Auf dem Weg zum Osterfest

Vom 25. Februar bis 7. April wird jeden Sonntag eine Station auf dem Passionsweg Jesu vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung und Begegnung mit dem Auferstandenen in der Kirche im Altarraum zu sehen sein. Wir möchten die Gemeinde einladen, mit uns dem Geheimnis von Ostern näherzukommen und Glaubensstärkung zu erfahren.

Renate Grötzsch und Heidrun vom Orde

Alles neu

Foto: Ralf Döbbeling

Ein neues Jahr. Wir schreiben das Jahr 2024. Schon zuvor begann mit dem Advent das neue Kirchenjahr. Darüber hinaus können wir noch viele weitere Anfänge aufzählen: Frühlingsanfang, 1. Geltungsmonat der Tariferhöhung, Einschulung, Beginn der Spargelzeit. Alle diese Zeitpunkte definieren den Anfang von etwas Neuem.

Ich erinnere mich noch, als ich als Kind einen Eichensprössling in den Hühnerhof setzte. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Der Baum hat viele Jahreszeiten erlebt. Wenn ich heute unter seiner Krone hindurchgehe, erinnert mich nichts mehr an den Anfang. Die Eiche hat über die Jahre ihren Charakter bewahrt und ist gewachsen. Viele Wechsel sind über den Baum hinweggegangen.

So ist es mit der Zeit: Sie vergeht und gleichzeitig nehmen wir Veränderungen an uns und anderen, an der Umwelt und der ganzen Welt wahr. Wir können die Zeit zu unserer eigenen Orientierung mit Kalendern und Uhren berechnen, aber den Veränderungen können wir uns damit nicht widersetzen.

Mit einem neuen Jahr beginnt keine neue Zeit, so wie sie mit dem Ende des alten nicht stillsteht. Dem Baum wächst ein neuer Jahresring und unser Leben füllt sich mit Erfahrungen. Die Zeit tritt nur in ein neues Kapitel, sie ändert nicht ihren Charakter. Wenn ein Mensch sich zuvor freute, wird er sich weiter freuen; wenn er traurig war, hat er weiterhin Kummer. Vieles währt von einem Jahr zum anderen. Es gibt sogar Studien der Psychologie und der Ökonomie, dass letztlich die Zukunft durch die Schulden der Vergangenheit vorgezeichnet ist. Wir können uns zu Silvester einen schönen Abend machen, uns aber mit keiner krachenden Silvesterparty von vorher befreien.

Nun denkt man am Anfang eines Jahres zum Glück positiv und nimmt sich vor, zumindest bestimmte Dinge anders zu machen. Gelassener oder aktiver zu sein. Im letzten Jahr wurde im Hort renoviert. Bevor die sanitären Anlagen für die Schülerinnen und Schüler erneuert werden konnten, musste die alten erst einmal raus. So standen eines Feierabends diese Kloschüsseln im Hof. Damit Neues beginnen kann, muss Altes weichen. Dafür haben die Arbeiter abgerissen, zertrümmert und viel Schutt herausgetragen und entsorgt.

Wie bekommen wir die Furcht vor dem Neuen aus dem Herzen gerissen? Vor der neuen Zeit ist uns manchmal bange und wir ziehen uns zurück aus Furcht, etwas falsch zu entscheiden oder falsch zu machen. Es geht nicht darum, Neues nur um des Neuen willen zu machen, bewährte Klassiker müssen erhalten bleiben. Aber ich denke, Sie wissen, was schon längst in ihrem Kopf ist und jetzt beherzigt und in die Hand genommen werden will. Brechen Sie mit altem Denken und brechen Sie auf, Neues zu tun.

Ralf Döbbeling

„Eine Lösung für eine gesellschaftliche Frage“

Foto: ©Gabi Nobre – Portrait

Seit 2019 lebt und arbeitet Jasmin Brückner in Halle. Bis zum Sommer letzten Jahres war sie bei der Freiwilligenagentur beschäftigt. Seit sieben Monaten hat sie nun einen Arbeitsplatz im Steilen Berg 4 gemietet. Dort traf Ralf Döbbeling sie zum Gespräch.

Du hast zunächst soziale Arbeit in Ludwigsburg und zusätzlich berufsbegleitend biografisches und kreatives Schreiben in Berlin studiert und gerade die Masterarbeit abgegeben. Wie bist du dazu gekommen?

Eigentlich durch Zufall habe ich den Weg auf die Kleinkunstbühne bei Poetry-Slams gefunden. Lieber jedoch mag ich Spoken Word (Kunstform, bei der Poesie für den Live-Vortrag entsteht, Anm. d. Red.), weil es sinnhafter und nicht so wettbewerbsorientiert ist. Ich möchte gerne beruflich den sozialen Kontext meiner bisherigen Arbeit stärker mit dem Schreiben verbinden.

Das hast du aber auch bisher schon gemacht, oder?

Ich habe schon vorher Texte verfasst und zwei Bücher veröffentlicht, doch gerade arbeite ich oft an einem poetischen Austausch mit einer befreundeten Fotografin, die auch hier im Steilen Berg arbeitet. Performt habe ich unter anderem schon für die Friedensdekade im Berliner Dom.

Ist das auch dein Ziel für die Zukunft?

Ich möchte weiterhin gerne drei Standbeine haben. Als Spoken-Word-Künstlerin auftreten, Schreibwerkstätten anbieten, wie ich es jetzt auch schon für Lebenserprobte im Literaturhaus in Halle mache, und außerdem Auftragstexte für Organisationen übernehmen. Also nicht klassische Werbetexte, sondern eher in diakonischen oder sozialen Kontexten.

Was reizt dich daran?

Es ist flexibel und vielfältig, von den Orten und den Personen. Ich kann es also wie nächsten Monat auch in Spanien ausüben. Und Worte, Sprache, Texte haben mich immer begleitet. Ich brauche Orte, wo was los ist, um es dann in Worte zu kleiden.

Welche Rolle spielt für dich dabei der Steile Berg? Du hast dich ja nicht ganz spontan dafür entschieden.

Der Steile Berg ist einfach ein cooler Ort. Ich bin nicht von besonderen Orten abhängig. Kann in Dorf oder Stadt leben und arbeiten. Aber hier gibt es eine gegenseitige Inspiration untereinander. Wir begegnen uns und lernen voneinander. Durch die verschiedenen Formate von Jan Micha – Steile Thesen, Gipfeltreffen oder Abendessen – kommen Menschen zusammen und tauschen sich aus. Ich sehe in einem solchen Raum große Chancen.

Würdest du sagen, dass du in der Gemeinschaft, also der inspirierenden Begegnung von Menschen, auch eine Kernkompetenz von Kirche erkennst?

(zögert): Ich finde das Haus gar nicht so christlich. Es gibt auf jeden Fall keine unausgesprochenen Erwartungen, sich an etwas explizit Christlichem zu beteiligen. Aber es passiert, dass die Menschen hier über die berufliche Perspektive hinaus, für die wir ja hier sind, viel voneinander profitieren. Und das ganz ungezwungen. Das ist schon cool.

Tragen dazu auch das Haus und das Grundstück selbst bei?

Das Haus strahlt eine große Ruhe aus. Ich könnte auch in einem Coworking-Space arbeiten und habe das auch schon, z.B. in Berlin, gemacht, wo man keinen festen Schreibtisch hat. Aber das Haus hier empfinde ich persönlich als warm. Das ist aber untypisch und in Kirchen nach meiner Erfahrung eher selten zu finden, dass sie einen offenen und experimentellen Raum bieten. Damit versucht der Steile Berg ein Angebot zu machen, eine Lösung für eine gesellschaftliche Frage zu schaffen.

Ich habe den Eindruck, dass du den Steilen Berg auch anderen weiterempfehlen würdest.

Zum Hoffest mit Basar und Musik habe ich schon eine Freundin mitgebracht und das Haus gezeigt, so wie ich selbst das Haus auf Empfehlung kennengelernt habe.

Ich danke dir für das Gespräch und deine Offenheit.

Gott hält Größeres bereit

Bartholomäus und Petrus sind durch die gemeinsame Pfarrstelle ab Mitte 2025 von außen mehr oder weniger gedrängt, Neues zu wagen und neue Wege zu beschreiten. Vieles ist noch ungeklärt, alles ist mit Unsicherheiten und auch der Gefahr des Scheiterns verbunden. Bei all den offenen Fragen und Zukunftssorgen macht mir die Geschichte von Rut (Rut 1-4) Mut.

Auch Rut wurde durch äußere Begebenheiten, die sie nicht beeinflussen konnte, zur Veränderung und neuen Wegen gezwungen. Drei Frauen, Noomi aus Bethlehem und ihre Schwiegertöchter Rut und Orpa standen nach dem Tod ihrer Männer alleine da und mussten weise Entscheidungen für die Zukunft treffen (Rut 1,3-5). Noomi entschied, zu ihrem Volk zurück zu gehen. Sie war alt und würde bei ihren Volk zumindest spärliche Versorgung finden. Aber was würde die jungen Frauen Rut und Orpa als fremde Moabiterinnen in Israel erwarten? Wäre es da nicht besser, sie gingen zurück in ihr Elternhaus? Orpa entschied sich für diesen Weg. Aber Ruth wollte bei Noomi bleiben und wählte im Vertrauen auf den Gott, den sie durch Noomi und ihren Mann kennengelernt hatte, einen anderen, ungewöhnlichen Weg ins große Ungewisse mit eher schlechten Zukunftsaussichten (Rut 1, 6-18).

Wir wissen, wie die Geschichte ausgeht und dass Gott Größeres bereithielt. Dieser Mut und dieses Vertrauen von Rut berührt mich. Ich wünsche uns Mut, aktiv die Zukunft unserer Gemeinden zu gestalten mit der Hoffnung und der Zuversicht, dass wir dabei wie Rut auf Gott vertrauen und um Seinen Segen bitten dürfen.

Sigrid Roggendorf

Zusammen über uns hinauswachsen

Wahrscheinlich hat es sich schon herumgesprochen: Im Prozess zur Zukunft unserer beiden Gemeinden war bei der Entscheidung über die Rechtsform im Januar leider keine Übereinkunft möglich. Im GKR in Petrus fand sich keine Mehrheit für eine Transformation in eine gemeinsame neue Gemeinde, der Bartholomäus-GKR kann sich einen Gemeindeverbund nicht vorstellen (Einzelheiten siehe unten). Dennoch werden sich die beiden Gemeinden ab Mitte 2025 eine Pfarrstelle teilen. Wir sind weiter im Gespräch und wollen auch gemeinsame Projekte in und für die Region in den Blick nehmen. Das gegenseitige Vertrauen aus dem bisherigen Prozess soll diese Zukunft möglich machen, auch wenn die jetzt zunächst anders aussieht als ursprünglich gedacht.

Die GKRs der Gemeinden Petrus und Bartholomäus haben in den vergangenen Monaten intensiv über unsere gemeinsame Zukunft beraten. Innerhalb des Petrus-GKR wurden gute Argumente sowohl für die Gründung einer neuen Gemeinde als auch für die Bildung eines Kirchengemeindeverbands (KGV) diskutiert. Diese Argumente wurden letztlich von den Mitgliedern des Petrus-GKR verschieden stark gewichtet. Es fand sich eine Mehrheit für den KGV, aber nicht für die Gründung einer neuen Gemeinde. Petrus möchte in vielen Bereichen mit Bartholomäus zusammenarbeiten.

Der Bartholomäus-GKR war sich hingegen einig, dass als Rechtsform für die gemeinsame Zukunft nur die Gründung einer neuen Gemeinde in Frage kommt. Das Ergebnis ist nun, dass die Gemeinden Bartholomäus und Petrus derzeit getrennte Gemeinden bleiben, die auch keinen Gemeindeverband miteinander bilden werden.

Unser aller Ziel im Transformationsprozess war es, gemeinsam das Beste zum Wohle unserer beiden Gemeinden und der Menschen in der Region zu erzielen. Dieses Ziel bleibt trotzdem erhalten! Wir sind zuversichtlich, dass unsere beiden Gemeinden in freundschaftlicher Zusammenarbeit füreinander und für die Menschen in unserer Region da sein können. Daher bleiben wir kontinuierlich miteinander im Gespräch. In der gemeinsamen Klausur Ende Januar haben wir in guter Atmosphäre erste Ideen dafür entwickelt.

Julian Gräb (Petrus)

Gemeinsam gestärkt weitermachen – so die Überschrift in der letzten Ausgabe. Wir wollten auf das Ziel hinarbeiten, gemeinsam in Verschiedenheit für die Menschen vor Ort da zu sein. Deshalb haben wir dafür geworben, die beiden Gemeinden in eine neue Gemeinde zu transformieren, und wollten mehr, als nur das „Pfarrstellenproblem“ zu lösen. Wir respektieren, dass sich im Petrus-GKR letztlich keine Mehrheit dafür gefunden hat. Aber wir sind auch enttäuscht und fragen uns: Wollten wir zu viel?

Die gemeinsame Gemeinde wird es nun in absehbarer Zeit nicht geben. Als Bartholomäus-GKR sind wir überzeugt, ein Gemeindeverbund kann nicht als kleine Lösung für die größere Idee stehen und würde unsere Gemeindearbeit wohl eher lähmen. Denn in einem Verbund würde für alle weiterhin die eigene Gemeinde und nicht das Gemeinsame im Mittelpunkt stehen. Deshalb stehen wir für dieses Modell nicht zur Verfügung.

Und trotzdem: In der gemeinsamen Klausur haben sich wieder viele Schnittmengen zwischen unseren Gemeinden gezeigt. Wir wollen künftig die eigene Gemeinde im Blick behalten und gleichzeitig nach Gelegenheiten suchen, um mit Petrus zusammen in der Region zu wirken, besonders dort, wo Menschen noch nicht zu unseren Gemeinden gehören. Möge Gott beide Gemeinden in ihrer Verschiedenheit segnen.

Cornelia Büdel (Bartholomäus)

Gemeinsam Gemeinde bedenken

Auf der Klausur von GKR und Koordinator:innen war wieder Zeit, die einzelnen Bereiche der Gemeinde genauer in den Blick zu nehmen. Neben dem Austausch darüber, was im letzten Jahr gut gelungen ist, gab es auch Gelegenheit, sich gegenseitig zu Fragen und Schwierigkeiten in den eignen Bereichen zu beraten und von den Erfahrungen der anderen zu profitieren. Dieses Format hat sich seit vielen Jahren bewährt. Dieses Mal konnten wir beispielsweise erste Ideen sammeln, wie wir übergreifende Fragen bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden und eine bessere Ansprache und Integration von Menschen angehen wollen, die erst kurz in unserer Gemeinde sind.

Daneben beschäftigte uns die neue Tatsache im Transformationsprozess, dass Petrus und Bartho keine Einigung über die Rechtsform einer gemeinsamen Zukunft erzielen konnten. Umso schöner war es aber, dass sich etliche GKR-Mitglieder aus Petrus trotzdem auf den Weg gemacht hatten und einen Teil der Klausur mit uns verbrachten. In den Gesprächen wurde deutlich, dass die Entscheidungen der GKRs keinen Schlussstrich für die künftige Zusammenarbeit gesetzt haben, sondern vielmehr einen Doppelpunkt: Die Gespräche sollen fortgeführt werden und wir haben erste Verabredungen getroffen, dass wir weitere Schritte zu gemeinsamen Projekten gehen wollen. Gegenseitige Einladungen zu Veranstaltungen bleiben eine Selbstverständlichkeit. Zusätzlich angedacht ist zu gegebener Zeit eine gemeinsame Klausur. Und die übernächste Gemeindefahrt soll eine für beide Gemeinden sein.