Darum werden wir nicht müde,
sondern wenn auch unser äußerer
Mensch verfällt, so wird doch der
innere von Tag zu Tag erneuert.
Denn unsere Trübsal, die zeitlich
und leicht ist, schafft eine ewige
und über alle Maßen gewichtige
Herrlichkeit. (2.Kor 4,16-17)
Wenn im Hamburger Hafen ein Schiff für die Überfahrt über die großen Meere ausgerüstet wird, dann werden zuerst die schwersten Lasten tief in den Laderaum gehievt. Dann kommt vielleicht eine Landratte daher und sagt: „Macht das Schiff nicht so schwer, das geht sonst unter.“ Aber der Kapitän entgegnet: “Im Gegenteil, wenn das Schiff leicht ist, liegt es wie eine Nussschale auf der Wasseroberfläche und wird beim ersten Sturm kentern. Aber wenn es schwer ist, liegt es tief im Wasser und kann durch die schlimmsten Stürme ruhig und unerschüttert hindurchpflügen.“
Woher kommt also die Stabilität des Schiffes? Vom Tiefgang. Woher kommt der Tiefgang? Von Lasten. Das ist in unserem Leben ähnlich. Wenn Gott unserem Leben Tiefgang geben will, lässt er Lasten zu oder darf man sagen, wählt er Lasten aus, die zuträglich und für uns passend sind. Allerdings geht er da nicht von unseren Maßstäben aus.
Sehr oft haben wir den Eindruck: Das ist zu viel! Vor allem, wenn wir mitten drin sind und unter Lasten leben müssen. Wenn eine Last einmal weggenommen ist und wir zurückschauen, fällt es uns leichter, dem Wort des Paulus zuzustimmen, das unsere Bedrängnis zeitlich und leicht ist.
Aus dem Blickwinkel der Ewigkeit gilt das für alle Lasten. In einer Predigt las ich: „Als ich ein kleines Kind war, hat meine Mutter einmal zu mir gesagt: Ich muss einkaufen gehen, ich bin in einer halben Stunde wieder da. Was wusste ich, was eine halbe Stunde ist? Gar nicht, ich hatte nur Angst. Aber Mutter zeigte auf die Küchenuhr, da war der große Zeiger gerade ganz unten. So sagte sie: Wenn der Zeiger ganz oben ist, bin ich wieder da. Mutter ging und ich saß unter der Küchenuhr und starrte auf den großen Zeiger. Ahnen sie, wie lange es dauerte bis der Zeiger auch nur um einen Strich weiterging! Und dann kamen noch 29 Striche. In meinem ganzen Leben ist eine halbe Stunde nicht wieder so lang gewesen.
Und nun meine Mutter, die einkaufen ging, wie muss sie gebangt haben: Hoffentlich sind nicht so viele Kunden vor mir, hoffentlich komme ich schnell voran und es verwickelt mich niemand in ein Gespräch. Mein Sohn wartet! Wie kurz war für meine Mutter diese halbe Stunde. Derselbe Zeitabschnitt für den einen gähnend lang, für den anderen viel zu kurz.
Es kommt nur auf den Blickpunkt an.“ So werden wir in der Ewigkeit feststellen, wie kurz die Zeiten waren, in denen Gott Lasten in mein Leben gelegt hat.
Aber wie schafft denn unsere Bedrängnis unter Lasten irgendeine Herrlichkeit? Ist es nicht so, dass die Lasten, die Menschen tragen müssen, gegen Gott sprechen? Wieso ist das ein barmherziger Gott, der Menschen solche Lasten zumutet? Hier hilft uns das Bild vom Tiefgang wieder. Die Lasten werden von oben in die Laderäume gehievt. Können wir unsere Lasten auch von oben her kommend aus seiner Hand ansehen und mit Gott in Verbindung bringen?
Ich weiß, dies ist nicht einfach und aus eigenem Vermögen unmöglich, besonders wenn menschliche Willkür und Schuld Ursache für solche Lasten sind. Trotzdem, wenn es geschenkt wird, dass wir unter Lasten an Gott festhalten, erfahren wir, dass er uns trägt mitsamt unseren Lasten und nicht selten zur rechten Zeit Entlastung schenkt. Dies bringt uns dem Ziel der „ewigen Herrlichkeit“ näher. Die Aufgabe besteht nun darin, zu entscheiden, was sind Lasten, die ich aus Gottes Hand annehme und gegen welche Lasten muss ich mich zur Wehr setzen. Hier ist Weisheit gefragt, die Gott im Gespräch mit ihm und ihm Gebet zu ihm schenkt. Das ist die tägliche Erneuerung des inneren Menschen. Für die Urlaubszeit wünsche ich Ihnen solche Erneuerung und Entlastung.
Ihr Pfr. R. Katzmann