Annette Döbbeling wuchs als Jüngste von sechs Geschwistern in einem kleinen Dorf in Niedersachsen auf. Nach dem Schulabschluss wurde sie zunächst Erzieherin und absolvierte danach eine Ausbildung zur Heilpädagogin. Nach der Heirat mit Ralf vor mittlerweile 27 Jahren widmete sich Annette als „Familienfrau“ der stetig wachsenden Familie. Inzwischen sind die vier Kinder erwachsen. Umzüge gehörten für Annette dazu – Station machte sie in Hamburg, Bremen und Göttingen und lebte dann 16 Jahre in Berlin. Nun ist seit Sommer 2013 unsere Gemeinde ihr neues Zuhause. Im vergangenen Herbst wurde Annette als Koordinatorin der Säule „Begegnung und Gastfreundschaft“ eingesegnet.
Ist es dir schwer gefallen, aus Berlin wegzugehen und die Entscheidung für Halle als neuen Wirkungsort mit zu tragen?
Nein, es war nur sehr schwierig für mich, dass wir ein Schulkind zurück lassen mussten. Ralf war nach 16 Jahren mit seiner Arbeit bei der Stadtmission nicht mehr ausgefüllt. Das wirkt sich auch familiär aus. Es musste also etwas passieren – und unsere Gebete wurden erhört. Wir erhielten viel Unterstützung, es wurden uns Wege geebnet und nach dem ersten Kennenlernen der Gemeinde freute ich mich auf einen Neuanfang. Für mich bot sich die Chance, wieder in meinen alten Beruf als Heilpädagogin zurückzukehren, und es gab tatsächlich eine Stelle für mich. Ich bin immer offen und interessiert – ich fand es schön, in eine Stadt zu gehen, die überschaubar ist. Alles ist mit dem Fahrrad erreichbar, kulturell wird eine Menge geboten. Für mich war und ist es spannend, eine neue Stadt und deren Umgebung kennenzulernen. Halle hat sehr, sehr viele nette Menschen und ich finde es wunderbar, dass man den Menschen, die man kennt, auch in der Stadt über den Weg läuft.
Du bist seit Ende letzten Jahres die Koordinatorin der Säule „Begegnung und Gastfreundschaft“. Was ist deine Vision in diesem wichtigen Bereich unserer Gemeinde?
„Neue“ oder eben Gäste liegen mir sehr am Herzen, gemeinsam mit allen Beteiligten dieses Bereiches will ich deshalb ins Gespräch kommen, um herauszufinden, was für jeden Einzelnen aber auch für uns als Gemeinde wichtig, denkbar und auch realisierbar ist. So gibt es beispielsweise besonders bei älteren Menschen einen großen Bedarf, besucht zu werden. Es gibt in der Gemeinde einen informellen Besuchsdienst, keinen festen Kreis. Ich könnte mir gut vorstellen, den Besuchenden einen Ansprechpartner an die Seite zu stellen, der für ihre Probleme und bei Ratlosigkeit ein offenes Ohr hat. Im Hinblick auf „Neue“ ist z.B. der Übergang vom Gottesdienst zum Kirchencafé eine wichtige Schaltstelle für mich, hier sind Menschen mit Aufmerksamkeit, Offenheit und Fingerspitzengefühl gefragt, die sich gezielt um Gäste oder Unbekannte kümmern.
Was motiviert dich, der Gemeinde deine Zeit und Kraft im Rahmen eines Ehrenamtes zu widmen?
Es ist mir ein großes Anliegen, Glauben weiterzugeben und die Säule, deren Koordinierung ich übernommen habe, bietet alle Gelegenheit dazu. Ich habe auch in Berlin ehrenamtlich gearbeitet, als Mitarbeiterin im „Kältebus“, einem Projekt der Berliner Stadtmission, das Obdachlosen Hilfe anbietet. In der Bartholomäusgemeinde wollte ich mich einbringen, ohne beruflich zu viele Berührungspunkte mit meinem Mann Ralf zu haben – deshalb das Ehrenamt. Meine Kraftquelle sind dabei das tägliche Gebet und die vielen Begegnungen und Gespräche.
Was ist für dich an der Bartholomäusgemeinde besonders?
Ich genieße die Altersgemischtheit – von ganz klein bis ganz alt haben alle ihren Platz in der Gemeinde, es gibt viele altersspezifische Angebote. Erstaunt bin ich immer wieder über den Stellenwert der Jugendarbeit und vor allem darüber, wie die Jugendlichen es schaffen, trotz der „naturgemäßen“ häufigen Wechsel der Verantwortlichen, die Arbeit weiterzuführen.
Was wünschst du dir für unsere Gemeinde?
Ich wünsche der Gemeinde, dass sie offen ist, dass uns Ideen kommen, wie wir die Schwelle niedriger machen können, sodass auch kirchenferne Menschen den Mut haben, in eine Kirche zu gehen und dass Gemeindeglieder da sind, die sich dieser Menschen annehmen, dass Suchende den „richtigen“ Ansprechpartner finden und dass wir immer wieder Ideen haben, wie wir Menschen vom Wort Gottes begeistern können.
Ich wünsche mir, dass wir als Gemeinde von außen nicht als exotisch und exklusiv eingeschätzt werden, sondern auf andere aufgeschlossen und zugänglich wirken – eine Aufgabe meiner Säule!
Vielen Dank für das Gespräch.