhe in den USA weckt im nicht zu steuernden globalen Finanzsystem die Angst vor weltweiter Inflation – Flucht ins Gold bei den Vermögenden“. Das sind nur zwei von zahlreichen Problemanzeigen, die uns in kurzer Form, untermalt von einer bunten Bilderfolge präsentiert werden. Können wir danach ruhig schlafen? Wir müssen es, denn morgen beginnt ein neuer Tag. Wir möchten ausgeschlafen sein.
Und so haben wir uns notwendigerweise einen Abwehrmechanismus angewöhnt. Ein Teil davon funktioniert so, dass wir uns sagen: „All diese Probleme betreffen uns nicht. Haiti ist weit weg. Die globale Finanzwirtschaft geht mich nichts an. Ich habe mein Girokonto.“
Dennoch beschleicht uns zuweilen ein diffuses Gefühl von Unsicherheit. Was wäre, wenn…?
Was bringt das neue Jahr? Ist die Krise wirklich überwunden? Mit Sicherheit kann uns das niemand beantworten. Ein wacher und kritischer Verstand ist immer noch das beste Rüstzeug im Blick auf die Fragen nach der Zukunft.
Aber es gibt eine weiter reichende Orientierung: das prophetische Wort, das Gott Menschen anvertraut hat, um ihnen Mut zu machen. Immer zum Weihnachtsfest lesen wir in den Christvespern diese alten Prophetenworte. Sie haben kurz zusammengefasst etwa Folgendes zum Inhalt: „Gott wird eingreifen in die Menschheitsgeschichte durch einen besonders ausgestatteten Menschen. Dieser wird wie ein weiser, guter Hirte handeln und nach der Hingabe seines Lebens ungezählte Nachahmer finden, die in der Kraft seines Namens leben. Mit diesen zusammen wird er zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder erscheinen und seine wohltuende Herrschaft weltweit aufrichten und zwar ausgehend von Jerusalem.“
„Da werden dann viele Völker hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Hause des Gottes Israels, dass er uns lehre seine Wege und wir unser Leben in seinen Pfaden führen. Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem …Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen… Sie werden hinfort nicht mehr lernen Krieg zu führen.“ (Micha 4,2.3)
Noch ist seine Herrschaft verhüllt und verborgen und Jerusalem ein Streitfall für die Religionen und ein Laststein für die Weltpolitik, den keiner wegheben kann. Und niemand kennt den Zeitpunkt, wann der königliche Hirte wiederkommt.
Aber die verborgene Herrschaft Gottes hat längst begonnen bei denen, die seinen guten Hirten erkannt und gefunden haben. Und diese Herrschaft wächst. Nicht nur territorial, weltweit bis zu den fernsten Winkeln der Erde, sondern auch im Blick auf die unzählbar groß gewordene Anzahl von Menschen aller Generationen und Orte, die ein Hauptgebet verbindet: „Dein Reich komme! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde!“
Mich spricht bei dieser Zukunftsvision besonders an, dass wir beteiligt sind an der kommenden, Heilung bringenden Machtausübung Gottes. Er wird nicht allein kommen, sondern seine Nachfolger mit ihm (Judas 14). Neben dem kritischen und wachen Verstand als Mittel zur Zukunftsbewältigung ist es sehr ermutigend zu hören: Das Ende wird nicht das Chaos sein, sondern Gottes Herrschaft auf Erden.
Eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr wünscht, Ihr Pfr. R. Katzmann