„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
(sagt Johannes der Täufer über Jesus in Johannes 3,30)
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben.“
Wie wunderbar grünt und blüht die Natur. Die Bäume stehen voller Laub. Der Flieder leuchtet. An allen Ecken und Enden unserer Stadt liegt ein zarter Blütenduft in der Luft. Der Frühling – man kann schon sagen der Frühsommer – zeigt sich von seiner schönsten Seite.
Bald ist Sommeranfang. Bald ist Mittsommernacht. Am 24. Juni feiern wir die Sommersonnenwende und den Johannistag. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Mittsommerfeste sind ein sehr alter Brauch. Schon die alten Germanen feierten die Sommersonnenwende. Sie feierten damit den längsten Tag und die kürzeste Nacht. Danach werden die Nächte wieder länger. Danach beginnt mit dem Sommer, nach dem großen Aufbruch im Frühling, schon wie – der das Vergehen. Alles steht in vollem Saft, die Früchte reifen, der Höhepunkt des Wachstums in der Natur ist erreicht. Doch das Blatt wendet sich wieder. Die Sonne wendet sich. Sonnenwendfeuer sollten vor Zeiten die bösen Geister vertreiben Unheil und Krankheiten sollten fern bleiben. Menschen sprangen singend und jauchzend über das Feuer, um die Götter zu motivieren, ihren Segen über der Erde auszugießen. Im 5. Jahrhundert dann nahmen die Christen diese Bräuche auf. Sie verknüpften die Sommersonnenwende mit der Geburt des Täufers Johannes.
Johannes war der Wegbereiter Jesu. Er hat Jesus im Jordan getauft. Deshalb sprechen wir von ihm als dem Täufer Johannes.
Über Jesus hat Johannes gesagt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Dieser Satz zeigt, wie eng Johannes und Jesus aufeinander bezogen waren.
Das wird auch an den Tagen der Sonnenwende deutlich. Am 24. Juni, der Sommersonnenwende, feiern wir die Geburt von Johannes. Und am 24. Dezember, genau 6 Monate später, zur Wintersonnenwende, feiern wir die Geburt Jesu.
Johannes und Jesus gehören also eng zusammen. Auch in ihrer Verkündigung. Beide haben sich bemüht, mehr Licht in das Leben der Menschen zu bringen.
Beide haben den Menschen gepredigt, wie wichtig es ist, Buße zu tun und zu einem gottgewollten Leben umzukehren. Beide haben in diesem Zusammenhang vom Reich Gottes gesprochen.
Bis zum heutigen Tag feiern viele christliche Gemeinden den Johannistag mit Festen und großen Feuern. Das Feuer ist ja auch ein Symbol für Gott. Denken Sie an die Geschichte, in der Gott dem Mose in einem Feuer erscheint, in einem brennenden Dornbusch. Gott entfacht – wie ein Feuer – Wärme, Kraft und Energie in uns und verzehrt die finsteren Seiten unseres Lebens.
Mögen Sie das spüren, liebe Leserinnen und Leser. Möge Gott Ihnen nahe sein in diesem Sommer! Ein irischer Segen begleite Sie: „Sonnenschein leuchte dir und wärme deine Seele, bis sie zu glühen beginnt wie ein Feuer und die Sehnsucht tritt näher, um sich daran zu wärmen.“
Einen leuchtenden und erfüllten Sommer wünscht Ihnen herzlich
Ihre
Pfarrerin
Gundula Eichert