26. Juni 2019 | Allgemein
Im Mai wurde Friedrich Kramer von der Landessynode zum neuen Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gewählt. Bisher war er als Pfarrrer im Kirchenkreis Querfurt (1993-96), Studierendenpfarrer in Halle (1997-2009) und Leiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V. (seit 2009) tätig. Ab September tritt er sein neues Amt als Nachfolger von Ilse Junkermann an. Vorab war er so freundlich, sich unseren Fragen zu stellen.
Lieber Herr Kramer, wozu brauchen wir als EKM einen Bischof bzw. eine Bischöfin?
Weil wir dieses Amt in unsere 10 Jahre alte Verfassung geschrieben haben. Sicherlich hätte es auch Kirchenpräsidentin, Schriftführer oder Präses heißen können, aber Bischof ist ein neutestamentlich erwähntes Gemeindeleitungsamt und es steht für eine unabhängige Kirche.
Was werden darüber hinaus ihre wichtigsten Aufgaben als künftiger Bischof sein?
Zuhören, Gremien leiten und moderieren, Ideen und Anregungen entwickeln, öffentlich sprechen, sich mit Menschen freuen wenn etwas neu eingeweiht oder gefeiert wird und viel Beten, Predigen, Singen, das werden die Aufgaben sein. Wichtig ist immer das, was jetzt dran ist.
Worauf freuen Sie sich bei ihrer zukünftigen Arbeit am meisten?
Ich freue mich auf engagierte und fromme Geschwister als Weggefährten, auf vielfältige Kontakte und Erfahrungen in der ganzen EKM und auf die Leitung unserer Kirche in nicht einfachen Zeiten.
Die finanziellen und personellen Ressourcen unserer Landeskirche schwinden. Brauchen wir im ländlichen Raum eher Leuchttürme oder sollen wir unseren Einsatz lieber nach dem Gießkannenprinzip verteilen?
Als Greifswalder mit Leuchtturmerfahrung habe ich mich immer schon gefragt, was die Leuchttürme im ländlichen Raum sollen. Konzentrieren oder Zerstreuen, beides kann je und je nötig und sinnvoll sein aber die erste Frage wäre für mich, wo finden wir neue finanzielle und personelle Ressourcen für unsere Arbeit.
Wo sehen Sie in unserer Landeskirche das größte Potential für eine positive Gemeindeentwicklung?
Das sehe ich in jeder Gemeinde, die ihre reale Situation liebevoll in den Blick nimmt und mit den Schätzen die da sind, wuchert.
Was wünschen Sie sich von den Ortsgemeinden für die kommenden zehn Jahre?
Ein fröhliches Pflügen, Gebetskraft und Mut, Gelassenheit in den schwierigen Situationen und Barmherzigkeit untereinander und mit den Mitarbeitenden von der Kantorin bis zum Bischof.
Lieber Herr Kramer, herzlichen Dank für Ihre Zeit und Gottes Segen für Ihren Dienst.
Die Fragen stellte Jakob Haferland. Am 7. September 2019 wird Friedrich Kramer im Dom zu Magdeburg feierlich in sein Amt eingeführt.
26. Juni 2019 | Allgemein, Angedacht
Monatsspruch Juni 2019: Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder. (Sprüche 16,24)
Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn jemand auf Dich zukommt und mit Komplimenten überschüttet. Wenn es dein Mann, deine Frau, Freund oder Freundin ist, fühlt es sich warm, herzlich und vertraut an. Ich habe einen Arbeitskollegen, den ich erst an der Schule kennengelernt habe. Trotzdem kam er bereits in der zweiten gemeinsamen Arbeitswoche ins Lehrerzimmer und begrüßt mich mit den Worten: „Hallo, schöne Frau.“ und einem französischen Küsschen auf die Wange. Manchmal kam auch die Begrüßung „Du siehst heute aber toll aus.“
Mir war so eine Begrüßung bisher nicht bekannt oder nur von sehr engen Bezugspersonen. Die erste Zeit fand ich es unangenehm, von einer fast fremden Person so angesprochen zu werden. Nach einigen Tagen sagte ich ihm, dass mir das unangenehm ist. Er war erst etwas irritiert, da ich nicht die Einzige war, die er so begrüßte. Am folgenden Tag erklärte er mir, dass er sich gar nichts dabei denke. Er wisse, dass ich verheiratet bin, dass er in einer festen Beziehung und Vater von zwei Kindern ist und es doch schön wäre, in den Tag mit etwas Liebevollem zu starten. Da musste ich mir erstmal Gedanken drübermachen.
Manchmal ist es schwer, nette Worte anzunehmen. In unserer Gesellschaft sind wir der Leistung ausgesetzt. Positive Dinge werden im Alltag selten honoriert. Vielmehr wird einem nur gesagt, was man falsch gemacht hat. Aber was passiert, wenn ich permanent nur meine Fehler gesagt bekomme? Meine Seele nimmt Schaden und mein Körper geht ohne die Anerkennung und Liebe anderer Menschen ein. Dies galt früher, gilt heute und in Zukunft. In der Schule spielt Leistung eine große Rolle. Es kommt nicht darauf an, wer den größten individuellen Fortschritt gemacht, sondern lediglich, wer die Eins geschrieben hat. Das sind im Grunde immer die gleichen Kinder. Macht man sich die Worte aus dem Monatsspruch zur Grundlage seines Arbeitens, sähe es anders aus. Die Kinder sind motiviert, greifen sich selber gegenseitig weniger an und es entsteht eine wertschätzende Atmosphäre, die Jeden in der Seele berührt und ihm guttut. So eine Atmosphäre zu schaffen, sollte das Ziel sein und nicht die Eins in der Matheklassenarbeit.
Dies ist die eine Seite. Positive Worte bewirken etwas bei meinem Gegenüber. Jedoch bewirken sie auch etwas in Dir, wenn Du sie aussprichst und jemand anderen etwas Gutes damit tun möchtest. So habe ich auch meinen Kollegen verstanden. Manchmal muss man die freundlichen Reden einfach nur zulassen und auch bis zu seiner eigenen Seele durchdringen lassen.
Magdalena H.
26. Juni 2019 | Allgemein
Nach den Sommerferien startet der nächste Jahrgang von Konfirmand*innen in die Vorbereitung. Eingeladen sind alle, die im Laufe des Schuljahres 2020/21 14 Jahre alt werden. Nähere Informationen zur Anmeldung gibt es im Gemeindebüro und demnächst auf der Webseite.
19. Juni 2019 | Allgemein, Übergemeindliches

Mit freundlicher Genehmigung des Diakoniewerks Halle
Samuel Hüfken besucht unsere Gemeinde und ist Krankenhausseelsorger im Diakoniewerk Halle. Wir haben uns mit ihm getroffen, um mehr über ihn und seine Arbeit zu erfahren.
Lieber Samuel, was macht ein Krankenhausseelsorger?
Samuel Hüfken: Seelsorge im Krankenhaus das ist sehr vielfältig. Das ist nicht nur Händchenhalten am Krankenbett, sondern hat viel mit Begegnung zu tun, auf den Fluren, an der Rezeption, in der Cafeteria. Begegnung, die gestaltet wird, ganz zweckfrei und offen, Der Schwerpunkt ist es aber, die Kranken zu besuchen.
Was reizt dich besonders an dieser Arbeit?
Diese Nuance Abenteuer, nicht zu wissen: Was erwartet mich? Wohin führt das Gespräch? Welche Fragen bewegen mein Gegenüber? Das bedeutet sich immer wieder neu einzustellen, viel Neues und eine Menge Abwechslung.
Ich stelle mir vor, deine Arbeit bringt auch viele schwere Momente mit sich.
Es ist besonders die Hilflosigkeit, die ich an vielen Stellen erlebe. Diese mitzutragen, mitauszuhalten und ihr zu begegnen, ist tatsächlich schwer. Mitunter ist es auch eine fehlende Sensibilität von anderen Professionen, was Seelsorge eigentlich ist oder kann. Seelsorge kann intensive Begegnungen ermöglichen, bei denen ich oft auch menschliche Abgründe erlebe, Verzweiflung, Hilflosigkeit. Da komme ich an meine Grenzen, die ich gut wahrnehmen muss.
Woher ziehst du in solchen Momenten die Kraft für diese Arbeit?
Rituale helfen mir solche Situation abzuschließen oder zu beginnen. Ganz viel Kraft ziehe ich aus meiner Familie. Wo ich das Leben nochmal ganz anders erfahre, mit meinen zwei kleinen Kindern und meiner Frau. Und dass ich hier im Diakoniewerk in Ergänzung zur eher passiven Rolle als Seelsorger auch aktivere Rollen einnehmen kann, in der Ethikberatung, in Mitarbeiterschulungen, in Andachten und Gottesdiensten.
Was sind für dich besondere Momente, wo für dich sofort klar ist: Genau das ist Seelsorge und das kann sie leisten?
Das sind vor allem Momente, wo meinem Gegenüber am Anfang völlig unklar ist: Wer bin ich, warum bin ich da – nur fragende Gesichter – doch dann sitzt und spricht man dort eine dreiviertel Stunde und merkt: Man hat heiligen Boden betreten. Man hat sich sehr aufeinander eingeschwungen. Und am Ende ein strahlendes „Dankeschön. Es war sehr gut, dass Sie da waren.“ Das berührt mich.
Dann merke ich, es ist ein Raum geöffnet worden, ich spüre Erleichterung, die Perspektive hat sich geändert. Zum Beispiel eine Frau, die dann plötzlich lacht und selber überrascht ist, dass sie lachen kann Und sich bedankt für die „Ablenkung“ und den erzählerischen Ausflug in ihre Erinnerungen. Das sind solche Sternstunden.
Diakoniewerk und Bartholomäusgemeinde liegen dicht beisammen. Siehst du oder wünschst du dir Möglichkeiten wo sich Gemeinde und Krankenhausseelsorge gegenseitig stützen oder von einander profitieren können?
Für mich ist Diakonie einer der Atemzüge, die Kirche tut. Von daher sehe ich auch Gemeindemitglieder als wichtige Lungenbläschen, die diesen Atem mittragen und dazu beitragen, dass dieser Atem zum Leben dient. Und da bin ich immer froh, wenn Leute sich bereit erklären zu unterstützen: in der Seelsorge, bei den Andachten.
Und das wäre auch im Diakoniewerk möglich?
Ja, Leute die den Eindruck haben, das könnte etwas für sie sein, können sich hier gerne engagieren. Das beginnt dabei, zu den Patientinnen und Patienten zu gehen. Wir ermöglichen eine Ehrenamtsausbildung zur seelsorgerlichen Begleitung und begleiten Ehrenamtliche supervisorisch. Es ist auch möglich, in unserer Bibliothek mitzuarbeiten oder Patienten zu den Andachten zu begleiten. Da sind wir wirklich sehr offen. Und ich freue mich natürlich, wenn wir als Diakoniewerk ins Viertel ausstrahlen können. Wir freuen uns über Hilfe bei unserer Arbeit, von der wir denken, dass sie Menschen hilft und wichtig ist.
Und anderes herum, wie kann Gemeinde vom Diakoniewerk zehren?
Ich glaube es ist gut, wenn man voneinander weiß. Wir haben eine Reihe von Angeboten, die wir natürlich für den ganzen Stadtteil machen: Konzerte, Sommerfeste, Flohmärkte, Familiengottesdienste mit dem Diakoniekindergarten oder Vorlesungsreihen. Da kann Gemeinde auch von profitieren. Es sind Angebote in einem anderen Setting, mit anderen Räumen und Gesichtern.
Lieber Samuel, herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für deine wichtige Arbeit.
Die Fragen stellte Jakob Haferland.
Das Diakoniewerk Halle sucht ehrenamtliche Unterstützung in folgenden Bereichen:
- Patientenbesuchsdienst im Krankenhaus
- Betreuung unserer Patientenbibliothek
- Alltagsbegleitung 65+
- Patientenbegleitdienst im Krankenhaus
Alle weiteren Informationen gibt es bei Udo Israel unter 0345 778-6203 oder info@diakoniewerk-halle.de