18. Dez. 2019 | Allgemein, Angedacht
Weihnachten steht vor der Tür. Das ist nicht zu übersehen und zu überhören. Alles wird hergerichtet, dekoriert und schön gemacht. Lichter leuchten überall, was besonders in der dunklen Jahreszeit sehr schön aussieht. Von vielen höre ich, dass sie sich auf Weihnachten freuen: Familie treffen, endlich frei haben, nicht arbeiten müssen, nicht zur Schule oder zu Uni müssen. Ich merke, diese Erzählungen sind mit Erwartungen an besinnliche Tage und harmonisches Miteinander in Unbeschwertheit geknüpft – auch in meinen Gedanken.
Und doch gerade in den letzten Monaten haben mich Botschaften erreicht, die mich erschütterten. Ein guter Freund erleidet, fern von seiner Heimat in den USA, einen Schlaganfall als er hier ganz in unserer Nähe dienstlich unterwegs war. Ein Verwandter erkrankt an Krebs. Die Mutter einer Kollegin, eine Frau in meinem Alter, stirbt ganz unerwartet.
Das steht im krassen Gegensatz zu dem Lichterglanz überall und führt mir vor Augen, wie verletzlich ich bin. Es macht mir deutlich, dass beste Ausgangsituationen, Planung oder rechtzeitige Vorbereitungen keine Garantie für was auch immer bedeuten. Woher nehme ich meine Sicherheit? Ich bin eine, die Sicherheit braucht, sucht, sich wünscht bzw. sich danach sehnt. Kann ich das alles ausblenden nur weil Weihnachten ist?
Die Verse 57-59 aus Klagelieder 3 berühren mich in dieser Verletzlichkeit besonders. Denn der Beter da klagt: „Du nahtest dich zu mir, als ich dich anrief und sprachst: Fürchte dich nicht! Du führst, Herr, meine Sache und erlöst mein Leben. Du siehst, Herr, wie mir Unrecht geschieht; hilf mir zu meinem Recht.“
Das war zur Zeit des Alten Testaments nach der Zerstörung Jerusalems. Aber wie kann ich das heute sehen und was hat das mit Weihnachten zu tun?
An Weihnachten denken wir daran, dass Gott Mensch wurde. Er kommt uns nahe, indem er wurde wie wir. Er kann sehr wohl nachempfinden, was ich fühle und erfahre. Jesus war so ganz richtig Mensch. Und nachdem er gestorben und auferstanden war, versprach er: „Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Das gilt auch mir. Weihnachten ist so etwas wie eine jährliche Erinnerung, dass Gott sich mir naht, bei mir ist und ich mich deshalb nicht zu fürchten brauchen.
Wenn mich irgendetwas nach unten ziehen möchte, so wünsche ich mir, dass ich daran denken, wie der Beter der Klagelieder damals, zu rufen: „Ich rief aber deinen Namen an, Herr, unten aus der Grube,“ und wie eben dieser Beter zu erfahren: „und du erhörtest meine Stimme … Du nahtest dich zu mir als ich dich anrief und sprachst: fürchte dich nicht!“ Unabhängig von meiner Situation darf ich mich freuen und – wie wir auch schon in der Predigt zum 2. Advent ermutigt wurden – „mein Haupt heben“, weil Gott mir nahe gekommen ist, meine Sache sieht und sich ihrer annimmt.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein besonderes Weihnachtsfest: Wir dürfen uns gemeinsam freuen.
Sigi
18. Dez. 2019 | Allgemein
Der neue Flyer für die Seniorenarbeit ist erschienen. Jeweils einmal im Monat laden wir ein zu „Fit & beweglich“ sowie zum Gemeindetreff. Hier sind auch Nicht-Senioren zu den wechselnden thematischen Angeboten herzlich willkommen. Verschiedene Generationen können sich auch bei „Spiel und Begegnung“ treffen. Den Handzettel können Sie hier herunterladen, gedruckte Exemplare liegen in der Kirche und im Gemeindehaus aus.
11. Dez. 2019 | Allgemein
Auch wenn das geplante Gründerhaus noch nicht richtig gestartet ist: Auf der Webseite tut sich immer mal wieder etwas. Klicken Sie doch mal rüber und lesen Sie die neuesten Meldungen…
11. Dez. 2019 | Allgemein, Kultur&Musik
Was wäre die Advents- und Weihnachtszeit ohne das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach? Auch in diesem Jahr gibt es wieder verschiedene Gelegenheiten in der Stadt, sich am „Jauchzet, frohlocket“ zu erfreuen:
- Mittwoch, 18. Dezember 2019, 19:00 Uhr, Pauluskirche: Kantaten I-III mit dem Stadtsingechor zu Halle
- Dienstag, 24. Dezember 2019, 22:30 Uhr, Pauluskirche: Kantaten I-III mit der Pauluskantorei
- Mittwoch, 25. Dezember 2019, 16:00 Uhr, Marktkirche: Gottesdienst mit den Kantaten I-III mit der Marktkirchenkantorei
- Montag, 6. Januar 2020, 18:00 Uhr, Marktkirche: Gottesdienst mit den Kantaten IV-VI mit der Marktkirchenkantorei
04. Dez. 2019 | Allgemein, Kinder

Foto: Anka Rappsilber
Wenn es in der Phoebe oder auf der Webseite Interviews zu lesen gibt, ist das üblicherweise eins mit einer bestimmten Person. Das ist hier ein bisschen anders: Wir haben nämlich einmal mehrere Kinder aus der Bartholobande befragt. Die Bartholobande, das ist der Kindergottesdienst für alle ab 5 Jahre bis zur 5. Klasse. Aus Datenschutzgründen kürzen wir die Namen ab.
Kommt ihr eigentlich gerne zur Bartholobande und würdet ihr das euren Freunden weiterempfehlen?
Der Tenor ist ein einstimmiges „Ja“. Übrigens auch bei der Frage, ob die Eltern es gut finden, wenn die Kinder zum Kindergottesdienst gehen.
Warum kommt ihr gerne?
N (m, 6 Jahre): Ich verstehe hier die Geschichten besser als im Gottesdienst für die Großen.
A (m, 9 Jahre): Und es ist hier auch nicht so langweilig wie in der Kirche.
L (w, 8 Jahre): Ja, hier werden die Geschichten immer interessant erzählt.
C (w, 10 Jahre): Außerdem macht die Bartholobande Spaß, hier gibt es immer etwas zu lachen.
Und was mögt ihr besonders?
T2 (m, 8 Jahre): Die Geschichten, die im Sand vorgespielt werden. [Anmerkung: Im Erlebnisraum gibt es eine kleine transportable Sandkiste, in der mit einfachen Hilfsmitteln wie Tüchern und kleinen Figuren biblische Szenen dargestellt werden können.]
A: Ich mag es auch, wenn die Geschichten wie in einem Theaterstück vorgespielt werden.
C: Und ich finde es schön, wenn wir Geschichten gemeinsam nachspielen, ich also auch selbst mitspielen kann.
Gibt es auch etwas, das euch nicht so gut gefällt?
Auch hier gibt es wieder ein einstimmiges Votum: Das Singen.
Was ist eure Lieblingsgeschichte aus der Bibel?
A: David und Goliath, weil sie starke Kämpfer waren
R (m, 11 Jahre): Moses und der Auszug aus Ägypten
L: Maria und Josef
C: Und insgesamt die Weihnachtsgeschichte.
T1 (w, 9 Jahre): Ich höre gerne die Geschichten von Josef, zum Beispiel als er von seinen Geschwistern in den Brunnen gestoßen wurde.
T2 : Besonders spannend finde ich Daniel in der Löwengrube oder Jakob und Esau.
C: Ich finde es auch gut, dass viele von den Geschichten nicht mit so einem Happy End aufhören.
Wie ist Gott für dich?
T1: Wenn ich verzweifelt oder traurig oder in Not bin, dann bete ich und dann kommt irgendwie Hilfe.
Vielen Dank für eure Antworten!
Die Interviews führten Anka Rappsilber und Antje Steinhardt.
04. Dez. 2019 | Allgemein, Angedacht
Der Advent ist die Zeit im Kirchenjahr, die in der Suche nach dem Grund unserer Fragen tiefer führt, uns zum Grund unserer Hoffnung leitet. Zu der Aussicht, dass Gott kommen wird, um den Menschen zu begegnen und sie zu erlösen. Der Advent erinnert an das Versprechen, dass Gott jetzt und überall bei uns ist. Der aber auch die Spannung erzeugt, zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir hoffen. Denn Bilder von Brandstiftung, unerwartet nahem Terror und der Vereinsamung in der Gesellschaft sind stark. Sie nagen an unserer Zuversicht. Manchem fressen sie die Kraft direkt aus der Seele.
Wir erleben den Advent als Zeit der Vorbereitung. Ein großes Fest erwartet uns und wird für die Lieben vorbereitet. Der Advent wird aber nichtsdestoweniger genau deshalb als eine kritische Zeit erlebt. Auf der einen Seite warten Christen ständig auf Zeichen Gottes. Warten ist jedoch ein riskantes Unterfangen. Leicht fangen wir an zu glauben, dass wir uns irren. Zweifeln, dass Gott kommen wird.
Wenn wir auf etwas warten – eine Tram, den Brief eines Freundes – warten wir erwartungsvoll. Wir leben in der Schwebe. Sind noch nicht im Land der Erfüllung gelandet. Unserer Hoffnung kann etwas zustoßen. Minuten, Stunden, Tage vergehen. Manchmal sogar noch mehr Zeit. Und es wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher, dass noch etwas eintritt und die Erfüllung kommt.
Wann setzt sich der Freund neben das Mädchen? Hat er vielleicht geschrieben, dass er sich verspätet, weil er die Tram verpasst hat? Ist er am falschen Ort? Hat sie die Zeit falsch verstanden? Wo bleibt er nur?
Eine Hoffnung darf nicht immer Hoffnung bleiben. Eine Hoffnung ist nur Wert der Hoffnung, wenn sie eintritt. Was aber, wenn aber das erhoffte Ergebnis nicht eintritt? Der Freund das Mädchen versetzt. Sich windet, er habe in der Aufregung den falschen Bus genommen. Könnte zumindest sein, wie unwahrscheinlich es auch ist.
Es kann sein, dass die Erfüllung anders aussieht als die Aussicht darauf. So wie Erwartungen nicht mit dem erfüllt werden, was wir wünschen, sondern was wir brauchen. In der Weihnachtsgeschichte ist es ja auch so, dass man den Verdacht behält, Gott habe den falschen Bus genommen und sei verfrüht in Bethlehem ausgestiegen, wo die Häuser dunkel sind, am Rande der Welt, bevor er noch in der glänzenden Metropole Jerusalem angekommen ist. Wir versuchen ihn wieder zurückzulotsen und schwärmen vom süßen Jesuskind. Doch Fakt ist, dass Gott sich nicht im Schein seiner Heiligkeit sonnt, sondern die (gott-)verlassenen Orte zum Glänzen bringt.
Wird Gott jemals auftauchen? Wie konnte Gott uns vergessen? Wir warten ungeduldig. Die Erwartungen gehen schwanger mit neuen Möglichkeiten. Die Geschichte von Gott und den Menschen liest sich wie eine fortgesetzte Geschichte von Enttäuschungen, die beim Lesen gerade deshalb glücklich macht.
Ralf Döbbeling