Perspektiven für das Gründer:innenHaus

Ein Ort für Menschen, die sich frisch in die Selbstständigkeit begeben. Ein Platz für Gemeinschaft und Möglichkeiten zur Vernetzung über und in die Gemeinde. Ein Haus, das Menschen und unserem Viertel dient. Das war die Ursprungsidee hinter dem Gründer:innenHaus am Steilen Berg in unserem ehemaligen Kindergarten. Davon ließen sich auch der Kirchenkreis und die Landeskirche überzeugen, die Gelder für die Renovierung und eine Begleitung im Rahmen der Erprobungsräume zur Verfügung stellten.

Foto: Cornelia Büdel

So sind wir als Gemeinde selbst Gründerin geworden. Haben etwas gewagt, auf den Weg gebracht und sind nun dabei die Anfangsidee an der Gegenwart zu messen. Dazu gehört u.a. Corona. Die Pandemie hat nicht nur die Gesellschaft ordentlich durchgerüttelt, sondern auch die Weichen für Leben und Arbeiten neu gestellt. Home-Office ist plötzlich das neue Normal und das hat sich auch auf die Gründer:innen-Szene ausgewirkt.

Für unser Projekt im Steilen Berg hieß das auch: Die Nachfrage in der ursprünglichen Zielgruppe nach Büroplätzen hat sich bislang nicht so entwickelt, wie wir es vorher erhofft hatten. Das wunderschön sanierte Haus entwickelt sich deshalb momentan eher zum Co-Working-Space. Menschen, die nicht unbedingt frisch gegründet haben, aber einen konzentrierten Arbeitsplatz mit sozialem Anschluss suchen, werden auf das Gründer:innenHaus aufmerksam. Derzeit mieten ein Team aus dem Familienzentrum des CVJM, ein Doktorand aus der Gemeinde, ein Brandschutz-Ingenieurbüro und der Verein LINE-UP Bühnenproduktion mehrere Arbeitsplätze. Den Keller nutzt eine Einkaufsgemeinschaft für ökologische und regionale Lebensmittel (Schalottchen e.V.).

Weitere Arbeitsplätze sind noch frei. Einen großen Raum im Erdgeschoss vermieten wir als Seminarraum. So werden die laufenden Kosten durch die derzeitigen Mieteinnahmen gedeckt. Für die inhaltliche Weiterentwicklung des Hauses und Investitionen sind aber zusätzliche Mittel von Nöten.

Was bedeuten diese Entwicklungen für das ursprünglich angedachte Konzept? In welche Richtung soll es weiter gehen? Welche personelle Unterstützung kann es für das derzeitige ehrenamtliche Team geben? Möchten wir mit den Mietenden auch inhaltlich zusammenarbeiten oder sie begleiten, dann braucht es weitere personelle Kapazitäten. Können wir uns dafür gar Stellenanteile leisten?

Foto: Cornelia Büdel

Diesen und ähnlichen Fragen ging der Gemeindevormittag am 17. Oktober nach, für den das Kirchencafé kurzerhand in den Steilen Berg verlegt wurde. Das Kirchencafé-Team hatte Kaffee, Kekse und leckere Suppen vorbereitet und dabei hatte die Gemeinde Gelegenheit, die Räume zu besichtigen, an Stationen ins Gespräch zu kommen und Ideen für die nächste Zeit und nach der Pandemie zu entwickeln.

Wir sind sehr dankbar für die vielen Rückmeldungen, ob kritische Rückfrage, Entwicklungsidee oder Bestärkung. Wir haben auch gelernt, an welcher Stelle wir noch mehr Arbeit investieren müssen: Die Schnittmengen zwischen Gemeinde und Gründer:innenHaus zu stärken und auch noch deutlicher zu erklären. Wir freuen uns auf die weitere Entwicklung des Hauses und laden herzlich zum Weitersagen, Einmieten, Mitdenken oder -arbeiten ein.

Im Namen des Gründer:innenHaus-Teams
Jakob Haferland

Unterstützung für das Gründer:innenHaus

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich in diesem Arbeitsgebiet in unserer Gemeinde zu engagieren, dann gibt es dazu vielfältige Möglichkeiten, denn gesucht werden:

  • Mitdenker:innen, die im Team die Idee des Hauses weiterentwickeln und die Zielvorstellungen schärfen wollen
  • Vernetzer:innen, die Kontakte zu Initiativen mit ähnlichen Zielen oder ähnlichen Zielgruppen knüpfen und pflegen
  • Mitmacher:innen, die im Haus Veranstaltungen anbieten
  • Unterstützer:innen, die bei der Akquise von Fördermitteln oder ganz praktischen Dingen wie Hausbesichtigungen oder Schlüsselübergaben helfen
  • Spender:innen, die die Arbeit finanziell unterstützen

Für Fragen und Rückmeldungen steht die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Cornelia Büdel und Jakob Haferland als Koordinator zur Verfügung.

Arbeitseinsatz am 27.11.

Foto: Anke Brandt

Frische Luft, Eintopf, Schokoladenpudding mit Vanillesoße!

Gibt es alles am Samstag, den 27.11.2021 im Kirchhof und Gemeindesaal auf dem Bartholomäusberg für alle, die beim Laubfegen, Aussägen, Aufräumen, Klönen mitmachen mögen.

Einlass ab 9.00 Uhr, möglichst mit Arbeitshandschuhen.

Mark Udo Born

Gemeindevormittag im Steilen Berg

Am 17.10. laden wir euch im Anschluss an den Gottesdienst zum Gemeindevormittag in unser Gründer:innenHaus am Steilen Berg 4 ein. Genießt das Kirchencafé an diesem besonderen Ort! Entdeckt, was ist in den letzten Jahren aus dem ehemaligen Bartho-Kindergarten geworden ist und noch werden soll! Erfahrt alles zum Projekt und wagt mit uns einen Blick in die Zukunft. Lasst euch im Anschluss zu einem Mittags-Süppchen einladen!

Es freut sich auf euch,
das Gründer:innenHaus-Team

20 Jahre „WoLeBa“

Das alte Pfarrhaus der Bartholomäusgemeinde in der Seebener Straße 192 hat sich in den letzten 20 Jahren vom Sorgenkind zum Erfolgskonzept entwickelt. Bei der ersten Besichtigung 1998 präsentierte sich das alte Backsteinhaus als eine Mischung aus DDR-typischer Verwahrlosung und verwunschener Idylle im Dornröschenschlaf. Auf den ersten Blick ein Paradies, auf den zweiten ein Alptraum. Die solide Bausubstanz bot eine hoffnungsvolle Grundlage, aber was aus dem 19. Jahrhundert durch zwei Weltkriege und die DDR-Mangelwirtschaft gerettet wurde, war nach den Maßstäben nach der Wende kaum nutzbar. Der Gemeindekirchenrat bemühte sich um eine Dachdeckung, installierte teilweise eine Zentralheizung, erkannte aber bald, dass weitere Maßnahmen mit den 200 m² Wohnfläche wirtschaftlich nicht umsetzbar waren. Außerdem gab es an den anderen vier Gebäuden einen ähnlichen Sanierungsbedarf.

Parallel war eine Gruppe junger Familien auf der Suche nach einem gemeinsamen Wohnprojekt. Die damals geplante Wohngenossenschaft WOGENO in Heide Süd kam nicht zum Entstehen. Aber es gab eine Menge guter Erfahrungen, die in ein Wohnprojekt der Gemeinde mit einfließen konnten. Es wurden die alten Ideen des Sozialreformers und Begründer des Genossenschaftsgedankens Victor Aimé Huber aufgegriffen. Menschen übernehmen gemeinsam Verantwortung für ihren Wohnraum und ihr Wohnumfeld als soziales Gut. Wohnraum wird nutzungsorientiert verwaltet und jeglichen Spekulationsbestrebungen entzogen. Alle Kosten einschließlich einer Rücklage werden gemeinsam verantwortet und getragen.

Angesichts der heutigen Diskussion um bezahlbaren Wohnraum für Familien und Mietpreisbremsen ging die Gemeinde damals mit diesem Modell einen innovativen Weg. Sie bietet Familien Raum zum Leben und bezieht sie gleichzeitig in die Verantwortung für diesen Wohnraum mit ein. Das heute aktuelle shared economy (Teilen gemeinsamer Ressouscen) ist hier schon vor Jahren mit einer gemeinsam genutzten Regenwasseranlage für die Waschmaschinennutzung, einer Werkstatt, Gewächshäusern und einem Gästezimmer bereits umgesetzt.

Um ein gutes Miteinander zwischen GKR und den Bewohnern langfristig abzusichern, gründeten die Bewohner den Verein „WOLEBA e.V. – Wohnen und Leben in Bartholomäus“ und schlossen mit der Gemeinde eine Nutzungsvereinbarung, die die Bewirtschaftung und Pflege von Haus und Grundstück regelt. Der Verein übernahm alle Verpflichtungen eines Vermieters und entlastete so den GKR von den Unterhaltungsaufgaben für das neue alte Pfarrhaus. Wir sind dankbar, dass in 20 Jahren WOLEBA sichtbar wurde, dass solch ein innovatives, soziales und christliches Projekt nicht nur eine Idee ist, sondern in dieser Form solide arbeiten und auch finanziell wirtschaftlich sein kann.

Geduld, Schweiß und Leidenschaft

Ein langer Prozess im Pilgerschritt – zwei vor und einen zurück – begann. Das Architekturbüro Däschler, das damalige Landeskirchenamt in Magdeburg, die Gemeindeleitung und die Gemeinschaft von sechs Mietparteien entwickelten innerhalb eines Jahres eine Bauplanung und ein Finanzierungskonzept, das aus einem Mix von Bank-, Bewohner- und Gemeindedarlehen bestand.

Dann folgte ein Jahr der Bauvorbereitung. Leider wurde der geplante Anbau aus denkmalrechtlichen Gründen nicht genehmigt, sodass am Ende vier Familien übrigblieben. Sie haben dann in ca. 2000 Eigenleistungsstunden das Haus komplett entkernt. Jeden Samstag war „Seebi-Einsatz“. Türen, Fenster, Öfen, Kabel, Rohre und Unmengen an Erde und Steinen wurden entfernt. Am Schluss musste das Dach abgedeckt werden und dann konnten im Februar 2001 die Bauarbeiten beginnen. Aus den ehemals 200 m² Wohnfläche entstanden nun knapp 500 m². Im Oktober 2001 zogen vier Familien mit 8 Erwachsenen und 15 Kindern ein.

Nachdem das Gebäude innen neu wurde, gab es in der Folge noch viel im Gelände zu tun. Die Bewohner behielten die Praxis der „Seebi-Einsätze“ bei und plante monatlich einen Einsatz zur Pflege und zum Erhalt des 4000 m² großen Grundstücks. So wurden große Teile der Umfassungsmauer instandgesetzt, Gartenflächen urbar gemacht, der Baumbestand gepflegt und viele handwerkliche Arbeiten zur Unterhaltung von Haus und Gelände getätigt.

Gastfreundschaft und Weltoffenheit

Haus und Gelände waren aber nicht nur Selbstzweck. Es sollte ein offenes, gastfreundliches Haus sein, das auch anderen Menschen und Zwecken dient. So entstand die Sammelstelle von „Weihnachten im Schuhkarton“, von der aus seit 2002 ca. 28.000 Päckchen an bedürftige Kinder in der Welt gingen. Hier wurzelt der Verein Navacopah e.V. und hat schon ein festes Band zwischen Gemeinde und dem Projekt auf den Philippinen geknüpft. Ein geräumiges Gästezimmer steht Freunden, Verwandten und Durchreisenden zur Verfügung. Im Laufe der Jahre fanden auch 16 ausländische Jugendliche und Studenten für bis zu einem Jahr eine Heimat und 44 Pflegekinder begleiteten den Alltag für kurze und auch lange Zeit.

Im Jahr 2021 besteht dieses Modell nun schon 20 Jahre und man kann es als Erfolgskonzept bezeichnen. Es ist eine Gewinnsituation für alle Beteiligten. Der GKR hat eine Bausorge weniger, die Familien fanden schönen Wohnraum, für den sie Verantwortung übernehmen. Die Gemeinde gewann engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Familien fanden in einer lebendigen Gemeinde Heimat, in die sie sich mit ihren Gaben einbringen können. Egal ob im GKR, im Chor oder beim Kirchencafé, Geburtstagsbriefe verteilen, Gottesdienste gestalten, in der Koordination der Kinder- oder Jugendarbeit oder dem Kirchendienst – überall findet man Leute aus der Seebi und manchen Sonntag auch mal Blumen von dort in der Kirche oder auf Kirchhoftischen. „Soli Deo Gloria“ (Gott allein die Ehre) steht in den Balken eingraviert über dem Hauseingang und in diesem Sinne wohnen und leben die Menschen hier und in der Gemeinde.

Gottfried Muntschick (Vorsitzender WOLEBA e.V.)

Herzliche Einladung zum Hoffest: Am Samstag, den 11.09. ab 14 Uhr. Mehr Details gibt es im Einladungs-Flyer.

Verantwortliche Mitarbeitende für Nacht der Kirchen

Bisher sieht es so aus, als würde in diesem Jahr die Nacht der Kirchen am 21. August ohne die Bartholomäusgemeinde stattfinden. Gesucht werden deshalb dringend Mitarbeitende, die die Organisation für offene Kirche, Café oder andere Aktionen selbst in die Hand nehmen.

Wer sich das vorstellen kann, melde sich bitte bis zum 29.6. bei Pfarrer Döbbeling, tel. 0163-890 96 78 oder per Mail: doebbeling@bartho.org