„Und als sie gebetet hatten,
erbebte die Stätte, wo sie
versammelt waren und sie
wurden alle vom heiligen Geist
erfüllt und redeten das Wort
Gottes mit Freimut.“ (Apg. 4,31)
Die Gemeinde kam kurz nach ihrer Geburtsstunde in Jerusalem in eine ernste Situation. Die politischen und religiösen Führer der Stadt drohten den Leitern der Gemeinde: „Dass sie von jetzt an zu niemanden mehr in dem Namen Jesu reden sollten.“ Die Zahl der Menschen, die sich zur Gemeinde hielten, war sehr angewachsen. Jesus wurde in aller Öffentlichkeit begeistert gefeiert. Menschen traten auf, die im Namen Jesu Heilung erlebt hatten. Zur Rede gestellt, bezeugten Petrus und Johannes vor dem versammelten Rat der Stadt: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat, geschieht dies alles. In keinem anderen Namen ist sonst unter dem Himmel entscheidende Hilfe zu finden.“ Dieser Freimut der einfachen Leute beeindruckte die Verantwortungsträger der Stadt.
Andererseits hielten sie diese freudige Überzeugung für einen gefährlichen Wahn und sprachen Drohungen aus, falls in Zukunft irgendjemand über diesen Jesus ein Wort verliert. Ein schwerer Druck baute sich für die Gemeinde auf. Es wäre nahe liegend, wenn bei einer Gemeindeversammlung der Beschluss gefasst worden wäre: „Lasst uns, bis sich die Gemüter beruhigt haben, den Namen Jesus nicht mehr in der Öffentlichkeit aussprechen. Wir haben Versammlungsräume und Hauskreise, wo wir in Zimmerlautstärke den Namen unseres Herrn nennen und sogar besingen können. Wir haben doch mit dem Wachstum der Gemeinde schon viel erreicht. Lasst uns den Fortbestand der Gemeinde nicht aufs Spiel setzen.
Bringen wir uns lieber in die Diskussionen ein, wie wir soziale Gerechtigkeit herstellen und ermahnen alle immer neu, Gutes zu tun. Da ecken wir nirgends an.“ Eine solche Gemeindversammlung fand tatsächlich statt, aber deren Beschluss mündete ganz im Gegenteil in folgendem Gebet: „Herr, sieh an ihre Drohung und gib deinen Dienern, mit allem Freimut zu reden dein Wort. Strecke deine Hand aus, dass Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Dieners Jesus.“ Die Folge auf diesen mutigen Schritt hin war, dass die Freude des Geistes Gottes die Gemeinde erfüllte und der Freimut der Verkündigung anhielt.
Auch heute ist die Kirche in einer ernsten, ja bedrohlichen Situation. Doch nicht die Meinung führenden Medien stellen die Bedrohung dar. Es sind die eigenen Fehler im Umgang mit schuldig gewordenen Funktionsträgern der Kirche, die unser Zeugnis in der Öffentlichkeit unglaubwürdig machen. Die kleine Akzentverschiebung, die in der oben skizzierten Meinungsbildung so verständlich erschien, legte den Schwerpunkt auf das Anliegen: „Lasst uns die Kirche erhalten!“ Diese Einstellung führt nur zu überforderten, ausgebrannten Funktionsträgern, auf deren Versagen sich die öffentliche Meinung stürzt. Nicht tadellose Eliten oder wendige Kirchenpolitiker sichern den Bestand der Gemeinde.
Es geht vielmehr darum: „Lasst uns die Kirche mit ihren geschützten Räumen und ihrer eigenen Politik der Vertuschung aufgeben und mutig für das Evangelium eintreten. Schuld und Versagen muss benannt werden und hat Folgen. Gott baut im Namen Jesu Kirche mit zerbrochenen, unvollkommenen Menschen. Gottes Geist wirkt zur Vergebung und Entlastung und schenkt gern und sofort Freude und Freimut. Wir haben die Wirksamkeit des Geistes Gottes erfahren und können zurückkehren zur positiven Motivation der Gemeinde: „Wir können es ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“
Ihr Pfr. R. Katzmann